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Eine Estland Reise durch das Herz des Landes

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Zentralestland steht klar im Schatten der Hauptstadt Tallinn oder größerer Orte wie Tartu, Narva oder Pärnu und den Inseln. Das Herz Estlands um die Kreise Järvamaa und Jõgevamaa ist für viele Touristen daher noch Neuland. Das hat durchaus seine Vorteile, denn so könnt ihr die Natur mit ihren Mooren und Karstgebieten ganz in Ruhe genießen. In den kleinen Städten Paide und Põltsamaa könnt ihr zudem noch alte Burgruinen bestaunen. Wir finden, dass zu einer Estland Reise auch das Herz des Landes gehört. Hier präsentiert sich Estland nämlich ungeschminkt und weniger touristisch als anderswo. Es gibt also genügend Gründe, hierhin zu fahren.

Wohin führt die Estland Reise durch Zentralestland?

Estland ist ein relativ kleines Land und flächenmäßig etwas kleiner als Niedersachsen. An seiner Nord- und Westseite wird es von der Ostsee umgeben, im Süden schließt sich Lettland und im Osten Russland an. Zwischen diesen natürlich und von Menschen gemachten Grenzen liegen die Kreise Järva und Jõgeva. Zusammen leben hier nur rund 100.000 Menschen. Die Landschaft ist hier eher flach und zeichnet sich durch ihre Wälder, Moore, Sümpfe und kleine Dörfer aus. Hier erfahrt ihr, welches die schönsten Sehenswürdigkeiten in der Mitte des Landes sind und warum es sich lohnt, auf der Durchreise hier Halt zu machen.

Paide

Paide (deutscher Name: Weißenstein) im Kreis Järva hat das Motto „Eestimaa süda“ gewählt, was auf Deutsch „Herz Estlands“ bedeutet. Welcher Ort wäre also besser geeignet, um unsere Reise durch Zentralestland zu beginnen?

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Bild von Thorsten Altheide

Der Lange Hermann

Paide ist vor allem für seine Burg bekannt. Diese wurde im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden (mehr zum Deutschen Orden erfahrt ihr hier) errichtet. Die Stadt wurde genau wie die Region zu einem Spielball von mehreren widerstreitenden Mächten, was auch an der Burg nicht spurlos vorüberging. Im Livländischen Krieg wurde sie zerstört, allerdings hat der Burgturm, der Lange Hermann, allen Zeiten getrotzt. In seinem Innern könnt ihr euch heute in einer Ausstellung über die Geschichte Estlands informieren, außerdem genießt ihr von oben eine tolle Sicht auf die Kleinstadt.

Im Zentrum von Paide

In Paide gibt es aber noch mehr zu sehen. Zwar leben hier heute nur rund 8000 Menschen, aber rund um den zentralen Platz Keskväljak gruppieren sich einige Sehenswürdigkeiten wie eine evangelische Kirche und das historische Rathaus mit Jugendstilelementen. Außerdem könnt ihr hier einige Holzhäuser bestaunen.

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Bild von Thorsten Altheide

Auf dem Friedhof Reopalu

Der Friedhof von Paide misst zwar nur etwa 250 x 100 Meter, dennoch wurden hier im Lauf der Zeit mehrere bedeutende Persönlichkeiten beigesetzt. Eine von ihnen ist Carl Hermann Hesse, der hier als Kreisarzt arbeitete und der Großvater des berühmten Schriftstellers Hermann Hesse war. Auch August Wilhelm Hupel fand hier seine letzte Ruhestätte. Er wirkte hier als Pastor und war einer der bedeutendsten Vertreter der Aufklärung im Baltikum. Außerdem gab er die erste estnischsprachige Zeitschrift heraus.

Endla-Naturschutzgebiet

Rund 25 Kilometer östlich von Paide beginnt das riesige Naturschutzgebiet Endla. Er erstreckt sich nicht nur über die Kreise Järva und Jõgeva, sondern liegt in Teilen auch im Kreis Viru. Es umfasst insgesamt acht Moor- und Sumpflandschaften mit mehreren Flüssen und Seen, darunter einem, der dem Naturschutzgebiet seinen Namen verlieh. In dieser einmaligen Naturlandschaft sind Dutzende Tier- und Pflanzenarten zu Hause. Teile der Moore sind dank Holzpfaden sehr gut erschlossen, sodass ihr heute zu jeder Jahreszeit durch die Landschaft spazieren könnt. Im Männikjärve-Moor habt ihr von einem Aussichtsturm außerdem eine tolle Sicht auf die Szenerie.

Bild von Thorsten Altheide

Türi

Südlich von Paide liegt der kleine Ort Türi, der auch als Estlands Frühlingshauptstadt bezeichnet wird. Und tatsächlich ist der Frühling die perfekte Jahreszeit, um im Rahmen einer Estland Reise auch in Türi vorbeizuschauen. Dann blüht es hier an jeder Ecke und die Allen, Parks und öffentlichen Gärten kommen besonders schön zur Geltung. Dann findet in Türi auch ein großer Blumenmarkt statt, der Schaulustige aus der ganzen Region anzieht. Im Umland von Türi befinden sich außerdem einige sehenswerte alte Guthöfe wie das Herrenhaus Särevere und das Anwesen Laupa, die einen Einblick in das Leben deutschbaltischer Adelsfamilien in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ermöglichen.

Bild von Thorsten Altheide

Järva-Jaani

Järva-Jaani zählt nur knapp 1000 Einwohner. Der alte deutsche Name des Ortes, Sankt Johannis, leitet sich von der mittelalterlichen Wehrkirche des Ortes ab, die Johannes dem Täufer geweiht ist. Sie wurde im Lauf der Zeit mehrfach umgebaut, besonders schön ist die barocke Kanzel im Innern des Gotteshauses. Mit dem skurrilen Technikmuseum verfügt Järva-Jaani aber noch über eine zweite Sehenswürdigkeit. Hier könnt ihr neben alten Feuerwehrautos auch einen Wolga-Monstertruck und viele weitere sowjetische Fahrzeuge in Augenschein nehmen.

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Bild von Thorsten Altheide

Põltsamaa

Wir setzten unsere Reise nach Süden fort und verlassen den Kreis Järva. Im Kreis Jõgeva liegt ganz im Westen das Dorf Põltsamaa (Oberpahlen). Im Rennen um den Sitz des Verwaltungssitzes musste es sich zwar Jõgeva geschlagen geben, dafür ist der Ort aber deutlich schöner als die Kreishauptstadt.

Eine Burg und ein Schloss – oder das, was davon noch übrig ist

Berühmt ist Põltsamaa für die Ruinen der gleichnamigen Burg, der einzigen Königsburg in Estland. Sie wurde schon im 13. Jahrhundert errichtet, aber erst nur von 1570 bis 1578 residierte hier ein König, der von Zar Iwan dem Schrecklichen eingesetzt worden war. Als sich Magnus, der König, mit Polen verbündete, wurde das kurzlebige Königreich wieder aufgelöst. Die Burg verlor in der Folge an Bedeutung und brannte schließlich aus. Auf den Ruinen wurde später ein Rokoko-Schloss errichtet. Leider wurde auch dieses zerstört, aber so kann man heute immerhin die malerisch an einem Fluss gelegenen Ruinen von gleich zwei herrschaftlichen Residenzen nebst einer Kirche mit drehbarem Altarbild bewundern.

Über 17 Brücken musst du gehn

Ihr habt richtig gelesen: Es gibt in dem kleinen Ort gleich 17 Brücken. Das ist aber nicht die einzige Kuriosität in Põltsamaa. Die Stadt gilt nämlich auch als Weinhauptstadt Estlands. Nun mögen Kritiker anmerken, dass es in Estland viel zu kalt für guten Wein ist. Das stimmt allerdings nur dann, wenn man von Wein aus Trauben ausgeht. Der estnische Beerenwein ist hingegen ausgezeichnet und ihr könnt euch im Weinkeller auf dem Gelände der alten Burg in historischen Gemäuern von seiner Qualität überzeugen.

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Bild von Thorsten Altheide

Palamuse

Palamuse liegt östlich der für den Kreis namensgebenden Stadt Jõgeva. Rund 2500 Seelen zählt die etwas verschlafen wirkende Kleinstadt. Dabei gibt es hier einiges zu entdecken. Eine alte Wassermühle aus dem 19. Jahrhundert zum Beispiel. Oder eine mittelalterliche Kirche, die im Lauf der Zeit mehrere Umbauten mitgemacht hat. Daneben befindet sich ein kleiner Friedhof, dessen älteste Gräber noch aus dem 15. Jahrhundert stammen.

Der beliebteste Film der Esten

Die meisten Esten kommen freilich aus einem anderen Grund nach Palamuse: Hier wurde nämlich 1970 der Film „Kevade“ gedreht. Er gilt als beliebtester Film des Landes und erzählt die Geschichte einiger Schuljungen. Er wurde in einer Schule bei der Kirche gedreht, die auch von Oskar Luts besucht wurde. Dieser verfasste die Erzählung, auf deren Vorlage der Film basiert. Ihm zu Ehren wurde hier ein kleines Museum eingerichtet. Palamuse ist außerdem ein idealer Ausgangspunkt, wenn ihr Vooremaa erkunden wollt.

Vooremaa

In der letzten Eiszeit entstand mitten in Estland eine eigentümliche Landschaft, die von ihren länglichen, von Nordosten nach Südwesten verlaufenden Hügeln gekennzeichnet wird. Man spricht bei diesen Hügeln von Drumlins. Zwischen den Hügeln liegen idyllisch mehrere Seen, die heute als beliebte Badereviere dienen. Ein Teil dieser Landschaft wurde von der Regierung zum Naturschutzgebiet erklärt. Besonders schön ist der See Raugastvere, an dem sich auch ein Aussichtsturm befindet. Neben dem Aussichtsturm gibt es hier aber auch noch einsame alte Gutshöfe, einen Arboretumpark, einen Wildpark, der sich bereits im Kreis Tartu befindet, und ein Eiszeitmuseum zu entdecken. Genügend Gründe also, um im Rahmen einer Estland Reise auch in dieser einmaligen Naturlandschaft vorbeizuschauen.

Peipus-See

Ihr habt noch nie vom Peipus-See gehört? Mit seinen 3550 km² ist er der drittgrößte See in der EU und etwa siebenmal so groß wie der Bodensee! Eigentlich besteht er aus drei Seen, einem großen See im Norden, einem sehr kleinen Gewässer in der Mitte und einem mittelgroßen See im Süden. Durch die Mitte dieser Gewässer verläuft die Außengrenze der EU, auf der anderen Seite liegt Russland.

Für die russische Geschichte ist der Peipus-See von besonderer Bedeutung, denn hier schlug der russische Fürst Alexander Newski 1242 ein alliiertes deutsches Heer und setzte so der Ostexpansion des Deutschen Ordens, über den wir euch in diesem Artikel mehr erzählen, ein Ende. Heute geht es hier aber ganz friedlich zu und der Peipus-See ist ein Paradies für Badegäste und Angler.

Buchtipps

Ihr seid neugierig geworden und wollt Estland genauer kennenlernen? Dann holt euch jetzt den Reiseführer „Baltikum“, den unser Estland-Experte Thorsten zusammen mit anderen Experten im Reise Know-How Verlag veröffentlicht hat. Hier findet ihr nicht nur viele Infos zu Tartu, sondern auch zu Litauen und Lettland.

In diesem Buch beschreibt die Reisejournalistin Stefanie Bisping Estland auf eine sehr persönliche Weise und zeichnet mit vielen interessanten Hintergrundgeschichten ein stimmiges Bild von Land und Leuten.

Wunderbare Doku, die Estland und all seine Naturschönheiten vorstellt.

Wildes Baltikum: Die Küste / Wälder und Moore*
  • Hans Henrik Wöhler (Schauspieler)
  • Christoph Hauschild (Regisseur)
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ohne Altersbeschränkung

Wir hoffen, euch hat unser Ausflug in das Herz Estlands gefallen. Welches ist euer Lieblingsort für eine Estland Reise? Lasst es uns gerne wissen und schreibt uns einen Kommentar!

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Markus Bingel hat lange in Polen, der Ukraine und Russland studiert und gearbeitet. Als Reisebuchautor zieht es ihn mehrmals im Jahr in die Länder des „Wild East“ – und noch immer ist er jedes Mal fasziniert von dieser Region. Als Co-Gründer des Blogs möchte er euch gerne die unbekannten, spannenden und immer wieder überraschenden Seiten Osteuropas vorstellen.

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