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Weihnachten in Polen – die schönsten und ungewöhnlichsten Bräuche

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Weihnachten nimmt im katholischen Polen einen besonderen Stellenwert ein. Genau wie bei uns kommt die ganze Familie zusammen und man begeht das Fest in besinnlicher Runde. Die Bräuche, die hier gepflegt werden, sind teilweise christlichen Ursprungs, aber einiges entspringt auch dem Aberglauben vieler Menschen. In diesem Beitrag wollen wir euch die schönsten, lustigsten und skurrilsten Bräuche an Weihnachten in Polen vorstellen. Wir geben euch in unserem Artikel über Weihnachten in Polen auch ein paar praktische Tipps, denn es gibt durchaus ein paar Fettnäpfchen, die es an Weihnachten in Polen zu umschiffen gilt. Wenn ihr euch für Ostern interessiert, dann kommt ihr übrigens hier zum entsprechenden Artikel.

Das alkoholfreie Weihnachten in Polen

Wer einmal auf einer polnischen Hochzeit oder einem polnischen Geburtstag war, der weiß, dass durchaus viel Wodka fließen kann. An Weihnachten ist das aber anders. Zumindest an Heiligabend wird traditionell kein Alkohol getrunken, um sich ganz auf die Geburt Jesu konzentrieren zu können. Mehr noch, es wird traditionell nicht einmal Fleisch gegessen. Und das in einem Land, in dem durchaus viel Fleisch verdrückt wird.

Ein Stern am Himmel

Während man sich in Deutschland traditionell zu einer bestimmten Uhrzeit zum Essen verabredet, ist das an Weihnachten in Polen schon ein bisschen komplizierter. Genau so, wie der Stern den Heiligen Drei Königen den Weg zur Krippe Jesu gezeigt haben soll, wartet man nämlich auch hier auf den ersten Stern. Das wird natürlich nicht ganz so eng gesehen, aber es soll Menschen geben, die bei wolkenverhangenem Himmel in der Kälte stehen und sehnsüchtig darauf warten, endlich mit dem Essen beginnen zu können. Viele bezeichnen Heiligabend übrigens wegen dieses Brauchs auch als „Gwiazdka“, als kleines Sternchen.

Das Oblatenbrechen

Sobald der Stern gesichtet wurde, versammelt man sich im Haus oder in der Wohnung, spricht mehrere Gebete und teilt eine Oblate, die an das christliche Abendmahl erinnern soll. Danach umarmt man sich und jeder schaut dem anderen tief in die Augen und sagt ihm, was er ihm bedeutet und wieso er für ihn ein so wertvoller Mensch ist. Ein sehr emotionaler und schöner Moment. Auf dem Land bekommen übrigens auch die Nutztiere eine Oblate, da auch Ochse und Esel bei der Geburt Jesu mit von der Partie waren. Die Tiere bekommen aber bunte Oblaten, während die der Menschen weiß und daher rein sind.

Was kommt auf den Tisch?

Das Essen kann sich durchaus sehen (und schmecken) lassen. Denn auch wenn es kein Fleisch gibt, wird richtig groß aufgefahren. Genau zwölf Gerichte müssen es sein, denn so viele Monate hat das Jahr und so viele Jünger scharte Jesus um sich.

Was genau gekocht wird, ist dabei von Familie zu Familie unterschiedlich. Ein paar Klassiker gibt es aber, zum Beispiel eine leckere Rote-Beete-Suppe, den Barszcz mit kleinen Teigtaschen. Pieroggen gibt es zwar das ganze Jahr über, an Weihnachten dürfen sie aber auf keinen Fall fehlen. Traditionell werden sie an Wigilia, also Heiligabend, mit Pilzen gefüllt.

Bigos

Der Weihnachtsklassiker schlechthin ist aber Bigos, neben Barszcz und Pieroggen eines der drei polnischen Nationalgerichte. Eigentlich kommt Fleisch in den Eintopf aus Kraut, Pilzen und Lorbeerblättern, an Weihnachten bleibt er aber vegetarisch. Ein richtiges Weihnachtsbigos wird übrigens sieben Tage lang geköchelt (nicht durchgehend), bevor er fertig ist. Ihr seht also, dass die Weihnachtsvorbereitungen in Polen genau geplant werden müssen.

Gefilte Fisz und Karpfen

Um das sonst in der polnischen Küche fast allgegenwärtige Fleisch zu ersetzen, wird vor allem Fisch serviert. Ob Rollmops, Hering oder das jüdische Gericht „Gefilte Fisz“, auch hier wird groß aufgefahren. Oft wird auch Karpfen gegessen. Den Brauch, an Weihnachten Karpfen zu essen, gibt es auch bei uns. Vermutlich haben ihn Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemals deutschen Gebieten Pommern und Ostpreußen mit zu uns gebracht. Da man im früher sozialistischen Polen manchmal nicht sicher sein konnte, dass der Karpfen im Geschäft noch frisch war, besorgte man sich oft einen lebenden, der dann tagelang in der Badewanne schwamm.

Eigentlich hat jetzt schon keiner mehr Hunger, aber Nachtisch gibt es natürlich auch. Vor allem Mohnkuchen sind beliebt. Dazu passt ein Kompot, ein süßes Getränk aus aufgekochten Früchten. Auch Trockenobst wird oft gereicht.

Wenn ihr einmal selbst ein Essen wie an Weihnachten in Polen kochen wollt, dann findet ihr hier einige Rezepte.

Schuppen bringen Glück

Jetzt wird es skurril: Viele Polen bewahren eine Schuppe des verspeisten Fisches in ihrem Geldbeutel auf, da das angeblich das Jahr über Geld bringen soll. Das hat nichts mit der christlichen Tradition zu tun, ist aber ein lustiger Brauch und gehört für viele an Weihnachten in Polen dazu.

Der mysteriöse Gast

Für mich ganz klar der schönste Brauch: Egal, wie groß die Weihnachtstafel, ein Stuhl und ein Gedeck bleiben immer frei. Denn genau wie Maria und Joseph in einem Stall Unterschlupf gefunden haben, so soll auch Notleidenden in Polen im Falle eines Falles ein Dach über dem Kopf geboten werden. Solltet ihr übrigens der mysteriöse Gast sein, dann denkt daran, die Polen nicht auf der Türschwelle zu begrüßen. Man würde euch den Handschlag schlicht verweigern und sagen „Nie przez próg!“ („Nicht über die Schwelle“). Angeblich bringt das Pech. Das ist dann allerdings kein christlicher Brauch mehr, sondern reiner Aberglaube …

Weihnachtslieder und Geschenke

Nach dem Essen werden dann polnische Weihnachtslieder gesungen, die sogenannten Kolędy. Als deutscher Gast wird man die meisten nicht kennen, kann aber zumindest mitsummen. Mitzupfeifen wäre aber keine gute Idee, denn wer in Polen in geschlossenen Räumlichkeiten pfeift, bringt Unglück über das Haus. Noch so ein Aberglaube …

Ein beliebtes Weihnachtslied ist Pójdźmy wszyscy do stajenki („Lasst uns alle zur Krippe gehen“). Hier eine traditionelle Interpretation:

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Genug gesungen, jetzt gibt es endlich Geschenke! Die fallen in Polen meist bescheidener aus als bei uns. Einkaufsorgien in der Vorweihnachtszeit gibt es noch nicht in dem Maße wie in Westeuropa. Das Besinnen auf den christlichen Kern des Festes und das Zusammensein mit der Familie stehen im Vordergrund. Aber wer bringt den Kleinen eigentlich die Geschenke? Bei uns ist es traditionell das Christkind, in Polen sind dafür je nach Region andere zuständig. Meist ist ein ominöser Engel für die Geschenkebeschaffung verantwortlich. In Schlesien ist es aber oft auch das Christkind und in Westpolen ein männlicher sowie in Südpolen ein weiblicher Stern. Polen ist ein großes Land, da ist eine Arbeitsteilung schon sinnvoll …

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Der Gottesdienst

Wie schon beschrieben ist Polen ein katholisch geprägtes Land. Traditionell geht man an allen Weihnachtstagen mindestens einmal in die Kirche. Die wichtigste Messe findet aber an Heiligabend um Mitternacht statt. Die sogenannte Hirtenmesse ist immer gut besucht und es bilden sich selbst bei der oft herrschenden Kälte vor der Kirche Schlangen. Wichtiger Bestandteil ist das Weihnachtslied „Bóg się rodzi“ („Gott ist geboren“), das in Polen ähnlich populär ist wie bei uns „Oh, du Fröhliche“. Hier eine Interpretation der Nationalphilharmonie:

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Und nun wünscht euch das Team von Wildeast.blog Wesołych Świąt Bożego Narodzenia – Frohe Weihnachten!

Ihr kennt noch weitere polnische Weihnachtsbräuche oder wart schon einmal an Weihnachten in Polen? Schreibt uns gerne einen Kommentar!

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Markus Bingel hat lange in Polen, der Ukraine und Russland studiert und gearbeitet. Als Reisebuchautor zieht es ihn mehrmals im Jahr in die Länder des „Wild East“ – und noch immer ist er jedes Mal fasziniert von dieser Region. Als Co-Gründer des Blogs möchte er euch gerne die unbekannten, spannenden und immer wieder überraschenden Seiten Osteuropas vorstellen.

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