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Danzig Sehenswürdigkeiten – die Highlights in der Hansestadt

Inhaltsverzeichnis

Danzig (Gdańsk) zählt fast eine halbe Million Einwohner und gut drei Millionen Besucher im Jahr. Zusammen mit ihren so ungleichen Schwestern Zoppot (Sopot) und Gdingen (Gdynia) erstreckt sich die Stadt zwischen den grünen Hügeln der Kaschubei und der Danziger Bucht. Dreistadt (Trójmiasto) sagen daher die Einheimischen. Während Zoppot und Gdingen vor 200 Jahren noch kleine Dörfer waren, blickt Danzig auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück. Von einem besonderen Genius loci – dem Geist des Ortes – schreiben die Intellektuellen, dem Danzig seine Freiheitsliebe und liberalen Ansichten verdanke.

Danzigs bewegte Vergangenheit

Weltbewegendes geschah in Danzig, vor allem im 20. Jh.: Der Zweite Weltkrieg nahm hier seinen Anfang, ebenso wie die Gewerkschaftsbewegung Solidarność, die entscheidend zum Ende des real existierenden Sozialismus im Osten Europas beitrug. Geschichte, Meer und Danzigs Menschen bilden jene Melange, die Danzig zu einem Besuchermagneten macht. Im Folgenden möchte ich Euch einige meiner liebsten Danzig Sehenswürdigkeiten und Orte in der Stadt vorstellen.

Das sind die besten Danzig Sehenswürdigkeiten

In diesem Beitrag wollen wir euch die schönsten Danzig Sehenswürdigkeiten vorstellen. Wenn ihr die Hansestadt, die zu den schönsten in ganz Polen gehört, erkunden möchtet, dann schaut doch auch mal in unseren Artikel mit den praktischen Reisetipps zu Danzig. Und wenn ihr hier klickt, kommt ihr zu einer Liste mit den schönsten Sehenswürdigkeiten in ganz Pommern.

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Langgasse und Langer Markt

Was für eine Flaniermeile! Prächtige Patrizierhäuser mit ihren Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften reihen sich vom Langgasser Tor bis zum Langen Markt. »Pro Invidia – Für den Neid« steht auf der Attika des barocken Bürgerhauses mit der Nummer 29. Wie einst die polnischen Könige ziehen heute jährlich gut drei Millionen Besucher in das Herz der altehrwürdigen Stadt. Doch der Schein trügt: Das Zentrum Danzigs war im März 1945 nahezu vollständig zerstört worden. Anfang der 1950er Jahre wurden die Fassaden in der Langgasse nach historischem Vorbild liebevoll rekonstruiert. Zwei Fotografien im Bogen des Langgasser Tors erinnern an die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs.

Die schönsten Häuser am Langen Markt

Wenn Ihr in die prachtvolle Vergangenheit gut betuchter Danziger Bürger, Kaufleute und Stadträte eintauchen möchtet, empfehle ich Euch, das Uphagenhaus, das Rechtstädtische Rathaus oder den Artushof zu besuchen.

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Krantor

Zwei wuchtige Backsteintürme und ein schwarzes hölzernes Hebewerk prägen die Silhouette der Uferpromenade an der Mottlau. Das Krantor ist das wohl bekannteste Wahrzeichen Danzigs. Es erinnert an die glorreiche Zeit der Hanse- und Handelsstadt, über die Holz und Getreide nach Europa verschifft wurden und Salz, Heringe und Kolonialwaren nach Polen gelangten. Der Seehandel machte Danzig einst reich. »Scheene Heringe, Pomucheln jefälligst! Flunderchen, liebe Freilein« schallte es noch in der Zwischenkriegszeit über den Fischmarkt. Bowkes, die Tagelöhner von Danzig, streiften zwischen den Speichern an der Mottlau und hofften auf Arbeit. Heute ist das Ufer ganz in Hand der Touristen und ihrer Dienstleister.

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Auch der Bleihof nördlich der Speicherinsel ist sehenswert. Auf dem Bild seht ihr eines der Schiffe, die zur Westerplatte starten.

Speicherinsel

Auf der Speicherinsel – wo noch vor wenigen Jahren Ruinen alter Speicher an den Krieg mahnten – entsteht derzeit ein neues Stadtquartier mit Restaurants, Hotels und Appartements. In den sehenswerten Abteilungen des Nationalen Meeresmuseums wird die maritime Geschichte Danzigs erzählt. Und wenn Ihr selbst in See stechen wollt: Vom Ufer der Mottlau legen auch Ausflugsschiffe auf die Halbinseln Hel und Westerplatte sowie nach Zoppot ab.

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Frauengasse

»Als läg’ zauberhaft versteinet / Drunten eine Märchenwelt« dichtete Joseph von Eichendorff über Danzig. Auf wundersame Weise haben sich Zauber und Romantik bis heute in der Frauengasse (ul. Mariacka) bewahrt. Sie ist zweifellos eine der schönsten, wenn nicht die schönste Straße der Stadt. Krumm und etwas holprig verläuft das Pflaster die wenigen Meter von der Mottlau zur Marienkirche. Schmale Bürgerhäuser zieren die enge Gasse.

Reich verzierte Beischläge

Vor ihnen befinden sich die reich verzierten Beischläge – jene geräumigen, ziemlich breiten Terrassen, durch welche »die alte nordische Stadt ein fast südliches Ansehen gewinnt«, wie Johanna Schopenhauer, die Mutter des so pessimistischen Philosophen, meinte. Zum Flair der Frauengasse tragen ganz sicher auch die kleinen Galerien der Danziger Bernsteinwerkstätten bei, in denen eleganter, moderner Schmuck aus dem „Gold der Ostsee“ gefertigt wird.

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Marienkirche

Angeblich ist sie die größte Backsteinkirche der Welt. Imposant ist sie allemal. Wenn Ihr den Kirchturm erklimmt, eröffnet sich Euch ein beeindruckender Blick über die Dächer der Danziger Altstadt bis hin zur Danziger Bucht. Im Kirchenschiff begegnet Ihr Geschichten aus vielen Jahrhunderten. So wie der von Hans Memlings Altarbild „Das jüngste Gericht“ (heute in Kopie), das nach der Raubfahrt des Danziger Freibeuters Paul Benecke in die Kirche gelangte. Oder von der Astronomischen Uhr, deren Schöpfer Hans Düringer die Danziger nach Fertigstellung blendeten, auf dass er kein vergleichbares Stück mehr konstruiere.

Gedenken an die Verstorbenen

Von zwei nationalen Tragödien zeugen Gräber aus jüngster Zeit: Maciej Płażyński (1958–2010), ein geachteter Danziger Politiker, starb beim Flugzeugabsturz von Smolensk, der auch dem polnischen Präsidenten Lech Kaczyński das Leben kostete. Auch Danzigs langjähriger Bürgermeister Paweł Adamowicz (1965–2019), der von einem Messerstecher ermordet wurde, fand seine letzte Ruhe in der Marienkirche.

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Europäisches Zentrum Solidarność

Auf dem Gelände der Danziger Werft wurde 1980 nach einer Welle von Streiks der Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaftsbund „Solidarność“ gegründet. Unter Führung von Lech Wałęsa organisierte er den Widerstand gegen das kommunistische Regime in Polen an errang bei den ersten halbwegs freien Wahlen nach dem Zweiten Weltkrieg einen überwältigenden Sieg. Von dieser Geschichte erzählt an historischer Stätte das Europäische Zentrum Solidarność in einer packenden multimedialen Ausstellung. Sie führt plastisch vor Augen, wie in Danzig polnische und europäische Geschichte geschrieben wurde. Unbedingt anschauen, eine der wichtigsten Danzig Sehenswürdigkeiten!

Museum des Zweiten Weltkriegs

Das Museum des Zweiten Weltkrieges ist überwältigend: Die Geschichte des Krieges aus globaler Perspektive darstellen und mit der polnischen Sichtweise verbinden – nicht weniger war das Ziel des Museumsdirektors Paweł Machcewicz. Und es ist ihm gelungen! In drei großen Abschnitten erzählt die Ausstellung vom Zweiten Weltkrieg, seiner Vorgeschichte und den Folgen. Anschaulich, bedrückend, erschreckend. Machcewicz aber ist nicht mehr Chef des Hauses. Der Gründungsdirektor wurde kurz nach Eröffnung 2017 abgesetzt, weil die PiS-Regierung in Warschau meinte, das Museum würde Patriotismus und Opferbereitschaft der Polen nicht angemessen würdigen. Und so ließ der neue Direktor alsdann den Film am Ende der Ausstellung durch ein kitschiges Heldenepos à la Hollywood ersetzen. Ein erster Schritt zur schleichenden Umwidmung des Museums. Der Besuch lohnt dennoch!

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Westerplatte

Mit dem Beschuss der Westerplatte vom deutschen Schulschiff Schleswig-Holstein aus begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Auf der Halbinsel vor der Freien Stadt Danzig befand sich damals ein polnisches Munitionslager. Sieben Tage lang verteidigten die polnischen Truppen die Westerplatte, bis sie sich der deutschen Übermacht ergaben. In Polen wurde dieser Kampf zum Symbol des Widerstandes gegen Deutschland. Ein monumentales Denkmal erinnert seit 1966 an die Geschehnisse. Wenn Ihr den Gedenkort besuchen wollt, nehmt die Fähre! So lässt sich der Ausflug mit einer Fahrt durch den Danziger Hafen verbinden.

Langfuhr

Langfuhr (Wrzeszcz) ist ein quirliger, aufstrebender Stadtteil Danzigs, Touristen allerdings trifft man hier viel weniger als im Stadtzentrum. Es gibt in Langfuhr wenig klassische Sehenswürdigkeiten und keinen tiefroten Backstein. Wenn Ihr in das Viertel kommt, schaut unbedingt in der ul. Wajdeloty vorbei! Auf der schick renovierten Straße gibt es einige gemütliche Cafés und Bistros mit veganen Leckereien.

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Günter Grass und die Blechtrommel

Untrennbar verbunden ist Langfuhr mit dem Schriftsteller Günter Grass (1927–2015). Der Literaturnobelpreisträger wuchs hier auf (Elternhaus: ul. Lelewela 13), wie auch sein Romanheld Oskar Matzerath aus der Blechtrommel. „Langfuhr war so groß und so klein, dass alles, was sich auf dieser Welt ereignet oder ereignen könnte, sich auch in Langfuhr ereignete oder hätte ereignen können“ meinte Grass. Am Platz Generała Józefa Wybickiego haben die Danziger ihm und Oskar ein Denkmal gesetzt.

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Schlosspark und Dom zu Oliva

Kleine Pause auf dem Weg ins Seebad Zoppot (Sopot) oder an den Strand von Glettkau (Jelitkowo)? Dann macht in Oliva halt und besucht das Orgelkonzert im Dom zu Oliva. Täglich zur vollen Stunde (jedenfalls in den Sommermonaten) werden dort die Engel mit ihren Trompeten zum Tanzen gebracht! Wenn die 7876 Pfeifen der imposanten Orgel aus dem 18. Jh. ertönen, ihre Bässe wummern und hellen Glockentöne hallen, erbebt das ganze Kirchenschiff. Anschließen lässt sich beim Spaziergang durch den hübschen Schlosspark Ruhe und Entspannung finden. Noch bis ins Jahr 1926 übrigens war Oliva ein eigenständiger Ort, der über Jahrhundert vom Kloster des Zisterzienserordens geprägt war.

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Die alte Stadt und das Meer

Eineinhalb Jahre habe ich in Danzig gelebt und fragt man mich, was den besonderen Charme dieser 1000-jährigen Stadt ausmacht, dann sage ich ohne Zögern: das Meer! Keine halbe Stunde dauert die Fahrt mit der Straßenbahn an die Strände der Danziger Bucht: Ins ruhige Heubude (Stogi) mit der 8, zur kleinen Seebrücke in Brösen (Brzeźno) mit der 3 oder nach Glettkau (Jelitkowo) mit der 6 oder 8. Eine kilometerlange Promenade verbindet die beiden letzteren Strandabschnitte mit dem mondänen Kurort Zoppot (Sopot), wo eine prächtige Seebrücke mit Jachthafen fast 500 Meter ins Meer ragt. Doch schöner als die Promenade ist der Strand! Nichts geht über einen Spaziergang direkt am Wasser – und ein kühles Getränk in der Strandbar (oder eine heiße Suppe im Winter).

Wenn Ihr mehr über Danzig lesen möchtet, weitere Tipps und Anregungen sucht, dann schaut in den CityTrip Danzig*, den ich im Reise Know-How Verlag veröffentlicht habe.

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Martin Brand ist seit vielen Jahren im östlichen Europa unterwegs – als Reiseleiter, Autor von Reiseführern und für wissenschaftliche Forschungen. Aus Interesse für den Osten wurde Leidenschaft, als er im russischen Nischni Nowgorod seinen Zivildienst absolvierte. Später verschlug es ihn ins gar nicht so wildostige Polen, wo er in Krakau studierte und in Danzig als Kulturmanager arbeitete.

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Jörg Esser
Jörg Esser
9 Monate zuvor

Wenn man in der Nähe der Westerplatte ist, darf man auf gar keinen Fall versäumen, die alte Danziger Zitadelle Wisłoujscie zu besuchen. Auch wenn noch einiges sich in der Restaurierung befindet, lohnt ein Besuch sich auf jeden Fall.

Markus Bingel
9 Monate zuvor
Reply to  Jörg Esser

Danke für deinen Hinweis, Jörg!

Wolfgang
Wolfgang
9 Monate zuvor

Danke, Martin, für die tolle Präsentation Danzigs! Ich kenne keine andere Stadt in der sich das Stadtbild in den letzten zwei, drei Jahren so gravierend und positiv entwickelte wie hier. Eine kleine Anmerkung: Das Foto zur Speicherinsel zeigt nicht diese sondern es ist eine Aufnahme des Bleihofs.

Markus Bingel
9 Monate zuvor
Reply to  Wolfgang

Danke für den Hinweis, Wolfgang. Ich habe das angepasst, es handelt sich wirklich um den Bleihof, das Bild stammt von mir und nicht von Martin 🙂

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