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Warschau Praga – Das neue Warschau Szeneviertel

Inhaltsverzeichnis

In einem anderen Beitrag haben wir euch bereits die schönsten Sehenswürdigkeiten Warschaus vorgestellt. Die meisten Touristen sind im Westen der Stadt unterwegs, wo sich die historische Altstadt, die Skyline mit den markanten Hochhäusern und viele romantische Parks befinden. In diesem Beitrag nehmen wir euch aber mal mit auf die andere Seite der Weichsel, wohin es bislang nur wenige Touristen verschlägt – nach Warschau Praga.

Die schönsten Praga Sehenswürdigkeiten

Praga ist das neue In-Viertel von Warschau und zieht Künstler und Kreative aus der ganzen Welt an. Neue Design- und Kunst-Hotspots sind entstanden und schaffen ein Viertel, das so ganz anders ist als die Glitzerwelt in der Altstadt. Los geht es also mit den schönsten Sehenswürdigkeiten in Praga, Warschaus spannendstem Stadtteil!

Soho Factory

Noch vor ein paar Jahren galt der Teil Pragas, in dem die Soho Factory steht, als einer der schmuddeligsten. Auf einem ehemaligen Fabrik- und Gewerbegelände haben sich mittlerweile Restaurants und Co-Working-Spaces niedergelassen, die tatsächlich ein bisschen Soho-Atmosphäre aus New York an die Weichsel bringen. Mittlerweile kommen auch immer mehr Touristen, was vor allem am weltweit einzigartigen Neon-Museum liegt.

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Neon Museum

Neon-Werbung hat in Polen eine lange Tradition. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg galten Neon-Zeichen als letzter Schrei, waren überall in der Stadt zu sehen und markierten den Aufbruch in bessere Zeiten nach dem für die Stadt katastrophalen Zweiten Weltkrieg. Aus dem Stadtbild sind sie mittlerweile größtenteils verschwunden, aber hier im neon muzeum in Praga haben sie ein neues Zuhause gefunden. Rund 200 Neon-Leuchtreklamen aus Warschau und der ganzen Welt könnt ihr hier bewundern. Ein einmaliges Erlebnis!

Ząbkowska-Straße

Neben all den hippen Orten in Praga gibt es auch noch so etwas wie den alten Geist des Viertels. Den spürt ihr am ehesten, wenn ihr durch die Ząbkowska-Straße schlendert. Warschau wurde im Zweiten Weltkrieg von den Nazis fast vollständig dem Erdboden gleichgemacht und es gibt nur noch wenige Gebäude aus jener Zeit. In der Ząbkowska-Straße in Praga haben aber einige von ihnen den Krieg überstanden und dienen heute immer wieder als Filmkulisse.

Versteckte Altäre

Hier stoßt ihr auch auf ein Phänomen, dass es in Praga immer noch oft zu sehen gibt: In den Hinterhöfen der Mietshäuser haben gläubige Bewohner oft kunstvolle Altäre angelegt, an denen meist zu Maria oder Jesus gebetet wurde. Polen ist ein stark katholisch geprägtes Land. Während des Sozialismus war es gar nicht so einfach, seinen Glauben offen ausleben zu können. Hier in den Hinterhöfen konnte die Polizei das Geschehen aber nicht so einfach kontrollieren und so fanden hier immer wieder geheime Gottesdienste statt. Es zählt zu den schönsten Praga-Erfahrungen, einmal durch die Ząbkowska-Straße und die Nachbarstraßen zu laufen und nach den Altären zu suchen, die zudem tolle Fotomotive abgeben!

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Różycki-Basar

In der Ząbkowska-Straße gibt es noch eine weitere Sehenswürdigkeit, die das alte Praga widerspiegelt. Der Różycki-Basar genießt in Warschau Kultstatus. Vor der Wende wurden viele Einkäufe auf solchen Märkten erledigt und längst nicht alle Waren waren offiziell erhältlich. Auch heute noch wird hier alles Erdenkliche angeboten und noch immer sind nicht alle Produkte Originalprodukte. Die Verkäufer sehen es daher auch gar nicht so gerne, wenn ihr Fotos macht. Lasst euch also nicht erwischen! Die Stadtverwaltung plant übrigens immer mal wieder, den Basar zu schließen. Das ist aber bisher immer am erbitterten Widerstand der Anwohner gescheitert. Zum Glück, denn einen solchen Markt findet man sonst in Polen vielleicht kein zweites Mal!

Koneser-Fabrik

Schon im 19. Jahrhundert wurde in der Ząbkowska-Straße eine Wodka-Fabrik errichtet. Sie entwickelte sich schnell zu einer der größten in ganz Polen, wo man bekanntlich gerne Wodka trinkt. Vor Kurzem wurde das Areal aufwendig saniert und ist neben der SOHO Factory heute der zweite hippe Spot in Warschau Praga. Für die Renovierung wurde die Fabrik mehrfach ausgezeichnet. Hier gibt es eine Filiale der Touristeninformation, einen Google-Campus, zahlreiche Cafés und Bars und ein witziges Wodka-Museum.

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Zeitreise: Im Wodka-Museum gibt es auch historische Wodka-Flaschen. Ob der Inhalt noch genießbar ist, konnten wir allerdings nicht herausfinden.

Wodka-Museum

Luksosowa und Wyborowa sind zwei der bekanntesten Marken, die hier hergestellt wurden und sie gehören auch heute noch zu den beliebtesten im ganzen Land. Ein idealer Ort also, um das Polnische Wodka-Museum ins Leben zu rufen. In der modernen und interaktiven Ausstellung erfahrt ihr alles über die Herstellung und Geschichte des Feuerwassers und könnt zudem an einer Wodka-Verkostung teilnehmen. Ihr solltet den Besuch des Museums daher eher in den späten Nachmittag legen, sonst kann euer Praga-Ausflug etwas verschwommen wirken.

Praga-Museum

Neben dem Neon- und dem Wodka-Museum gibt es auch ein Museum, das sich ganz der Geschichte der Stadtteils und seiner Bewohner verschrieben hat. Es richtet sich eher an Warschauer Bewohner, ist aber gerade deshalb so interessant, weil es einen ungeschminkten Einblick in das Leben in Praga heute und in der Vergangenheit bietet. Besonders gefallen hat uns, dass hier viele Praga-Bürger zu Wort kommen und auch auf Englisch Geschichten und Anekdoten aus dem Leben in Praga erzählen.

Floriańska-Straße

Von den Hauskapellen haben wir euch ja bereits erzählt. Natürlich gibt es aber auch in Praga sehenswerte Kirchen. Eine von ihnen, die Florianskathedrale (Katedra Św. Floriana) steht in der gleichnamigen Straße. Sie wurde um die Wende zum 20. Jahrhundert im Stil der Neogotik gebaut. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde sie als eine der wenigen Kirchen in Praga danach wieder aufgebaut.

Let the music play!

Vor der Kirche steht eine der witzigsten Praga Sehenswürdigkeiten: Ein kleines Denkmal einer Straßenkapelle spielt nach dem Verschicken einer SMS an eine dort angegebene Nummer eines von 100 Liedern, die früher in Praga gesungen wurden. Hier versammeln sich oft viele Leute, die den Sound des alten Praga wiederaufleben lassen wollen.

Maria-Magdalena-Kirche

Neben dem riesigen Einkaufszentrum Galeria Wileńska, das sinnbildlich für das neue Praga steht, erhebt sich am Wileński-Platz die Maria-Magdalena-Kirche. Das orthodoxe Gotteshaus wurde in den 1860er-Jahren errichtet und bietet einen tollen Kontrast zu der modernen Umgebung. Die Maria-Magdalena-Kirche ist Sitz eines Metropoliten und die bedeutendste Polnisch-Orthodoxe Kirche. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte dieser Teil Polens zu Russland, weshalb es natürlich auch viele orthodoxe Warschauer gab. Ein weiterer schöner Ort, um dem alten Praga nahezukommen.

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Das Nationalstadion am Abend (Bild von Henryk Niestrój auf Pixabay)

Nationalstadion

Jetzt wird es sportlich und wir verlassen den Kern Pragas. Für die Fußball-EM 2012 wurde das Nationalstadion aus dem Boden gestampft. Das Projekt wurde zum Politikum, die Baukosten liefen aus dem Ruder und es war lange unklar, was mit dem Nationalstadion passieren sollte. Heute trägt hier die polnische Nationalmannschaft ihre wichtigsten Spiele aus, außerdem finden hier Konzerte vor bis zu 60.000 Zuschauern statt.

Was den polnischen Steuerzahler wurmt, ist optisch sehr gelungen und wird abends sehr farbenfroh beleuchtet. Wenn Polen spielt, ergeben die LED-Leuchten an der Außenhülle eine wehende polnische Fahne – ein fantastischer Anblick! Von der Schönheit des Stadions könnt ihr euch auf einer deutsch- oder englischsprachigen Tour selbst überzeugen und so auch mal einen Blick in die Umkleidekabinen der Stars werfen.

Witzig: Im Winter wandelt sich das Nationalstadion in eine der größten Eislaufflächen des Landes. Ihr könnt hier dann nicht nur eure Runden drehen, sondern es finden oft auch Partys statt.

Für die EM 2012 wurde übrigens eine eigene Ubahn-Linie projektiert, die natürlich auch am Stadion hält. Beziehungsweise hätte halten sollen, denn fertig wurde sie leider nicht mehr rechtzeitig.

Ist Warschau Praga gefährlich?

Warschau Praga galt lange als gefährlich und wenig ansehnlich. Das hat sich in den letzten Jahren aber stark geändert. Dennoch ist die Gefahr hier Opfer von Kriminalität zu werden nicht deutlich höher als anderswo in der Stadt. Ihr braucht euch also keine Sorgen zu machen. Allerdings empfehlen wir euch, nicht gerade sturzbetrunken und mit einem „I love Cracow“-Shirt nachts alleine durch den Bezirk zu stolpern. Das wäre allerdings auch anderswo vielleicht ein Problem.

Die besten Praga Warschau Tipps

Praga ist ein lebendiger Stadtteil, in dem eigentlich immer etwas los ist. Neben Bars und Restaurants gibt es hier natürlich auch viele Möglichkeiten, den Stadtteil alternativ zu erkunden, zum Beispiel bei einer der interessanten Stadtführungen, die wir für euch gelistet haben.

Wo essen und feiern in Warschau Praga?

Praga hat mittlerweile eine recht ansehnliche Zahl von Restaurants, Cafés, Bars und Kneipen erhalten. Hier lässt es sich gut den Tag oder den Abend verbringen – besonders bei schlechtem Wetter. Doch auch einige Klassiker, wie eine echte polnische Milchbar sind unter unseren Warschau Praga Tipps!

Ząbkowski-Milchbar

Milchbars sind Kult! Und unsere Lieblingsmilchbar in Warschau befindet sich in Praga in der legendären Ząbkowska-Straße. Hier bekommt ihr zu absolut unschlagbaren Preisen leckere Klassiker der polnischen Küche serviert. Was eine Milchbar genau ist, haben wir euch in einem eigenen Artikel vorgestellt.

W oparach absurdu

In der Ząbkowska-Straße steht auch eine unserer Lieblingskneipen. Das W oparach absurdu (Im Nebel des Absurden) zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Hier gibt es günstiges Bier und leckere Pieroggen, aber das dürfte nicht der Grund sein, weshalb das Lokal so beliebt ist. Das liegt eher an der einmalig gemütlichen und abgedrehten Inneneinrichtung, den Konzerten die hier stattfinden und dem ganz eigenen Spirit, den dieser Ort hat.

Explosion Club

Disco Polo, eine sehr tanzbare Mischung aus elektronischer Musik und Schlager, war lange im Verruf und galt als Musik der einfachen Leute, hat aber in den letzten Jahren einen wahren Siegeszug angetreten. Oft übersteigen die YouTube-Aufrufe einzelner Videos die Bevölkerungszahl Polens um ein Vielfaches. Gleich mehrere Musiksender buhlen im TV um die Gunst der Zuschauer.

Im Explosion Club im Südosten Pragas, einem der größten Disco-Polo-Klubs überhaupt, könnt ihr Party feiern wie die Polen. Auch wenn man die meist etwas seichten Texte nicht versteht, lohnt ein Besuch unbedingt, auch weil hier fast immer einer der Stars der Branche ein Konzert gibt. Bekannt ist der Klub auch als Kulisse einer beliebten Telenovela des Landes, in der es um die Angestellten des Klubs geht, als Kulisse vieler Musikvideos und als Set der Castingshow „Disco Star“.

Die spannendsten Touren

Praga ist ein Stadtteil für Entdecker und daher gibt es kaum eine bessere Art, den Bezirk zu erkunden als zu Fuß. Auf dieser Tour* werdet ihr auf Englisch durch Praga geführt und schaut euch auch das Praga-Museum an.

Ihr wollt Praga lieber mit einem Retrobus erkunden? Klickt hier*, um den Bezirk in zweieinhalb Stunden ganz bequem und in einem kultigen Gefährt zu entdecken.

Buchtipp

Ihr wollt noch mehr über Warschau erfahren? Dann bestellt jetzt den CityTrip Warschau, einen Reiseführer, den ich im Reise Know-How Verlag veröffentlicht habe und der euch die schönsten Orte, die besten Lokale und die nettesten Spaziergänge durch Warschau vorstellt.

Noch nicht genug von Polen? Schaut regelmäßig auf unserer Polen-Länderseite vorbei, wo wir immer wieder neue Artikel veröffentlichen!

*  – dieser Link ist ein Partnerlink. Wenn Ihr hierüber etwas kauft oder bestellt, bekommen wir eine kleine Provision. Euch kostet das keinen Cent extra und wir können weiter neue Beiträge für euch schreiben. Danke für eure Unterstützung!

Markus Bingel hat lange in Polen, der Ukraine und Russland studiert und gearbeitet. Als Reisebuchautor zieht es ihn mehrmals im Jahr in die Länder des „Wild East“ – und noch immer ist er jedes Mal fasziniert von dieser Region. Als Co-Gründer des Blogs möchte er euch gerne die unbekannten, spannenden und immer wieder überraschenden Seiten Osteuropas vorstellen.

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