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Alba Iulia Karlsburg

Alba Iulia in Rumänien – Entdeckungen in Karlsburg

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Heute nehmen wir euch mit in den Westen Rumäniens, genauer gesagt nach Siebenbürgen. Hier liegt die rund 60.000 Einwohner zählende Stadt Alba Iulia, die auf Deutsch Karlsburg und auf Ungarisch Gyulafehérvár heißt. Aber warum schauen wir uns diese Mittelstadt an, von der viele im Westen vielleicht noch nie gehört haben? Ganz einfach: Weil Alba Iulia nicht nur seit der Antike bewohnt ist, sondern auch weil ihr hier eine nahezu vollständig erhaltene Altstadt erkunden könnt, die mit ihrem Festungscharakter einzigartig ist. Also, auf geht’s nach Siebenbürgen, zunächst aber schauen wir uns mal die Vergangenheit dieses geschichtsträchtigen Ortes an!

Alba Iulia Karlsburg
Der Festungscharakter von Alba Iulia ist noch heute deutlich spürbar

Die Geschichte von Alba Iulia

Die Wurzeln von Alba Iulia reichen bis in die Antike zurück. Römische Truppen eroberten hier eine Siedlung des Volkes der Daker namens Apoulon und wandelten sie in ein Heerlager um, dessen Reste man noch heute in der Altstadt sehen kann. Mit dem Untergang des Römischen Reichs erfolgte auch der Aufstieg des Reitervolks der Awaren, die die Siedlung eroberten und sie wegen ihrer weißen Mauern in Balgrad umbenannten, die weiße Stadt (auch der Name der serbischen Hauptstadt leitet sich davon ab). Und auch heute noch trägt Alba Iulia den Namen weiße Stadt, denn so lautet der Name auf Rumänisch.

Zerstörung und Zeit als Hauptstadt

Im Mittelalter wurde die Stadt von Tataren zerstört und rund 300 Jahre später von Mihai Viteazul erobert. Im Jahr 1599 erhielt die Stadt dann eine herausragende Bedeutung, als Mihai Viteazul sie zur Hauptstadt der Union der drei Fürstentümer Moldau, Walachei und Siebenbürgen erklärte. So wurde ein Vorläuferstaat des heutigen Rumäniens auf den Weg gebracht.

Osmanen und Österreicher

In der Folge wurde Alba Iulia mehrfach zerstört und von den Osmanen eingenommen. Österreich gelang es, Alba Iulia zu erobern und der Ort, der nun Karlsburg hieß, erreichte im 17. und 18. Jahrhundert ein bis dahin nicht gekannte Blüte. Um die vielen prächtigen Gebäude jener Zeit zu schützen, wurde eine mächtige Verteidigungsanlage errichtet, die in Form einer sternförmigen Festung auch heute noch existiert und Alba Iulia ihren unverkennbaren Charakter verleiht.

Ein moderner Staat entsteht

Von herausragender historischer Bedeutung war Alba Iulia dann Ende des Ersten Weltkriegs. Die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie war am Boden und so kam hier eine rumänische Nationalversammlung zusammen, bei der mehrere bis dahin ungarische Gebiete (darunter das Banat und Siebenbürgen) an Rumänien angeschlossen wurden. An dieses Ereignis erinnern in der Stadt mehrere Orte, wie ihr gleich sehen werdet. Seitdem gehört Alba Iulia zu Rumänien und präsentiert sich heute schöner denn je.

Durch dieses Tor betretet ihr die Altstadt von Alba Iulia

Sehenswürdigkeiten in Alba Iulia/Karlsburg

Aber nun genug der Vorrede, auf nach Alba Iulia bzw. Karlsburg! Das ist unsere Top 10 der schönsten Sehenswürdigkeiten in der Stadt.

Alba Carolina

Die Zitadelle Alba Carolina ist der „Verteidigungsstern“, der heute die Altstadt einrahmt. Sie wurde im frühen 18. Jahrhundert angelegt und hat sich bis heute erhalten. Hier, im Konfliktgebiet zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich bauten sie die Österreicher zu einer uneinnehmbaren Festung aus, genau wie sie es auch in anderen rumänischen Städten taten. Zeitweise lebten hier unzählige Soldaten, dennoch konnte sich Karlsburg damals prächtig entwickeln. Die folgenden Sehenswürdigkeiten befinden sich fast alle innerhalb der Zitadelle. Bei einem Besuch solltet ihr aber nicht nur diese Punkte ansteuern, sondern euch einfach durch die historische Kulisse treiben lassen und den Zauber von Alba Iulia genießen.

Beeindruckend: die St.-Michaels-Kathedrale rechts und links der Glockenturm der Krönungskathedrale

St.-Michaels-Kathedrale

Die St.-Michaels-Kathedrale gilt als eine der wichtigsten katholischen Kirchen Rumäniens. Sie ist Sitz des Erzbischofs von Alba Iulia und steht hier bereits seit dem 13. Jahrhundert nahezu unverändert. Lediglich einige Fresken, eine Kapelle und ein Chorgestühl kamen während der Renaissance hinzu. Das Gebäude mag von außen etwas unrund wirken. Das liegt daran, dass das Gotteshaus eigentlich noch einen zweiten Turm erhalten sollte, für den aber leider kein Geld mehr da war. Das hochgotische Innere entschädigt aber für diesen „Makel“. Romanische Reliefs, eine Pietà-Darstellung und eine wundervolle Orgel sind ebenso sehenswert wie die Gräber bedeutender Herrscher, darunter die der aus Krakau stammenden ungarischen Königin Isabella Jagiellonica und Johann Sigismund Zápolya.

Interessant ist auch die Geschichte der Kathedrale, denn sie wurde im Zuge der Reformation calvinistisch und erst mit der Machtübernahme der Habsburger rekatholisiert. Um diesem katholischen Gotteshaus auch in geistiger Hinsicht etwas entgegensetzen zu können, wurde direkt daneben nach dem Ersten Weltkrieg die Krönungskathedrale errichtet.

Alba Iulia Karlsburg

Krönungskathedrale

Die Krönungskathedrale in Alba Iulia ist auch unter den Namen Dreifaltigkeitskathedrale und Kathedrale der Wiedervereinigung bekannt und ist heute das dominierende Gebäude in Alba Carolina. Über einen fast 60 Meter hohen Glockenturm gelangt ihr in das Innere eines Arkadenhofs, in dem antike Fundstücke ausgestellt sind. Die schönen Malereien hier solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

In der Mitte des Innenhofs erhebt sich dann die mächtige neobyzantinische Krönungskathedrale mit ihren Kuppeln. Sie wurde in den 1920er-Jahren errichtet. Nachdem Siebenbürgen nach dem Ersten Weltkrieg Teil Rumäniens wurde (was man in Rumänien als Wiedervereinigung bezeichnet) war dies der ideale Ort für ein Gotteshaus, das an das historische Ereignis erinnern sollte, schließlich wurde in Alba Iulia die Wiedervereinigung beschlossen. Den Namen Krönungskathedrale trägt die Kirche, weil hier Ferdinand I. und Marie 1922 zu König und Königin Rumäniens gekrönt wurden. Außerdem fand hier 1948 die Vereinigung der unierten und der rumänisch-orthodoxen Kirche statt.

Fürstenpalast

Der Palatul Princiar ist vielleicht nicht das spektakulärste Gebäude von Alba Iulia, dafür aber eines von großer historischer Bedeutung. Der über 60 räumende Komplex gruppiert sich um zwei Innenhöfe und war früher Sitz der Fürsten von Siebenbürgen, darunter auch von Michael dem Tapferen (Mihai Viteazul). Er gilt in Rumänien als Nationalheld, da er als erster (wenn auch nur für wenige Monate) die drei historischen Fürstentümer Siebenbürgen, Walachei und Moldau vereinigen konnte und so von vielen als Vorkämpfer für den modernen rumänischen Nationalstaat angesehen wird. Ursprünglich war der Fürstenpalast ein prachtvolles Gebäude, das allerdings später von Tataren und Türken geplündert wurde und anschließend von den Österreichern als Kaserne genutzt wurde, was natürlich nicht spurlos an dem Gebäude vorbeigegangen ist.

Alba Iulia Karlsburg

Vor dem Palast thront ein monumentales Denkmal, das an Michael den Tapferen erinnert. Hoch zu Ross streckt er hier in erhabener Geste sein Zepter in den Himmel, nur begleitet von ein paar Tauben und den Menschen, die hier an den Tischen der Verkaufswägen sitzen und einen Kaffee trinken.

Apor-Palast

Im Norden der Altstadt steht der Apor-Palast, der heute Sitz des Rektors der Universität ist. Er trägt den Namen seines ehemaligen Besitzers, des Fürsten Ştefan Apor, und war der erste barocke Profanbau Siebenbürgens. Apor folgte der österreichische Truppenkommandeur Graf Steinville, der hier eine standesgemäße Bleibe fand. Unter österreichischer Herrschaft wurde der Palast stark umgebaut, die Kommunisten machten aus ihm ein Verwaltungsgebäude für eine Bauernkooperative. Und nun ist also der Rektor der Universität „1 Decembrie 1918″ neuer Herr über das Anwesen. Ihr könnt es aber trotzdem besichtigen, im Untergeschoss ist sogar eine kleine archäologische Ausstellung zu sehen.

Alba Iulia Karlsburg
Auf dem Platz vor dem Museum der Nationalen Einheit steht die EInheitsglocke, die ebenfalls der Einheit Siebenbürgens mit Rumänien gewidmet ist

Museum der Nationalen Einheit

Das Museum der Nationalen Einheit klingt zunächst nach einem politikgeschichtlichen Museum mit patriotischer Ausstellung. Tatsächlich wird hier aber eine der interessantesten archäologischen Ausstellungen der Region gezeigt, und das schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Das Gebäude beherbergt zahlreiche Funde aus der Bronzezeit, aber auch aus anderen Epochen wie der Antike und verdeutlicht so die reiche Vergangenheit der Region. In den historischen Hallen trat aber auch die Nationalversammlung zusammen, um die Union Siebenbürgens mit Rumänien zu beschließen, woran natürlich auch erinnert wird. Die sogenannte „Halle der Einheit“ könnt ihr kostenlos besichtigen, für das Museum wird ein geringer Eintritt fällig. Der Besuch lohnt sich auch deshalb, weil das Museum anlässlich des 100. Jahrestags der Union 2018 ein Facelift erhielt und sich nun äußerst modern präsentiert.

Quelle: Renardo la vulpo, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Synagoge

Alba Iulia ist Heimat der ältesten jüdischen Gemeinde Siebenbürgens und kann sich gleichzeitig der ältesten Backsteinsynagoge des Landes rühmen. Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet und weist Elemente des Neo-Barock und des Neo-Klassizismus auf. Bis heute könnt ihr an der Fassade drei Kanonenkugeln entdecken, die während der 1848/49er-Revolution auf die Synagoge gefeuert wurden und im Mauerwerk steckenblieben. Interessantes bauliches Detail: Die Synagoge verfügt über ein kleines Gefängnis, in dem vermutlich kurzzeitig Menschen festgehalten wurden, die sich nicht an bestimmte religiöse Regeln hielten. Da die Gemeinde von Alba Iulia relativ klein ist, finden hier heute nur noch an hohen Feiertagen Gottesdienste statt.

Biblioteca Batthyaneum

Über 70.000 Bände umfasst der Bestand der Biblioteca Batthyaneum heute. Sie wurde bereits 1780 ins Leben gerufen und geht auf Bischof Bathyani zurück, der hier einen Hort des Wissens schuf. Die Bibliothek ist in einem ehemaligen Kloster untergebracht, das unter Kaiser Joseph II. zunächst in ein Militärkrankenhaus umgewandelt worden war. Sogar eine eigene Sternwarte und eine Druckerei hatte die Bibliothek. Zu den Schätzen der Einrichtung zählen prächtig illustrierte mittelalterliche Bibeln und viele andere historische Bücher.

Quelle: Andrei kokelburg, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 ro

Castrum

Davon, dass die Römer auch in Alba Iulia ihre Spuren hinterlassen haben, könnt ihr euch im Fort Apulum überzeugen. Es handelt sich um das größte Castrum (Militärlager) auf rumänischem Boden, wurde im 2. Jahrhundert nach Christus errichtet und nimmt eine Fläche von fast 40 ha ein. Teile der Anlage wurden rekonstruiert und vermitteln euch so einen Eindruck von der damaligen Größe des Lagers und der römischen Architektur. Die meisten Funde, die Archäologen hier machten, sind allerdings im Museum der Nationalen Einheit ausgestellt.

Einheitspark

Der Parcul Unirii liegt westlich der Festung und ist einer der wenigen sehenswerten Orte außerhalb der Altstadt. Das liegt vor allem an seinem riesigen Brunnen, in dem aus mehreren ungewöhnlichen Stahlkonstruktionen in das Becken gelassen wird. Wie Sonnenstrahlen laufen mehrere breite Spazierwege von im aus in alle Himmelsrichtungen und ihr könnt hier nach der Erkundung von Karlsburg bestens entspannen.

Übernachtungsmöglichkeiten

  • Hotel Medieval*. Das Medieval ist im ehemaligen Kommissariat untergebracht und vereint den Komfort eines modernen Hotels mit dem urigen Flair historischer Räumlichkeiten.
  • Hotel Cetate Imparatul Romanilor*. Das „Cetate“ ist nicht gerade das schönste Haus der Stadt, hat aber den unschlagbaren Vorteil, in einem hohen Gebäude mit schöner Sicht direkt unterhalb der Zitadelle untergebracht zu sein.

Buchtipps Alba Iulia/Karlsburg

Der Reiseführer Rumänien beschreibt nicht nur die Alba Iulia, sondern auch alle anderen Teile des Landes, enthält wunderbare Darstellungen der rumänischen Geschichte und Kultur und gibt euch viele praktische Tipps für das Reisen im Land.

Wenn ihr euch für Literatur interessiert, dann ist die Reihe Europa Erlesen das Richtige für euch. Egal, ob ihr nach Karlsburg bzw. Alba Iulia reist oder nicht, hier könnt ihr zumindest eine literarische Reise in die rumänische Hauptstadt unternehmen, auf der verschiedene Literaten zu Wort kommen.

Ihr wollt mehr über Siebenbürgen erfahren? Dann führt an diesem Buch kein Weg vorbei. Auf über 500 Seiten erfahrt ihr hier alles über die bewegte Vergangenheit dieser Region, in der Römer, Rumänen, Ungarn, Juden und Deutsche ihre Spuren hinterließen.

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Markus Bingel hat lange in Polen, der Ukraine und Russland studiert und gearbeitet. Als Reisebuchautor zieht es ihn mehrmals im Jahr in die Länder des „Wild East“ – und noch immer ist er jedes Mal fasziniert von dieser Region. Als Co-Gründer des Blogs möchte er euch gerne die unbekannten, spannenden und immer wieder überraschenden Seiten Osteuropas vorstellen.

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