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Bauhaus Weimar

Bauhaus Weimar – Urknall der Moderne

Inhaltsverzeichnis

Goethe, Schiller, Herder, Gropius. Was? Wer nochmal? Auch wenn Weimar vor allem als Klassikerstadt bekannt ist, so hat sie doch sogar noch ein zweites UNESCO-Welterbe zu bieten. Die Stätten des Bauhaus Weimar. Hier in Weimar entstand das erste Gebäude, das alle Künste des Bauhaus vereinte. Die Stadt hat sich 2019, im Zuge des 100-jährigen Jubiläums der Gründung des Bauhaus, verstärkt um das Erbe der Moderne gekümmert.

Vorgänger des Bauhaus – Henry van de Velde in Weimar

Das Bauhaus war jedoch nicht die erste Architekturschule in Weimar. Schon zuvor war der Belgier Henry van de Velde Direktor der hiesigen Kunstgewerbeschule. Auch er setzte in Weimar als Architekt einige Akzente. Deshalb lohnt sich auch eine Entdeckungstour zu den Wirkstätten von Henry van de Velde in Weimar.

Van de Velde kommt nach Weimar

Henry van de Velde war Sozialist und gehörte der Reformbewegung an. Er lebte mit seiner Familie ein für die damalige Zeit sehr progressives Leben. Er befürwortete klare Formen in Architektur und Design. Nach Weimar gekommen war er, weil er einen Erinnerungsort für den verstorbenen Philosophen Friedrich Nietzsche errichten sollte. Dessen Schwester Elisabeth hatte ihn dafür engagiert. Damit beginnt sein Schaffen in Weimar.

Hauptgebäude der Bauhaus-Universität

Geschwister-Scholl-Straße 8

Auch der Erzherzog Wilhelm Ernst lockte zeitgenössische Künstler nach Weimar und sorgte für eine gewisse Freiheit. Er stellte van de Velde als Direktor der Kunstgewerbeschule. Hier begann die kreativste Phase im Leben des Künstlers. In der Geschwister-Scholl-Straße stehen das ehemalige Hauptgebäude der Kunstgewerbeschule und der Henry-van-de-Velde-Bau. Die Gebäude wurden bereits von 1904 bis 1906 nach Plänen Henry van de Veldes geplant und errichtet. Das dortige Treppenhaus zeigt Repliken von Wandgestaltungen des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer. Das Direktorenzimmer, das zu besichtigen ist, wurde von Walter Gropius für die Bauhaus-Ausstellung 1923 entworfen. Am besten könnt ihr die Gebäude bei einem Bauhaus-Spaziergang entdecken.

Haus Hohe Pappeln

Belvederer Allee 58

Van de Velde selbst lebte mit seiner siebenköpfigen Familie in seiner Weimarer Zeit im Haus Hohe Pappeln. Heute ist es ein Museum der Klassik-Stiftung Weimar. Das Haus Hohe Pappeln benannte der älteste Sohn der Familie nach den großen Pappeln, die das Grundstück umgaben. Beim Bau stand es weit ab der Stadt. Die Gestalt des Hauses ist für die damalige Zeit recht schlicht. Neben dem Bau wurde auch das Mobiliar von ihm entworfen, jedoch nicht alle Stücke für das Haus Hohe Pappeln. Besonders bemerkenswert sind hier vor allem die praktischen Installationen, die sich durch die Nutzung des vorhandenen Raums und die Gestaltung selbst kleinster Details wie Lüftungsschlitze in den Wänden, einen Küchenaufzug und vieles mehr auszeichnen.

Weitere Henry van de Velde Werke in Weimar

Neben seinem eigenen Gebäude gestaltete er auch das Palais Dürckheim (Cranachstraße 47), die Villa Henneberg (Gutenbergstraße 1a) und das Erdgeschoss des Nietzsche-Archives (Humboldtstr. 36). Beim Mietshaus Menzel (Trierer Straße 71) ist seine Beteiligung bis heute umstritten. Im Neuen Museum gibt es eine ganze Reihe von Möbelstücken und anderen Gegenständen, die von van de Velde entworfen wurden, zu sehen. Auch in Chemnitz und Gera könnt ihr wichtige Bauten von Henry van de Velde begutachten. Sein Schaffen in Weimar endete ähnlich wie das des Bauhauses später. Während des Ersten Weltkriegs war er als Belgier starken Ressentiments ausgesetzt, die dazu führten, dass er bereits 1915 kündigte, aber erst 1917 in die Schweiz reisen konnte und bis dahin in Weimar bleiben musste.

Geschichte des Bauhaus Weimar

Das Bauhaus kommt aus Weimar – so hieß eine Ausstellung, die den Fokus von Dessau ein wenig mehr auf den Ursprung des Bauhaus in der Klassikerstadt lenken sollte. 1919 wurde die Schule für Architektur und Gestaltung in Weimar gegründet. Der Erste Weltkrieg war gerade vorbei. Es gab nicht nur Millionen Tote. Ganze Imperien, und mit ihnen gestandene Gesellschaften, kollabierten. Plötzlich lebten die Deutschen in einer Demokratie, die sogar hier in Weimar ausgerufen wurde. Mit ihr war auch die Gesellschaft freier geworden. Neue Experimente waren möglich. Der perfekte Nährboden für das Bauhaus Weimar.

Bauhaus Weimar Spuren
Spuren des Bauhaus Weimar finden sich überall in der Stadt

Das Bauhaus in Weimar – Gegensätze ziehen sich an?

Weimar war zu dieser Zeit eine konservative, gutbürgerliche Stadt. Schon Henry van der Velde hatte das als Leiter der Kunstgewerbeschule immer wieder zu spüren bekommen. Doch auch in Weimar schien eine neue Zeit angebrochen zu sein. Plötzlich kam diese Truppe mit revolutionären Ideen, die auch noch dazu oft Sozialdemokraten oder Kommunisten waren. Wie passte das nach Weimar? Reibungslos war es nicht und es blieb auch einer der Gründe, warum das Bauhaus hier nur rund sechs Jahre blieb, bevor es zum Bauhaus Dessau wurde. Der ständige Konflikt mit den Autoritäten zehrte an den Nerven von Walter Gropius und den anderen Meistern des Bauhauses. Dennoch entstanden hier einige wegweisende Projekte, die bis heute Ikonen der Moderne sind.

Bauhaus Weimar Sehenswürdigkeiten

Gebäude oder Objekte, die von den Bauhaus-Meistern oder Schülern erschaffen wurden, gibt es in Weimar nur wenige. Dennoch könnt ihr hier einige bedeutende Objekte sehen.

Musterhaus Haus am Horn

Am Horn 61

Für uns ist das Haus Am Horn das beeindruckendste Zeugnis der Frühphase des Bauhaus in Weimar. Was von außen wie ein trister Neubau daherkommt, war seiner Zeit weit voraus. Es war auch das erste Gebäude, das die Ideen des Bauhauses vereinte. Es ist im Grunde DAS BAUHAUS, denn wie Walter Gropius 1919 im Bauhaus-Manifest schrieb: „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeiten ist der Bau“. Das Haus selbst ist nicht in allen Details erhalten, da es viele Zwischennutzungen gab. Wir empfehlen euch, euch zuvor über das Haus zu informieren, um die Details des Bauwerkes entdecken zu können. Oder ihr nehmt gleich an einer Führung teil. Von der Einteilung der Räume bis zur Luftzirkulation im Keller – hier kann man einiges über moderne Architektur lernen.

Bauhaus-Museum

Stéphane-Hessel-Platz 1

Wer das Bauhaus Weimar sucht, der wird vor allem das Bauhaus-Museum finden. 2019 wurde das neue Museum mit 1000 Ausstellungsstücken endlich eröffnet. Zuvor war es jahrelang in einem klassizistischen Bau am Theaterplatz beheimatet, der nicht so recht zum Bauhaus Weimar passte. Deshalb wurde der Neubau von vielen in Weimar und von Bauhaus-Fans weltweit sehnsüchtig erwartet. Die neue Architektur wurde in einem Wettbewerb bestimmt. Der Auftrag wurde schließlich an die Architekten Heike Hanada und Benedict Tonon vergeben.

Ausstellung im Bauhaus-Museum Weimar

Das Bauhaus Museum zeigt die bekanntesten Werke des Bauhauses aus der Weimarer Schaffenszeit. Im Museum setzt man sich sowohl mit dem Schaffen als auch mit der Entstehung und dem Schicksal der Schule auseinander. In Weimar gab es nicht den einen Bauhaus-Stil und das Experiment stand über allem. Häufig basierten die Designs des Bauhaus Weimar jedoch auf den geometrischen Grundformen von Quadrat, Kreis oder Dreieck. Zu sehen ist dies eindrucksvoll an der Wiege von Peter Keler, der unter dem Einfluss des Meisters Wassily Kandinsky stand. Auch die Wagenfeld-Leuchte, Möbel von Marcel Breuer, die Bogler-Vorratsgefäße und die Teppiche von Benita Koch-Otte sind hier zu sehen und werden in ihrem Kontext erklärt.

Denkmal für die Märzgefallenen

Alter Friedhof Weimar

Gropius entwarf dieses Denkmal für die bei den politischen Kämpfen auch in Weimar gefallenen Arbeiter, die 1920 während des Kapp-Putsches ermordet wurden. Neun Arbeiter waren bei einer Versammlung von den Putschisten getötet worden. Mehrere Gewerkschaften betrauten Walter Gropius mit der Errichtung des Denkmals. Es soll einen „Blitzstrahl aus dem Grabesboden als Wahrzeichen des lebendigen Geistes“ darstellen. Kurz wird es auch als „Gropius-Blitz“ bezeichnet. Von den Nazis wurde es 1936 gesprengt und dann nach dem Krieg von den Behörden in der sowjetischen Besatzungszone wiedererrichtet.

Ilmschlösschen – Essen, wo die Bauhäusler Partys feierten

Taubacher Straße 25

Auch wenn das Gebäude nicht einmal ansatzweise im Bauhaus-Stil entstanden ist, so ist das Ilmschlösschen dennoch einer der Lieblingsorte der Bauhäusler gewesen. Auch wegen der günstigen Preise versammelten sie sich hier häufig, um gemeinsam zu feiern. Legendär sind dabei unter anderem die Kostümabende, die sie hier feierten und für die jeweils eigene Kostüme im Stil des Bauhauses entworfen wurden. Heute gibt es hier gute thüringische Küche.

Bauhaus-Universität Weimar – Reinkarnation des Bauhauses?

Die heutige Bauhaus-Universität nutzt den Namen des Bauhaues, dennoch sieht man sich hier nicht unbedingt in der Tradition des Bauhauses. Heute werden hier viele Kunstrichtungen, aber auch ganz andere Studiengänge als zu Zeiten des Bauhauses angeboten. Auch entspricht die Organisation der einer normalen deutschen Universität. Dennoch sind viele Studierende der Bauhaus-Universität auch stolz auf die Namensgeber und versuchen die Ideen des Bauhauses in ihren Studienarbeiten aufzugreifen. Für einen Spaziergang solltet ihr deshalb zunächst zum Hauptgebäude der Bauhaus-Universität gehen. Hier begann die Geschichte des Bauhauses als Weimarer Institution. Die Weimarer Kulturbürger legen großen Wert darauf, dass das Bauhaus aus Weimar stammt und nicht, wie viele denken, aus Dessau.

Bauhaus-Souvenirs aus Weimar

Es gibt drei Orte, an denen ihr Souveniers von eurem Bauhaus Weimar Trip ergattern könnt.

  • Der Museumsshop im Bauhaus-Museum bietet eine breite Auswahl an kleinen Souvenirs und Büchern über und vom Bauhaus.
  • Wenig richtungsweisend, aber trotzdem voll von witzigen Ideen und interessanten potenziellen Weihnachtsgeschenken, ist übrigens der Bauhaus-Weihnachtsmarkt im Hauptgebäude der Uni an einem Adventswochenende im Dezember.
  • Souvenirs kann man aber ansonsten auch im Bauhaus-Atelier kaufen, dem Laden der Universität hinter dem Van-de-Velde-Bau.

Buchtipps

Ihr wollt noch mehr über das Bauhaus Weimar erfahren? Hier haben wir für euch ein paar Bücher zu dem Thema zusammengestellt.

Bauhaus. Aktualisierte Ausgabe*
  • Droste, Magdalena (Autor)
  • 552 Seiten - 27.03.2019 (Veröffentlichungsdatum) - TASCHEN (Herausgeber)

Das über 500 Seiten starke Buch von Magdalena Droste gilt mittlerweile als eines der Standardwerke über das Bauhaus. Wunderbar illustriert wird hier vor allem die Geschichte des Bauhaus unter die Lupe genommen.

Bauhaus-Spaziergang: In Weimar unterwegs auf den Spuren des frühen Bauhauses*
  • 68 Seiten - 06.01.2020 (Veröffentlichungsdatum) - Bauhaus-Universitätsverlag Weimar (Herausgeber)

Aktuelles Taschenbuch, das euch auf den Spuren des Bauhaus durch Weimar führt.

Bauhaus 100: Orte der Moderne (Architektur)*
  • Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar (Autor)
  • 316 Seiten - 15.08.2019 (Veröffentlichungsdatum) - Hatje Cantz Verlag (Herausgeber)

Das Buch ist wie ein Atlas aufgebaut und führt euch nicht nur zu den Bauten in Weimar und Dessau, sondern auch zu anderen Bauhaus-Gebäuden in verschiedenen Teilen Deutschlands.

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