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Dobrudscha Bulgarien

Dobrudscha Bulgarien – Die ruhigen Strände am Schwarzen Meer

Inhaltsverzeichnis

Nur die Wellen schlagen an das Ufer des Schwarzen Meeres an. Außer dem Wellenrauschen ist kaum etwas zu hören, hier am Strand bei Durankulak. Weniger Kilometer weiter ist die Grenze zu Rumänien. Doch Bulgarien endet hier vor allem am Meer. Dutzende Kilometer feinster einsamer Sandstrände, die anders als die Küste bei Albena oder Goldstrand, bisher kaum verbraucht sind. Nur wenige Spaziergänger mit ihren Hunden sind hier unterwegs. Oft sind es Einheimische. Ausländische Touristen verirren sich nur selten an die Strände der Dobrudscha in Bulgarien. Bisher ist das Gebiet noch ein echter Bulgarien Geheimtipp.

Dobrudscha Bulgarien Maisfeld
Auf den Feldern in der Dobrudscha wächst der Mais gut.

Dobrudscha Bulgarien als Grenzregion mit Rumänien

Die Dobrudscha ist zwischen Rumänien und Bulgarien geteilt und erstreckt sich vom Donaudelta bis runter hier nach Bulgarien. Die Region ist voll von Maisfeldern, die von alten Traktoren bewirtschaftet werden. Dazwischen Landarbeiter, deren lederne Haut von der Sonne hier schon tief braun gefärbt wurde. Etwas nördlich der Grenze liegt das Dorf Vama Veche, das zu den Geheimtipps in Rumänien zählt und wo vor allem junge Menschen zu alternativer Musik oft bis in die Morgenstunden feiern.

Dobrudscha Bulgarien
Der Strand von Durankulak ist offensichtlich für Zwei- und Vierbeiner ein gutes Ausflugsziel.

Durankulak – Raststätte an der Vogelroute Via Pontica

Die ganze Schwarzmeerküste Bulgariens ist eine einzige Vogelautobahn. Viele Vögel, groß und klein, ziehen hier zwischen ihren Sommerquartieren in Nordeuropa und den Winterquartieren in Afrika durch. Auch in Durankulak, dem nördlichsten Dorf der Schwarzmeerküste in Bulgarien und der dortigen Volgelbeobachtungsstation gibt sich alles die Klinke in die Hand, was bei Ornithologen Rang und Namen hat: Weiß- und Schwarzstörche, Kraniche, Kormorane und sogar Pelikane. Besonders berühmt aber ist die region für verschiedene Gänsearten. Rund um den geschützten Durankulak-See kann man ganzjährig Vögel beobachten.

Vogelschutzgebiete in der Dobrudscha
In den Feuchtgebieten wie hier am sogenannten Adlersumpf in Durankulak rasten viele Vogelarten.

Doch auch ruhebedürftige Menschen finden um Durankulak, was sie in Albena und Goldstrand sicher nicht finden. Während sich an den Stränden dort im Sommer Menschen aneinanderreihen wie in einer Sardinenbüchse, liegen am Strand von Durankulak nur wenige Seelen im Sand. Der Wind, der heute durch die Ebene der Dobrudscha weht, trägt den Sand raus aufs Meer.

Dobrudscha Bulgarien Krapets Fischerboot
Im Fischerdorf Krapets stehen die Boote bereit für den nächsten Fischfang.

Krapets – Wo ist Fischers Fritz?

Fischerboot an Fischerboot reiht sich etwas weiter südlich von Durankulak am kleinen Hafen des Fischerdorfes Krapets. Netze liegen neben einem Holzhaus. Es scheint Mittagspause zu sein, denn kein Fischer ist am Strand und doch scheint es, als ob jemand bis vor ein paar Minuten an den Motoren geschraubt hat. Vor einer der Holzhütten entdeckt Tanja einen Hundewelpen und nimmt ihn sogleich auf den Arm. Bis wir weiterfahren, kann sie das kleine Fellknäuel nicht mehr loslassen. Ich schlendere so lange umher und schaue, ob irgendwo ein wenig frischer Fisch zu finden ist. Meine Erkenntnis: Wo kein Fischer, da kein Fisch.

Und auch der Strand ganz in der Nähe ist ähnlich leer. Wir müssen erst suchen, bis wir ihn finden. Ein paar Autos stehen am Rande des Küstensandes. Zwei Imbisswagen versorgen ein paar Leute auf Holzbänken mit Getränken. Neben etwas Musik aus den Plastik-Lautsprechern sind sonst nur die Wellen zu hören, die alle paar Sekunden auf den feinen Sandstrand aufschlagen. Aus den Boxen dröhnt knarzend etwas bulgarische Tschalga-Musik. Aber man kann es auch leicht überhören.

Dobrudscha Bulgarien Leuchtturm Schabla
Wenn das Rot am Leuchtturm Schabla eine Signalfarbe sein soll, dann höchstens als Warnung vor dem drohenden Verfall.

Leuchtturm Schabla und die Seebrücke der Kormorane

Wieder ein paar Kilometer weiter sieht man schon von etwas Entfernung des Leuchtturm von Schabla. Er ist mit seinen 28 Metern der größte in Bulgarien. Er ist typisch für diese Gegend, wirkt er doch irgendwie vergessen. Der Turm hat schon bessere Tage erlebt, seit er 1856 eröffnet wurde. Wenn die rote Farbe hier noch eine Signalfarbe sein soll, dann höchstens Als Zeichen des Verfalls, den man hier bezeugen kann.

Seebrücke Schabla
Auf der Seebrücke ist schon lange niemand mehr spazieren gegangen.

Noch heruntergekommener ist jedoch die Seebrücke gleich daneben. Sie ist mit einer Stahlabsperrung abgetrennt. Oben drauf noch Stacheldraht – hier soll definitiv niemand drauf. Die Kormorane, die die Brücke mittlerweile in Beschlag genommen haben, scheint das kaum zu interessieren. Unser Guide Antanas berichtet, dass es heute noch vergleichsweise wenige sind. Sie tragen aber dafür auch zum weiteren Verfall der einstigen Seebrücke bei. Bald wird sie wahrscheinlich gänzlich in den Fluten des Schwarzen Meeres versinken. Ihre Tage sind schon lange gezählt.

Bulgarien Schwarzmeerküste Kamen Bryag
Bei Kamen Bryag findet sich nicht nur eine wunderschöne Steilküste. Hier gibt es auch Felsformationen. Die Nekropolis der Thraker gehört zu den ältesten Zeugnissen von Siedlungen in der Region.

Kamen Bryag – Steinformationen von Mensch und Natur

Weiter südlich von Schabla aus fahren wir auf einem kleinen humpeligen Feldweg wieder Richtung Küste. Da es etwas zu heikel wird, parken wir das Auto und laufen die restlichen Meter. Im Gras türmen sich einige Steine auf. Was etwas banal wie ein Haufen Steine aussieht, ist in Wahrheit eine antike thrakische Nekropole. Ein Friedhof der Urahnen der Bulgaren sozusagen. Direkt daneben fällt eine Felsklippe steil ab. Unterhalb sitzt ein einzelner Mann auf einem Felsen. Wir wundern uns, wie er überhaupt dorthin gekommen ist.

Dobrudscha Bulgarien Kap Kaliakra
Warnung! Am Kap Kaliakra geht es steil bergab. Dass die Warnung auch auf Deutsch ist, könnte bei der Durchsetzung helfen.

Kap Kaliakra – Delfine im Schwarzen Meer beobachten

Der Parkplatz des Kap Kaliakra ist der Scheidepunkt zwischen der menschenleeren Dobrudscha von Durankulak bis Schabla und den vollen Resorts von Albena und Goldstrand. Hier, an einem der östlichsten Punkte Bulgariens, haben wir das Glück im Wasser zwei dunkle Streifen beobachten zu können. Bei genauerem Betrachten stellen sie sich als zwei Delfine heraus, die immer wieder auftauchen, um nach Luft zu schnappen. Die bis zu drei Meter großen Delfine sind hier allerdings nicht hellgrau, wie man es aus Flipper kennt. Anders als die Großen Tümmler der Fernsehserie, hat der Gemeine Delfin einen dunklen Rücken und ist auch deshalb im türkisen Wasser des Schwarzen Meeres gut zu erkennen. 

Dobrudscha Bulgarien Kap Kaliakra
Am Kap Kaliakra ist Bulgarien zu Ende.

Knapp 5 Minuten dauert es, bis sie an einer Felsklippe aus dem Blickfeld verschwinden. Wie wir später erfahren, hat unsere Begleitgruppe ein paar Stunden zuvor sogar eine ganze Gruppe Delfine mit mehr als einem Dutzend Tieren gesehen. Immerhin sehe ich auf einer anderen die Schwarzmeerdelfine auf Dscharylhatsch in der Südukraine noch besser. Wir sind trotzdem neidisch, während wir ein paar Anekdoten über die Geschichte des Kaps hören, die noch heute eine Militärbasis ist. Am Ende des Kaps, hört auch Bulgarien auf und das Schwarze Meer beginnt. Von der kleinen Kapelle am Ende des Felsvorsprungs schaue ich zur See hinaus und stelle mir vor, wie das Kap wohl von unten aussieht. Wenn ich doch nur einmal mit den Delfinen tauschen könnte.

Bulgarien Buchtipps

Bulgarien ist ein beliebtes Reiseland. In der Buchlandschaft spiegelt sich die Auswahl bisher jedoch nicht wieder. Immerhin gibt es aber ein paar unterhaltsame Titel.

Der Dumont-Reiseführer gibt euch einen guten Überblick über das Land und führt euch zu den Sehenswürdigkeiten in Bulgarien.

So könnt ihr euch unter anderem die 111 Gründe anschauen, warum ihr Bulgarien lieben solltet. Darunter sind ein paar echte Bulgarien Geheimtipps.

Hinweis: Ich bin auf Einladung des Bulgarischen Tourismusministeriums im Land gewesen. Meine Meinung beeinflusst das natürlich nicht.

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Peter Althaus ist Journalist, Autor und Blogger. 2011 hat er das Reiseblog Rooksack gegründet. Doch seine eigentliche Liebe ist immer schon Osteuropa gewesen. Mittlerweile lebt er in Lwiw in der Ukraine und führt dort einen Reiseveranstalter. Da er aber weiter gern schreibt, gibt es heute Wild East – das Osteuropa-Reiseblog.

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Fiona
Fiona
1 Monat zuvor

Vielen Dank für die tollen Tipps! 🙂

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