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Trampen in Polen vor der Wende – Ein Kühlschrank fürs Mitnehmen

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Trampen in Polen ist bis heute ein Kinderspiel. Ich bin nun schon öfter durch Polen unterwegs gewesen. Als Autofahrer und auch früher häufig als Tramper. Eine Legende hat mich dabei jedes Mal aufs Neue fasziniert. Viele Polen erzählten mir, dass man zu Zeiten des Kommunismus für das Mitnehmen von Trampern Coupons einer staatlichen Organisation bekam. Damit nahm man dann an einer Lotterie teil. Hauptpreis: ein Kühlschrank. Doch stimmt das wirklich? Ich habe dafür extra nachgeforscht. Und ich wurde überrascht.

Tramperfreundliches Polen

Viele Tramper erzählen mir bei meinen Reisen durch Polen immer wieder eine Geschichte. Die Story ist so einfach wie genial. Zu Zeiten des Kommunismus in Polen konnte man einen Kühlschrank gewinnen, wenn man Tramper mitnahm. Dazu soll es eine Art Stempelheft gegeben haben, in das die Mitgenommenen sich eingetragen haben und zum Dank hatte der Fahrer die Chance an einer Lotterie teilzunehmen. Hauptpreis der Lotterie war ein Kühlschrank. Fände ich super als Idee. Aber ein kommunistischer Staat der die individuelle Freiheit fördert?

Recherche nach der Autostop-Lotterie

Mehrmals habe ich Google durchforstet. Und mit verschieden Schlagwörtern bin ich nach rund 10 Minuten auf einen Artikel in der Zeitung Dispatch aus Lexington, North Carolina gestoßen. Dort ist das Ganze nur als Absatz erwähnt, aber ich hatte meine Spur und wollte die Geschichte daher genauer recherchieren. Ich rief bereits beim Polnischen Kulturinstitut an. Die erklärten mich glatt für verrückt.

Nachdem ich in Litauen mit einer polnischen Tramperin zusammengetroffen bin, die mir die Geschichte erneut erzählt hat, war mein Ansporn wieder geweckt. Also rief ich diesmal bei der polnischen Botschaft in Berlin an und bat eine der Pressereferentinnen um Hilfe. Auch sie konnte sich das mit Kommunismus und einem Tramperheft nicht vorstellen. Aber sie war dann doch angefixt auf meine Geschichte und versprach zu helfen.

Inspiration aus den USA

Trampen in Polen

Kurz darauf ging eine E-Mail bei mir ein. Darin die freudige Botschaft, dass Frau Szlosarek doch etwas dazu gefunden hat. „Erst nach Stalins Tod hat sich die Situation so gelockert, dass die Studenten es durchführen konnten. Sie haben es aus den USA kopiert. Sie hießen Boguslaw Laitla und Tadeusz Sowa. Mit Genehmigung der Polizei, haben sie diese Aktion im Sommer 1956 durchgeführt“, schreibt sie in der Mail.

Couponheft für Trampen in Polen

Das beste kommt aber noch. Nicht nur dass die Fahrer ein Extraheft hatten. Darin konnten sich die Mitgenommenen mit Namen und Daten des Reisenden und der Anzahl der mitgenommen Kilometer eintragen. Auch die Vorschriften, was man bei dieser Aktion darf und was nicht waren angegeben. Der Fahrer des Autos konnte, nachdem er die Coupons der Zeitung „Um die Welt“ ( „Dookoła Świata“, für Jugendliche und Touristen) zugesandt hatte, Preise gewinnen. Das letzte Buch zur Mitnahme wurde weit nach Ende des Kommunismus ausgestellt, nämlich erst 1994.

Preise für das Mitnehmen von Autostoppern

Zu gewinnen gab es zunächst ein Auto. Das waren dann polnische Fabrikate der Marken Warszawa, Syrena oder Mikrus. „Weil es zu viele Fahrer gab, die den Hauptreis wollten, hat man es nach einem Jahr in mehrere, kleinere Preise geändert: Ein Fernseher, ein Motorrad, ein Roller, ein Kühlschrank oder einFotoapparat“ wurden dafür bereitgestellt, so Dominika Szlosarek. Es stimmt also. Fürs Mitnehmen von Trampern konnte man mit ein wenig Glück in Polen früher einen Kühlschrank bekommen. Unglaublich oder?

Perspektive für die Mobilität der Zukunft?

Warum gibt es so etwas heute nicht mehr? Das wäre doch eine schöne Idee, um das Trampen wieder populärer zu machen. Und es könnte sogar viele Mobilitätsprobleme, nicht nur in Polen, sondern zum Beispiel auch auf dem Land in Deutschland lösen. Mit Apps und einer Registrierung könnte man Leute überprüfen. Man könnte sich einchecken und würde so sogar automatisch an einem Wettbewerb teilnehmen und könnte Preise gewinnen. Ich finde die Idee nicht nur lustig, sondern sogar problemlos umsetzbar. Gibt es Freiwillige?

Danke an Dominika Szlosarek für die Unterstützung bei der Suche und für die endgültige Aufklärung zum Thema!

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Peter Althaus ist Journalist, Autor und Blogger. 2011 hat er das Reiseblog Rooksack gegründet. Doch seine eigentliche Liebe ist immer schon Osteuropa gewesen. Mittlerweile lebt er in Lwiw in der Ukraine und führt dort einen Reiseveranstalter. Da er aber weiter gern schreibt, gibt es heute Wild East – das Osteuropa-Reiseblog.

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