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Heilsberg – Lidzbark Warmiński

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Nördlich von der Woiwodschaftshauptstadt Allenstein (Olsztyn), die wir euch in diesem Beitrag genauer vorstellen, liegt die beschauliche Kleinstadt Heilsberg, die auf Polnisch Lidzbark Warmiński heißt. Keine dreißig Kilometer Luftlinie sind es von hier bis zur Grenze der russischen Exklave Kaliningrad (Königsberg) und für viele Polen scheint hier bereits das Ende der Welt erreicht zu sein. Das war aber längst nicht immer so, denn früher war Heilsberg die Hauptstadt eines eigenen Staates! Von 1306 bis zur Ersten Polnischen Teilung war Heilsberg nämlich der Sitz der Fürstbischöfe von Ermland, einem Kleinstaat, dessen Gebiete heute mit den Masuren die Woiwodschaft Warmińsko-Mazurskie (Ermland-Masuren) bildet.

Das sind die schönsten Sehenswürdigkeiten in Heilsberg – Lidzbark Warmiński

Die Geschichte ist die eine Sache, viel wichtiger ist aber, was aus dieser Zeit heute noch zu sehen ist. Und das ist eine ganze Menge, denn die Fürstbischöfe haben im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Gebäude in Auftrag gegeben, die all die Zeiten überdauert haben. Und so kann sich das heute nur rund 15.000 Einwohner zählenden Heilsberg heute mit zahlreichen Schätzen aus der Vergangenheit schmücken, die wir euch hier einmal vorstellen wollen. Für mich persönlich eine Herzensangelegenheit, denn hier habe ich 2008 selbst ein paar Monate gelebt.

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Schloss der Fürstbischöfe

Heilsberg wurde nicht nur deshalb als Sitz des Fürstbistums Ermland ausgewählt, weil es günstig an der Handelsroute von Danzig nach Königsberg lag, sondern auch aufgrund seiner Lage am Zusammenfluss von Alle und Simser. Genau an dem Punkt, an dem die beiden Flüsse aufeinandertreffen, initiierte Bischof Johann I. von Meißen das Schloss mit seinen wuchtigen Backsteinmauern. Äußerlich hat sich seitdem kaum etwas verändert. Ihr könnt die gotische Burg heute besichtigen.

Die barocke Schlosskapelle solltet ihr nicht verpassen

Bei eurem Besuch der Burg stoßt ihr auf den prächtigen Speisesaal mit den Wappen der Fürstbischöfe, könnt den lauschigen Innenhof besuchen, die goldene Kapelle anschauen und sogar moderne Kunst bewundern. Bei eurem Besuch erfahrt ihr auch mehr über die zwei berühmtesten Bewohner des Schlosses: Ignacy Krasicki und Kopernikus.

Krasicki war nicht nur der oberste Kirchenvater Polens und Fürstbischof des Ermlands, sondern auch Schriftsteller. Seine Werke können der Aufklärung zugerechnet werden und er war ein Freund Friedrichs des Großen. Neben Theaterstücken schuf er unter anderem auch Fabeln, die polnische Kinder bis heute oft in der Schule lesen.

Kopernikus gilt als einer der bedeutendsten Polen überhaupt (obwohl es in Deutschland viele gibt, die ihn als Deutschen bezeichnen). Der Astronom lebte hier sechs Jahre und war als Leibarzt seines Onkels Lukas Watzenrode tätig. Daneben hatte er aber auch genug Zeit, von hier aus die Sterne und die Sonne zu beobachten und verfasste zahlreiche Schriften.

Ein einmaliges Hotel

Das Hotel Krasicki ist eines der interessantesten in ganz Polen und eine kleine Sehenswürdigkeit für sich. Südlich des eigentlichen Schlosses befindet sich eine weitere Anlage, die von den Bischöfen genutzt wurde. Leider befand sich diese lange in einem sehr schlechten Zustand, ehe das Hotel das Areal kaufte und aufwändig restaurierte. Auch der alte Uhrturm ist mittlerweile wieder geöffnet und steht auch Nichtgästen offen. Von hier habt ihr die schönste Sicht auf die Stadt, dort habe ich auch das Foto von der Peter-und-Pauls-Kirche weiter unten gemacht.

Blick auf das Schwimmbad in historischen Gemäuern

Das Hotel selbst wurde 2011 von Bloomberg in der Kategorie Architektur zum besten Hotel der Welt gewählt. Auf wunderbare Weise ist es hier gelungen, alt und neu zu verbinden und ihr könnt hier nicht nur übernachten, sondern auch die historische Bibliothek nutzen, in den mittelalterlichen Gemäuern schwimmen und vieles mehr. Das Hotel organisiert auch nette Kanufahrten auf den Flüssen.

Peter-und-Pauls-Kirche

Die dreischiffige Kirche wurde im 14. Jahrhundert errichtet und zählt mit ihrem Glockenturm und ihrer für die Region charakteristischen Backsteinbauweise zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt. Ein besonderer Schatz ist die 1929 von Bruno Goebel aus Königsberg geschaffene Orgel, die zu den bedeutendsten der Region zählt und noch original erhalten ist. Das Innere mit seinen weiß getünchten Wänden, den wundervollen Backsteinwerken und dem prachtvollen Altar bietet euch tolle Fotomotive. Leider gibt es die Originalglocke heute hier nicht mehr zu sehen. Sie sollte im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen werden und befindet sich heute im Besitz des Erzbistums Freiburg im Breisgau und wird gerade im Lüneburger Landesmuseum gezeigt.

Das Rathaus am Marktplatz

Marktplatz und Stadtmauer

Der kleine Marktplatz der Stadt trägt heute den Namen Freiheitsplatz (Plac Wolności) und hat den Krieg leider nicht unbeschadet überstanden. Einige historische Gebäude wie das Rathaus stehen hier aber noch immer, die Lücken wurden mit Plattenbauten gefüllt. Ein etwas merkwürdiger Anblick, der aber durchaus interessante Motive abgibt.

Nördlich des Freiheitsplatzes hat sich ein langes Stück der Stadtmauer erhalten, das in den letzten Jahren aufwändig restauriert wurde. Folgt ihr dem Verlauf der Stadtmauer, kommt ihr direkt zum Hohen Tor.

Hohes Tor

Das Hohe Tor markierte früher den Eingang zur Stadt und ist heute ein beliebter Treffpunkt, da sich in seiner Umgebung die meisten Geschäfte und Restaurants des Ortes befinden. Früher gab es drei Stadttore, aber nur dieses hat die Geschichte überdauert. Das vierstöckige gotische Gebäude wurde Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet.

Napoleons Spuren

Es gibt an der Rückseite des Tores einige interessante Details zu bewundern: Als Napoleon mit seinen Truppen die Stadt eroberte (Napoleon selbst schlief übrigens im Schloss, als die Kämpfe vorbei waren), wurde die Stadt zunächst mit Kanonen beschossen. Einige der Kugeln trafen auch das Hohe Tor, konnten dem massiven Bau aber nichts anhaben. Und so stecken die französischen Kugeln noch immer in den Mauern fest, wo man sie einfach drin gelassen hat.

Orthodoxe Kirche

Wenn ihr das Tor passiert habt, kommt ihr nach wenigen Metern zu einer orthodoxen Kirche. Wie ihr auf dem Bild sehen könnt, sieht dieses Gotteshaus nicht gerade aus wie eine typische orthodoxe Kirche. Das liegt daran, dass sie früher eine evangelische Kirche war. Das Gebäude wurde vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. im 19. Jahrhundert persönlich finanziert und abgesehen von der hübschen steinernen Fassade sind besonders die Holzkonstruktionen und -Emporen im Innern sehr sehenswert. Leider ist die Kirche oft verschlossen, ihr müsst also etwas Glück haben, um in das Gebäude zu gelangen.

Orangerie

Oberhalb der Altstadt steht auf einem Hügel südlich des Zentrums ein wunderbares Gebäude mit Stilelementen des Barock und des Klassizismus, das oft auch Krasicki-Palais genannt wird. Heute ist hier die Stadtbibliothek untergebracht und ihr könnt das Gebäude zu den normalen Öffnungszeiten besichtigen oder eine der Kunstausstellungen besuchen, die hier stattfinden (Mo.–Fr. 11–18 Uhr). Unterhalb der Orangerie befindet sich ein gepflegter kleiner Park, von dem aus ihr einen tollen Blick auf die Kirche und das Schloss habt.

Wir hoffen, unser Ausflug in den hohen Norden Polens hat euch gefallen. Habt ihr noch weitere Tipps oder Anmerkungen zu Heilsberg? Lasst es uns gerne wissen und schreibt uns hier einen Kommentar.

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Markus Bingel hat lange in Polen, der Ukraine und Russland studiert und gearbeitet. Als Reisebuchautor zieht es ihn mehrmals im Jahr in die Länder des „Wild East“ – und noch immer ist er jedes Mal fasziniert von dieser Region. Als Co-Gründer des Blogs möchte er euch gerne die unbekannten, spannenden und immer wieder überraschenden Seiten Osteuropas vorstellen.

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