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Kiew Metro – Die unterirdischen Paläste der U-Bahn Kiew

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Ich muss zugeben, dass U-Bahnfahren nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Egal ob in New York, Berlin oder München, die Haltestellen wirken oft lieblos gestaltet und sind zudem oft etwas schmuddelig. In Kiew ist das aber anders. Ich freue mich jedes Mal auf eine Fahrt mit der Kiew Metro, wenn ich in der Stadt bin. Warum, das erfahrt ihr in diesem Artikel. Zunächst aber möchte ich euch die Metro Kiew gerne einmal genauer vorstellen. Und wenn ihr euch für Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, im Allgemeinen interessiert, dann klickt einfach hier und kommt so zu unserem Artikel mit den schönsten Kiew Sehenswürdigkeiten.

Kiew Metro – Geschichte der Kiew Ubahn

Die Metro Kiew gibt es schon seit 1960. Die Ukraine war damals Teil der Sowjetunion und in Sankt Petersburg und Moskau gab es bereits U-Bahnen. Eigentlich sollte Kiew schon 1942 eine Metro erhalten, durch den deutschen Überfall auf die Sowjetunion kam es aber nicht dazu. 1949 begann man dann mit den Arbeiten an der Metro.

Schwierige Voraussetzungen

Die Arbeiten gestalteten sich als schwierig, was vor allem dem Untergrund geschuldet war. Der Dnepr, die ukrainische Lebensader, fließt auch durch die Hauptstadt und erreicht hier eine Breite von über einem Kilometer! Kein Wunder, dass sich der Fluss tief in sein Bett gräbt und man viel tiefer buddeln musste, um unterirdische Stationen anzulegen. Aber genau darum ging es, denn man wollte nicht nur ein praktisches Fortbewegungsmittel schaffen, sondern auch die Überlegenheit sozialistischer Ingenieursleistungen veranschaulichen.

So sieht das Streckennetz heute aus. Auf dem Plan könnt ihr gut den Dnepr erkennen (Quelle: Kyiv Metro, Agenty zmin, CC 4.0 license, https://commons.wikimedia.org)

Eröffnung der Metro und Ausbau des Streckennetzes

Am 6. November 1960 war es dann endlich soweit: Nach elfjähriger Bauzeit fuhr die erste Kiew Metro los. Sie startete direkt am Dnepr an der Haltestelle Dnipro und fuhr bis zur Station Woksalna, also zum Hauptbahnhof. Auch heute noch bildet diese Strecke das Herz der Linie 1, die damals noch Swjatoschinsko-Browarska-Linie hieß. Schon kurze Zeit später wurde die Linie nach Westen erweitert und 1965 wurde sie Richtung Osten erweitert. So wurden erstmals auch die neuen Wohngebiete östlich des Dnepr in der Region Darnizja erschlossen. Im Lauf der Zeit wurde die Linie immer mehr erweitert und umfasst heute 18 Stationen auf einer Strecke von rund 19 km. Die Stationen der Linie 1 sind die schönsten in ganz Kiew.

1976 eröffnete man eine zweite Linie, die Kureniwsko-Tscherwonoarmijska-Linie, die heute als Linie 2 verkehrt. Sie führt einmal von Nord nach Süd. Heute ist die Linie knapp 21 km lang. Sie kreuzt die Linie 1 und die Linie 3. Ungewöhnlich: Die Kreuzungsbahnhöfe haben je nach Linie andere Namen, so etwas kennt man aus dem Westen nicht.

Die Linie 3 schließlich ist mit fast 24 Kilometern die längste Linie der Kiew Metro. Genau wie die Linie 1 erstreckt auch sie sich über beide Ufer des Dnepr. Sie wurde erst 1989, also kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion, in Betrieb genommen. Hier könnt ihr auch die längste Fahrt ohne Unterbrechung machen, denn bis ihr von der Station Slawutitsch nach Wydubitschi gelangt seid, vergehen ein paar Minuten.

Derzeit wird an der vierten Linie gebaut, auch eine fünfte und sechste Linie sind geplant.

Die Stationen der Kiewer Metro – Kathedralen unter der Erde

Die Kiew Metro sollte nicht nur die Ingenieursleistungen der Sowjetunion betonen. Die Stationen dienten im atheistischen Land gewissermaßen als Ersatzkathedralen und waren perfekt geeignet, um politische Werte im Sinne des Regimes zu vermitteln. Autos gab es schließlich nur wenige und fast alle mussten in Kiew die Metro nehmen. Und so entstanden nicht nur sehr schöne, sondern auch zeitgeschichtlich interessante Stationen. Die spannendsten stellen wir euch hier vor, wobei die meisten auf der Linie 1 liegen.

Schuljawska (Linie 1)

Wir starten unsere Metrofahrt an der Station Schuljawska im Westen der Stadt. Sie wurde 1963 eröffnet und hieß ursprünglich Bolschewik. Hier steht der kommunistische Arbeiter im Mittelpunkt. Ein Mosaik zeigt einen Arbeiter, der ein Atom als Symbol für die Atomkraft in der Hand hält. Die vielen bunten Mosaike, die es hier sonst noch so gibt, wirken ein bisschen wie aus Omas Badezimmer und nicht mehr ganz so modern. Spannend sind auch die kommunistischen Losungen über den Eingängen zu den Zügen. Auf der einen Seite waren sie russisch, auf der anderen ukrainisch. Die russischen Letter hat man mittlerweile herausgeschlagen, ihre Spuren sind aber noch zu sehen. Parolen wie „Arbeit“, „Brüderlichkeit“ und „Frieden“ sind daher nur noch auf Ukrainisch zu sehen.

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Teatralna (Linie 1)

Weiter geht’s zur Station Teatralna mitten im Zentrum von Kiew. Früher trug sie den Namen Leninska. Bei der Eröffnung 1987 stand hier noch eine große Leninbüste. Diese hat man mittlerweile entfernt. Ein Lenienrelief wurde erst 2014 durch ein etwas kitschiges Gemälde ersetzt, das die benachbarte Kiewer Oper zeigt. Die Station wirkt etwas düster, was an dem massiven roten Marmor liegt, der hier überall verbaut wurde und der an das Lenin-Mausoleum in Moskau erinnert. Von der Station Teatralna gelangt ihr zu Fuß zur Übergangsstation Soloti Worota, die wir weiter unten beschreiben.

Arsenalna (Linie 1)

Die Metro-Station Arsenalna ist innen relativ unspektakulär. Was sie aber so besonders macht, ist ihre Tiefe. 105,5 m unter der Erde versteckt sie sich und ist so die tiefste Metrostation der Welt! Die Fahrt nach unten mit der Rolltreppe dauert einige Minuten. Schön ist der Pavillon, über den man zur Metro Arsenalna gelangt. Davor befindet sich auch ein kleines Denkmal mit einem Artilleriegeschütz. Es erinnert daran, dass hier 1918 ukrainische Truppen unter Simon Petljura und Jewhen Konowalez gegen die Kommunisten kämpften.

Dnipro (Linie 1)

Fahrt ihr weiter Richtung Osten, kommt als nächstes die Station Dnipro. Sie ist eine der spektakulärsten in Kiew. Die Metro in Kiew fährt nämlich nicht immer unter der Erde, sondern teilweise auch oberirdisch. Die Metro Kiew kämpft sich zwischen der Station Arsenalna und Dnipro also über 100 Meter in die Höhe und verlässt hier das Dunkel. Gekrönt wird die Station von zwei riesigen sowjetischen Statuten. Eine zeigt einen Pionier mit einem Sputnik-Satelliten. Sein weibliches Pendant wird von Tauben umflogen, die den Frieden symbolisieren, den das Leben im Kommunismus angeblich bereithalten sollte.

Quelle: commons.wikimedia.org, Autor: Antares 610, CC0

Lybidska (Linie 2)

Genug von der Linie 1? Auch auf Linie 2 gibt es viele schöne Kiew Metro Stationen. Die Station Lybidska beispielsweise wurde 1984 eröffnet. Ursprünglich war sie nach Feliks Dzierżyński benannt, dem ehemaligen sowjetischen Geheimdienstchef. Sehenswert sind hier vor allem die sich biegenden Doppelbögen. Hier könnt ihr gut sehen, wie sich das Design im Vergleich zur viel älteren Linie 1 geändert hat.

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Slawutitsch (Linie 3)

Willkommen in der Disco. An der Station Slawutitsch wollte ich zunächst gar nicht aussteigen, wurde dann aber von den vielen Lichtern geblendet. Und ganz ehrlich, ein bisschen fühlt man sich hier wirklich wie in einem futuristischen Klub. Sicher einer der ungewöhnlichsten Metro-Stationen in Kiew. Die Station wurde 1992, also unmittelbar nach der Unabhängigkeit, eingeweiht. Eine Aluminiumdecke, rostfreie Metallsäulen und die einzigartige Beleuchtung sorgen dafür, dass man sich hier wie unter einem Sternenhimmel fühlt.

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Soloti Worota (Linie 3)

Soloti Worota ist eine der schönsten Stationen im Untergrund Kiews. Und würde hier keine Metro fahren, man könnte glatt meinen, man wäre zurück im Mittelalter. Dabei wurde die Station im Zentrum von Kiew erst 1989 eröffnet. Die prächtigen Leuchter und die vielen detailverliebten Mosaike schaffen eine Atmosphäre, die einer Kathedrale würdig wäre und korrespondieren super mit dem weißen Marmor. Die Mosaike zeigen alle Herrscher der Kiewer Rus vom 11. bis zum 13. Jahrhundert und stehen seit 2011 unter Denkmalschutz.

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Das Gemälde Motherland vom spanischen Künstler Kraser zeigt verschiedene Szenen aus der ukrainischen Tierwelt und den zerstörten Flughafen-Tower von Donezk

Osokorky (Linie 3)

Last but not least – meine absolute Lieblingsstation. Osokorky befindet sich jenseits des Dneprs und wurde 1992 eröffnet. Ursprünglich war sie eine der langweiligsten Stationen überhaupt und in schlichtem Weiß gehalten. Kein Tourist wäre je auf die Idee gekommen, hier auszusteigen, hätte man Ende 2018 nicht zahlreichen Streetart-Künstlern freie Hand gelassen. Und was entstanden ist, kann sich echt sehen lassen. Die Kunstwerke sind ziemlich politisch und behandeln den Konflikt um die Krim und den Osten des Landes.

Ich hoffe, die Fahrt mit der Kiew Metro hat euch gefallen. Mich hat übrigens ein Artikel in dem Reiseführer CityTrip Kiew* von Heike Maria Johenning zu den schönsten Stationen geführt, den ich euch wirklich empfehlen kann.

Euch hat der Artikel gefallen? Was sind eure Lieblingsstationen in Kiew und welches ist für euch die schönste Metro der Welt? Lasst es uns wissen und schreibt einen Kommentar!

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Markus Bingel hat lange in Polen, der Ukraine und Russland studiert und gearbeitet. Als Reisebuchautor zieht es ihn mehrmals im Jahr in die Länder des „Wild East“ – und noch immer ist er jedes Mal fasziniert von dieser Region. Als Co-Gründer des Blogs möchte er euch gerne die unbekannten, spannenden und immer wieder überraschenden Seiten Osteuropas vorstellen.

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