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Aukstaitija Nationalpark

Aukštaitija Nationalpark – Mit dem Kanu über Flüsse und Seen

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Klares Wasser, saubere Luft, viele Pflanzen in Wasser und an Land. Alles ist möglichst naturbelassen. Eine Tour mit dem Kanu durch den Aukštaitija Nationalpark bietet die schönsten Seiten der litauischen Natur. Auch ich bin mit dem Boot bereits zweimal durch diese ursprüngliche Landschaft gefahren und würde jederzeit wiederkommen.

Aukstaitija Nationalpark
Früher wurden auf dem Fluss Buka vor allem Baumstämme transportiert, die aus dem „litauischen Dschungel“ kamen.

Mit dem Kanu im Aukštaitija Nationalpark die Route der Holzfäller hinunter

Die Region ist eine der ursprünglichsten in Litauen. Der Fluss Buka, auf dem wir paddeln, war einer der Haupttransportwege für Holz aus den Wäldern Aukštaitijas. Baumstämme sind hier früher massenhaft den Fluss hinunter getrieben. Dem Wald scheint die Forstwirtschaft, zumindest soweit vom Kanu ersichtlich, kaum geschadet zu haben. „Man nennt die Region auch den litauischen Dschungel“, erzählt uns Bootsverleiher Rimvydas Grusnius. Ich glaube ihm gern.

Alle paar Dutzend Meter liegt ein Baum zum Teil oder ganz im Wasser. Gestrüpp ragt in das Flussbett. Zweimal müssen wir die Boote deshalb umsetzen. Dann heißt es aussteigen und das fast zentnerschwere Boot einige Dutzend Meter bis zur nächsten Lücke im Schilf tragen. Zum Glück sind wir zu dritt. Allein wäre das schwieriger. Wie lange man dann auf Hilfe warten müsste – ich weiß es nicht.

Aukstaitija Nationalpark
Es gibt mehrere Dutzend Tier- und Pflanzenarten, von denen einige auf der Roten Liste Litauens stehen.

Nationalpark Aukštaitija – Ältester Nationalpark in Litauen

Denn viele Menschen gibt es im älteste Nationalpark des Landes nicht. Aukštaitija kann man dabei frei mit Hochland oder Oberlitauen übersetzen. Natürlich gibt es dementsprechend auch ein Niederlitauen, das Žemaitija heißt. Der Nationalpark Aukštaitija liegt circa 100 Kilometer nördlich von Vilnius. Rund 70 Prozent des Nationalparks sind von Wald durchzogen. Dementsprechend einsam ist man mitunter auf der Kanutour. Nur ein paar Fische oder ein Wasservogel begegnen mir unterwegs. Viele der hier vorkommenden Arten an Pflanzen und Tieren stehen auf der Roten Liste Litauens.

Gemütlich im Fluss Buka treiben lassen

Schön wäre es, wenn ich mich jetzt einfach wie ein Baumstamm den Fluss Buka hinabtreiben lassen könnte, bis ich irgendwann an meinem Bestimmungsort ankommen würde. Ich würde eine Runde im klaren Wasser baden und wenn ich mal irgendwo steckenbliebe, würde mich sicherlich irgendwann ein anderer Baumstamm anschubsen oder ein Holzfäller würde mich zurück in den Strom schieben. Doch daraus wird nichts. Stattdessen paddele ich über Stunden und muss zumindest in den ruhigeren Momenten den Kurs korrigieren, damit die Strömung im Fluss Buka mich in die richtige Richtung treiben lässt.

Aukstaitija Nationalpark Kanu fahren
Besonders der Einstieg ist mitunter wackelig.

Nicht wenige Besucher fallen ins Wasser

Im Kayak geht der Ruderfluss deshalb auch manchmal etwas monoton vonstatten. Mal rechts, mal links. Immerhin macht der Fluss es angenehmer. Die Buka hat eine ganz entspannte Fließgeschwindigkeit. Dennoch bin ich noch etwas unbalanciert und traue mich nur gelegentlich die Kamera aus dem wasserdichten Sack zu holen, den uns Rimvydas Grusnius gegeben hat.

„Ungefähr 15 Prozent aller Besucher fallen ins Wasser“, sagt er. Auch bei meinem ersten Besuch in Aukstatija, das war schon im September 2007, kippte eines unserer Boote um. „Das passiert meistens beim Ein- und Aussteigen“, sagt Grusnius. Auch ich fühle mich besonders am Anfang unsicher und gerate leicht in Panik als mich meine Mitreisenden Rob aus Kanada und Julia aus Lemberg in der Ukraine mit ihrem Boot rammen.

Nationalpark Aukstaitija
Gegen den Wind auf dem See anzukämpfen ist mitunter schwer und kräftezehrend.

Über einen See mit sieben Inseln

Nach ein paar Stunden Paddeln schmerzen meine Muskeln in den Armen. Rob hat die Karte falsch gelesen und wir müssen eine Extratour kreuz und quer über einen der Seen im Nationalpark machen. Und das nur, um am Ende festzustellen, dass es dort nicht weiter geht und wir ganz woanders hinmüssen. Es gibt im Nationalpark Aukštaitija Dutzende Seen. Der Kretuonas ist der größte der Seen.

Aukstaitija Nationalpark See mit dem Kanu
Schwäne schauen auch mal vorbei, um die Kanuten zu begrüßen.

Der Tauragnas ist 62,5 Meter tief und damit auch der tiefste See von Litauen. Wir müssen hingegen den Baluošas durchqueren, in dem sieben Inseln liegen. Das verwirrt uns, denn vom Wasser aus sieht man hier nur Schilf und noch mehr Wasser. Nach der Odyssee finden wir dann aber doch den richtigen Abfluss und können unsere Tour fortsetzen.

Baluošas Anlegestellen
Man kann an einem der Stege halten und von hier ins Wasser springen.

Klares Wasser macht Badepausen möglich

Gern würde ich mich während der Tortur einmal abkühlen. Aber Badewetter herrscht an diesem Tag nur bedingt. Es ist nicht gerade heiß. Dennoch wäre das Schwimmen jedoch selbst im Fluss erlaubt. Und das Wasser ist so klar, man möchte am liebsten sofort reinspringen. Aber an diesem Tag kommen uns nur Angler in ihren hüftlangen Gummihosen entgegen. Die kleinen Fische im Fluss lassen sich durch das klare Wasser beim Schwimmen beobachten. Gelegentlich freuen sich eine Entenmutter mit ihren Kindern oder ein paar Schwäne über ein paar Brot-Überbleibsel vom Frühstück. Wir freuen uns über die klare Luft in einer der abgeschiedensten Regionen Litauens genießen.

Sightseeing an einer der schönsten Mühlen des Landes

Gemütlich ist die Fahrt trotzdem nicht immer. Besonders die Strecken über die Seen sind bei Wind wirklich anstrengend. Nach rund sechs Stunden haben wir uns endlich durch die Wasserpflanzen und gegen den Wind durchgekämpft und sind angekommen. Unser Auto hatten wir bereits vor Abfahrt an der Wassermühle von Ginučiai abgestellt.

Nun möchte man nach der Kraftanstrengung gern in den Auslauf der Mühle springen, wie es einige Besucher tun. Die Mühle aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist heute ein beliebter Ausflugspunkt. Einige Familien sind dort, es wird gegrillt. Der Besitzer des Bootsverleihs, Rimvydas Grusnius, lädt unsere Boote auf den Anhänger. „Freut mich, dass ihr nicht hineingefallen seid“, sagt er. Mich freut das auch.

Atomkraftwerk Ignalina
Das Atomkraftwerk Ignalina ist baugleich zum Reaktor von Tschernobyl. Auf Touren könnt ihr den Meiler am Rande des Nationalparks besichtigen.

Weitere Sehenswürdigkeit in und um den Aukštaitija Nationalpark

Neben dem Nationalpark selbst, gibt es noch einige schöne Sehenswürdigkeiten, die ihr bei eurem Besuch einplanen solltest.

Imkereimuseum in Stripeikiai

Das Imkereimuseum Stripeikiai ist das Museum für Bienenkunde in Litauen. 1984 gegründet, besteht es heute aus vielen verschiedenen Ausstellungsgegenständen. Sie zeigen die Entwicklung der Imkerei in Litauen. Im Außengelände könnt ihr viele verschieden Bienenstöcke sehen, von den einige echte Kunstwerke sind. In einige Bienenstöcke könnt ihr durch Glasscheiben schauen und so verstehen, wie die Bienen leben. Übrigens leben hier auch drei Bienenvölker aus der Ukraine, die der ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko 2005 seinem litauischen Amtskollegen Valdas Adamkus übergab. Das Museum ist allerdings nur von Mai bis Oktober geöffnet.

Palūšė mit Holzkirche

In Litauen gibt es anders als zum Beispiel in der Ukraine nur wenige Kirchen aus Holz. Umso erstaunlicher ist deswegen die Holzkirche St. Joseph im Dorf Palūšė. Die Kirche mit ihrer schönen Volksarchitektur und dem ebenfalls hölzernen Turm ist definitiv einen Besuch wert. Ganz wie bei Holzkirchen üblich wurde sie übrigens ohne Nägel gebaut, denn schließlich wurde Jesus mit Nägeln ans Kreuz geschlagen.

Aussichtspunkt Ladakalnis

Der Hügel Ladakalnis ist mit seinen 176 Metern der höchste Punkt in der Umgebung. Ein Holzpfad führt auf den Gipfel hinauf, von dem ihr einen schönen Ausblick auf die umgebende Seenlandschaft habt. Einst war der Hügel den hiesigen Heiden heilig und wurde als Opferberg für die Göttin Lada genutzt, woher auch der Name stammt.

Atomkraftwerk Ignalina

In der Nähe Nationalpark steht auch das stillgelegte Kernkraftwerk Ignalina, welches bis zu seiner Abschaltung 2009 der letzte in Betrieb befindliche Reaktor des Tschernobyl-Typs in der EU war und deshalb auch in einigen Szene der HBO-Serie Chernobyl gezeigt wird. Auf Touren könnt ihr sogar das Innere des Reaktors besichtigen und euch den Kontrollraum anschauen, der Baugleich mit dem in Tschernobyl ist.

Visaginas
Visaginas wurde als Stadt für das Atomkraftwerk Ignalina errichtet. Hier leben bis heute mehrheitlich russischsprachige Bewohner.

Visaginas

Als Siedlung für das Atomkraftwerk wurde die Stadt Visaginas gebaut, die nach der Abschaltung des Kraftwerks natürlich nicht abgebaut wird. Hier könnt ihr sehen, wie eine geplante Atomstadt in der Sowjetunion angelegt wurde. Keines der Gebäude hier ist älter als aus den 1970er-Jahren. Die Mehrheit der Bevölkerung hier spricht bis heute Russisch, denn für den Betrieb des Kraftwerkes wurden russische Sowjetbürger hier angesiedelt.

Wasserwege Aukstaitija Nationalpark
Karte der Wasserwege im Nationalpark Aukštaitija.

Aukštaitija Nationalpark Reisetipps

Anreise in den Nationalpark Aukštaitija

Ich selbst bin bei beiden Touren mit dem Auto angereist. Das Auto könnt ihr dann meistens am Endpunkt eurer Tour parken. Den Transport zum Startpunkt der Kanutour organisieren die Kanuanbieter auf Anfrage. De facto ist das meist auch notwendig.

Kanuverleih im Aukštaitija Nationalpark

Ich habe mein Boot beim Bootsverleihs Sakarva gemietet, die allerlei Kanutouren in Litauen anbieten. Für unsere sechsstündige Tour haben wir für den Transport der Boote insgesamt 20 Euro gezahlt. Normal wären 30 Euro fällig gewesen. Dafür können bis zu 8 Personen mit. Das 2er-Kayak hat 15 Euro Miete gekostet, mein 1er nur 10. Die Preise variieren je nach Wochentag und Saison. Neben Sakarva gibt es noch weitere Bootsverleihe.

Touren in Aukštaitija

Es gibt verschiedene Touren durch Aukštaitija und in die Umgebung, in denen ihr die Region sehr gut kennenlernen könnt. Hier eine Auswahl für euch, die wir empfehlen können.

Litauen Buchtipps

Sonst gibt es vor allem Reiseführer für das ganze Baltikum. Wen aber nur Litauen interessiert, der hat wesentlich weniger Möglichkeiten. Zum Glück gibt es dafür den Litauen-Reiseführer von Reise Know-How, der sich detailiert nur mit Litauen beschäftigt. Viele Tipps und ein guter Einblick in die litauische Kultur machen diesen Band zu einem guten Begleiter in den Städten, wie auch auf dem Land.

Labas! Das heißt Hallo auf Litauisch. Und auch wenn es nur wenige Millionen Sprecher dieser baltischen Sprache gibt, so hilft der Kauderwelsch Litauisch doch sehr gut dabei zumindest ein wenig der Sprache zu lernen. Das hilft nicht nur im Alltag, sondern wird auch das Herz des ein oder anderen Litauers oder einer Litauerin für euch öffnen.

Besonders wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid, ist es gut eine Karte dabei zu haben. Litauen hat zwar eine recht gute Netzabdeckung, jedoch gibt es auch hier noch das ein oder andere Funkloch.

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Peter Althaus ist Journalist, Autor und Blogger. 2011 hat er das Reiseblog Rooksack gegründet. Doch seine eigentliche Liebe ist immer schon Osteuropa gewesen. Mittlerweile lebt er in Lwiw in der Ukraine und führt dort einen Reiseveranstalter. Da er aber weiter gern schreibt, gibt es heute Wild East – das Osteuropa-Reiseblog.

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