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Insel Hiddensee – Eine Wanderung zu den schönsten Orten

Inhaltsverzeichnis

Die Insel Hiddensee, Rügens kleine Schwester, zählt zu den schönsten Orten im Ostseeraum. Im Gegensatz zum ohnehin nicht gerade trubeligen Rügen geht es hier nochmal eine Spur ruhiger zu. Ich habe mich schon bei meinem ersten Besuch vor rund 20 Jahren in das kleine Eiland verliebt und letzten Sommer eine Wanderung über die Insel gemacht, die mich zu den schönsten Orten geführt hat. In diesem Artikel möchte ich euch diese mal genauer vorstellen, zunächst aber schauen wir uns die Insel mal genauer an.

Das ist die Insel Hiddensee

Die Insel Hiddensee in Mecklenburg-Vorpommern liegt westlich vor Rügen, ist Teil der Vorpommerschen Boddenlandschaft und hat eine Fläche von weniger als 20 km². Hier soll der Norwegerkönig Hedin, dem die Insel ihren Namen verdankt, einst um eine Frau gekämpft haben. Einer anderen nordischen Saga zufolge ging es um einen Schatz. Aber auch andere Nordmänner zog die Insel an, bestes Beispiel ist der Hiddenseer Goldschmuck, der hier gefunden wurde und der heute in Stralsund ausgestellt wird.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Insel einen Boom und es kamen immer mehr Touristen nach Hiddensee. Schon wenig später wurden Teile der Insel als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Ein Glücksfall für Hiddensee, denn so konnte die natürliche Schönheit bis heute bewahrt werden. Und schon 1927 untersagte man das Benutzen von Motorfahrzeugen auf der Insel Hiddensee, auch heute noch ist sie autofrei!

Idyllisches Eiland mit hohem Promifaktor

Hiddensee hat in seiner Geschichte immer wieder berühmte Dichter und Denker, aber auch jede Menge Prominente angelockt, die hier Urlaub machten oder sogar ein eigenes Haus besaßen. Joachim Ringelnatz, Gerhart Hauptmann, Asta Nielsen, Max Gehlen, Walter Pingel – sie alle schätzten die Ruhe und Abgeschiedenheit auf Hiddensee. Einige Orte stehen noch heute mit ihnen in Verbindung und ich will sie euch im Rahmen der Wanderung vorstellen.

Wanderung über die Insel Hiddensee

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Die Anreise

Schon die Anfahrt hat mir gefallen, auch wenn sie mit etwas über 2 Stunden von Stralsund ziemlich lang gedauert hat. So hatte ich immerhin die Gelegenheit, schonmal in meinem Reiseführer zu schmökern und mich auf meine Wanderung einzustimmen.

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Die Ankunft in Vitte

Langsam bewegt sich die Fähre mit ihrem Hinterteil auf den kleinen Hafen zu, in dem ich auch das Titelbild dieses Beitrags gemacht habe. Hier dümpeln gemütlich einige blaue Fischkutter vor sich hin, in Kombination mit den Häusern ein schönes Fotomotiv. Wegen Corona sind nicht so viele Leute an Bord, daher kann ich schnell an Land gehen. Und was für ein Anblick! Direkt im Hafen warten mehrere Kutschen auf Kundschaft und die Pferde stehen gemütlich in der Sonne. Kurz überlege ich, ob ich auch einsteigen soll, aber schließlich bin ich ja zum Wandern gekommen und mache mich daher gleich auf den Weg.

Ein Spaziergang auf dem Deich

Zuerst schlendere ich ein wenig durch Vitte und hole mir ein Eis, dann geht es auch schon los und ich gehe am Feuerwehrhaus vorbei auf den Deich, der von hier aus immer nach Norden führt. Er erfüllt gleich zwei Funktionen, denn einerseits soll er die Insel vor Überschwemmungen schützen, andererseits ist er aber auch so gut ausgebaut, dass man hier wunderbar spazieren und Radfahren kann.

Asta-Nielsen-Haus

Schon nach 500 Metern erblicke ich links im Hinterland das weiß-blaue Asta-Nielsen-Haus. Joachim Ringelnatz hat mal geschrieben, dass das „Häuschen in der Mitte, Rund und rührend zum Verlieben“ wäre. Da hatte er Recht! Es wird auch „Karusel“ (dänisch für Karussell) genannt und erinnert an die dänische Schauspielerin Asta Nielsen (1881–1972). Sie besaß hier ab 1929 ein Haus, wo sie mit ihrer Familie häufig die Sommermonate verbrachte. Hier lernte sie auch Ringelnatz und Gerhart Hauptmann kennen, dem wir später auf der Wanderung noch begegnen werden. Für nur 2,50 € könnt ihr das Haus besichtigen und euch über die Schauspielerin informieren. Und weil es hier wirklich romantisch ist, kann man im „Karusel“ sogar heiraten!

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Weiter auf dem Deich nach Kloster

Weiter geht’s auf dem Deich. Links liegen einige Seen, rechts das Meer und mir weht eine sanfte Brise durchs Gesicht. Nach etwa fünf Minuten erblicke ich in der Ferne schon den Hafen von Kloster. Gemütlich liegen hier Segelboote und Fähren vor der Kulisse von reetgedeckten Häusern vor Anker. Nach wenigen Minuten habe ich den Ort erreicht.

Kloster

Dort angekommen, spaziere ich durch den gemütlichen Ort, vorbei am Mini-Supermarkt, bis ich an eine Kreuzung komme. Dort geht es nach links zur kleinen Inselkirche.

Die Kirche von Kloster

Seinen Namen verdankt der Ort Kloster einer Zisterzienser-Abtei, die hier im Mittelalter gegründet wurde. Von der Abtei ist heute nur noch die Kirche übriggeblieben, deren Wurzeln bis in 13. Jahrhundert zurückreichen, die in ihrer heutigen Form aber erst im 17. Jahrhundert gebaut wurde.

Der Friedhof

Bevor es in die Kirche geht, schaue ich mir erstmal den kleinen Friedhof vor der Kirche an. Die Inschriften sind in vielen Fällen kaum noch zu erkennen. Ein Grab sticht hier heraus, es ist das von Gerhart Hauptmann. Eigentlich wollte er in seiner schlesischen Heimat begraben werden. Da die damals aber bereits Teil von Polen war, wurde im sein letzter Wille verweigert und er wurde auf dem kleinen Kirchhof von Kloster beigesetzt.

Seefahrersymbolik im Innern

Nach der Erkundung des Friedhofs betrete ich die kleine Kirche. Ich weiß zunächst gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll, so ungewöhnlich finde ich das Gotteshaus. Als erstes fällt mir der Taufengel auf, der hier von der Decke schwebt und den ich so noch in keiner anderen evangelischen Kirche gesehen habe. Über ihm ist eine Himmelszeltmalerei zu sehen und am Kopf der Kirche ein schöner, blau-weißer Altar. Am anderen Ende befindet sich eine während des Zweiten Weltkriegs in Potsdam angefertigte Orgel. Aber auch zwei Schiffsmodelle gibt es zu sehen. Die Kirche wirkt heute auch deshalb so schick, weil sie erst 2020 restauriert wurde.

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Gerhart-Hauptmann-Haus

Ich setzte meinen Spaziergang nach Westen fort und komme so zum Gerhart-Hauptmann-Haus. Das Sommerhaus, die Villa Seedorn, wurde in den 1920er-Jahren gebaut und 1930 vom damals schon betagten Hauptmann (1862–1946) gekauft. Bis 1943 verbrachte er hier mit seiner Frau Margarete die Sommermonate und genoss die Ruhe und Abgeschiedenheit der Insel. Anlässlich seines 10. Todestages wurde hier ein Museum eingerichtet und das Originalinterieur konnte so erhalten werden. Besonders beeindruckend fand ich den Weinkeller, aber auch die Einfachheit, in der der berühmte Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger hier wohnte.

Zum Haus gelangt ihr über ein schickes, modernes Gebäude, in dem ihr auch eine gut sortierte Buchhandlung vorfindet.

Heimatmuseum Hiddensee

Ich spaziere weiter auf der kleinen Straße und komme schon nach wenigen Metern zum Heimatmuseum der Insel Hiddensee. Es ist in der 1888 errichteten Seenotrettungsstation untergebracht, einem der ältesten Häuser auf der Insel. Für den Eintritt von 5 € kann man sich hier über die Inselgeschichte informieren, aber auch Bernsteinarbeiten und eine Kopie des Hiddenseer Goldschatzes können hier bewundert werden.

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Auf zum Leuchtturm!

Nun spaziere ich wieder zurück in den Ort und komme so zu einer kleinen Kreuzung mit einer roten Boje. Hier folge ich der Beschilderung, die meinen Weg zum Leuchtturm weist. Der Untergrund besteht hier aus Betonplatten, was für Radfahrer super ist, aber nicht gerade idyllisch wirkt. In einem Affenzahn brausen hier manche auf dem Rückweg vom Leuchtturm in den Ort, für Hiddenseer Verhältnisse ist es hier ziemlich steil.

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Nach Passieren einer Schranke spaziere ich durch ein kleines Waldstück und komme so zu einem wunderbaren Aussichtspunkt, von dem ich nicht nur schon den Leuchtturm sehen kann, sondern auch das Hinterland der Insel bestens im Blick habe.

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Der Leuchtturm Dornbusch

Nun sind es nur noch fünf Minuten auf dem gut ausgebauten Weg, wobei ich viel länger gebraucht habe, denn ich konnte mich kaum sattsehen an dem Wahrzeichen der Insel Hiddensee und habe unterwegs auf einer Bank ein kleines Päuschen gemacht. Dort angekommen, hab ich erstmal in meinem Reiseführer nachgeblättert und konnte so erfahren, dass der Leuchtturm Dornbusch seinen Namen dem Sanddorn verdankt, der hier überall blüht. Seit dem späten 19. Jahrhundert verrichtet er hier zuverlässig seinen Dienst und da er auf einer Klippe steht und das Leuchtfeuer so fast 100 Meter über dem Meeresspiegel erstrahlt, kann man die Insel schon meilenweit entfernt ausmachen.

Leuchtturmbesteigung

Ihr könnt den Leuchtturm übrigens besteigen und habt so für nur 3 Euro nach dem Aufstieg eine tolle Sicht, die nicht nur bis nach Rügen und Stralsund, sondern bei gutem Wetter sogar bis zu den Kreideklippen der dänischen Insel Møn reicht.

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Spaziergang an der Ostseite der Insel

Hinter dem Leuchtturm führt ein schmaler Weg zu mehreren Klinkergebäuden mit hübschen grünen Türen, in denen die Leuchturmwärter und ihre Familien lebten. Nun führt mich ein Weg rechts leicht oberhalb der Küste zunächst zu einer Pferdekoppel, wo zwei Pferde neugierig auf mich zulaufen und sich fotografieren lassen.

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Weiter geht es entlang der Straße, auf der ich an einem Getreidefeld noch einmal einen Blick auf den Leuchtturm in der Ferne werfen kann und den leichten Wind genieße, der mir an dem ziemlich heißen Tag um die Nase weht.

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Wenig später schließt sich die kleine Siedlung Grieben an, in der auch mehrere hübsche Häuser mit Reetdächern stehen. Nach etwa einer Viertelstunde bin ich wieder zurück in Kloster angekommen.

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Da ich nun noch etwas Zeit habe, mache ich mich auf zur Westküste der Insel. Und schon bereue ich es, dass in meinem Rucksack nur Platz für meine Kamera, zwei Objektive und eine Flasche Wasser war und ich meine Badehose nicht mehr mitnehmen konnte.

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Ich beschließe, meine Schuhe auszuziehen und durch den Sand zu laufen. Der Strand ist relativ voll, aber trotzdem ist genug Platz für jeden. Ich gehe die knapp zwei Kilometer immer an der Seeseite zurück nach Vitte und brauche dafür bestimmt eine gute halbe Stunde. Jetzt ist noch eine knappe Stunde Zeit, bis meine Fähre zurück nach Stralsund fährt, weshalb ich mir in der Gaststätte Fischerklause noch einen Backfisch gönne.

Müde, aber voller schöner Eindrücke, steige ich auf das Schiff und trete die entspannte Rückfahrt nach Stralsund an.

Praktische Tipps Hiddensee

Anfahrt mit der Fähre nach Hiddensee

Die Anfahrt auf die Insel Hiddensee erfolgt mit der Reederei Hiddensee entweder von Rügen (ab Schaprode, Wiek oder Dranske) oder Stralsund aus. Da ich in Stralsund gewohnt habe, bin ich von dort gefahren und habe den Hafen in Vitte angesteuert, der etwa in der Mitte der Insel liegt. Aber auch nach Plogshagen im Süden und Kloster im Norden kommt man bequem mit dem Schiff.

Essen und Trinken

Es gibt auf der Insel Hiddensee zahlreiche gute Lokale, von denen ich hier nur zwei vorstellen kann.

  • Gaststätte Fischerklause, Achtern Diek 2, in Vitte. Hier gibt es unter anderem leckere Fischgerichte, die man entweder in dem urigen Lokal oder auf der Terrasse zu sich nehmen kann. Mein Tipp: Bestellt einen kleinen Snack und nehmt den dann mit an den Hafen von Witte. Direkt hinter dem Lokal gibt es nämlich Sitzmöglichkeiten, von denen aus ihr den Hafen bestens im Blick habt.
  • Haus Hiddensee, Kirchweg 31, Kloster. Das außen schneeweiße Lokal ist innen ganz rustikal im Stil einer gemütlichen Stube eingerichtet, man kann aber ebenfalls draußen sitzen. Auch hier gibt es leckere Fischgerichte und dazu eine leckere Sanddorntorte!

Buchtipps

Praktischer kleiner Begleiter, der in jede Hand- oder Hosentasche passt und auch mich auf meiner Reise unterstützt hat. Der Fokus liegt ganz klar auf Rügen, aber auch Hiddensee und Stralsund werden beschrieben, sodass euch im Urlaub garantiert nicht langweilig wird.

Hiddensee: Inselspaziergänge*
  • Böttger, Steffi (Autor)

Dieses günstige Buch widmet sich ganz den schönsten Spazierrouten auf der Insel, geht aber auch auf die Bedürfnisse von Radfahrern ein.

Der Greifswalder Dichter Claude Lebus hat in diesem Buch 42 Gedichte über die Insel Hiddensee zusammengefasst und diese mit seinen eigenen Bildern illustriert. Eine wunderbare Liebeserklärung an diesen besonderen Ort!

Auch Andreas Apelt und Günter Pump sind echte Hiddensee-Experten und stellen euch hier nicht nur eine Reihe interessanter Orte, sondern auch allerlei andere, nicht an konkrete Orte gebundene Besonderheiten auf der Insel vor.

Joachim Ringelnatz war einer der vielen Literaten, die sich von Hiddensee inspirieren ließen. Hier wurden einige seiner Werke zusammengetragen und man kann vor Ort den Zauber spüren, den Hiddensee auf den Dichterfürsten ausgeübt hat.

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Markus Bingel hat lange in Polen, der Ukraine und Russland studiert und gearbeitet. Als Reisebuchautor zieht es ihn mehrmals im Jahr in die Länder des „Wild East“ – und noch immer ist er jedes Mal fasziniert von dieser Region. Als Co-Gründer des Blogs möchte er euch gerne die unbekannten, spannenden und immer wieder überraschenden Seiten Osteuropas vorstellen.

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Selling-Richter
Selling-Richter
4 Monate zuvor

Gut geschrieben, sachlich so weit alles richtig. Fotos passen zum Text.

Heike Janke
Heike Janke
4 Monate zuvor
Reply to  Markus Bingel

Sehr gut die kleinen beobachteten Ausschnitte der Insel beschrieben, noch besser nachträglich recherchiert. Ich empfinde den Vortrag als sehr sachlich, sehr korrekt. Aber besuchen Sie die Insel nochmal und entdecken ihre zauberhafte Seele. Und vergessen Sie bitte wieder Ihre Badehose und genießen das Meer frei und unbeschwert. Ein Tagesausflug ist zu kurz, um den Zauber dieser Insel zu erspüren- glaube ich. Herzlicher Gruss

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