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Sergej Koroljow Schytomyr

Sergej Koroljow – Der Mann der die Sowjetunion ins All brachte

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Als Juri Gagarin am 12. April 1961 mit einer Rakete als erster Mensch ins All startete und die Erde in 108 Minuten umrundete, war dies ein Schock für die USA, die an ihre Überlegenheit glaubten. Schließlich war es ein Sowjetbürger, der den Kosmos eroberte. Doch was kaum jemand weiß: Diese technische Meisterleistung wurde von einem Ukrainer möglich gemacht. Unter der Führung von Sergej Koroljow entwickelte das sowjetische Raumfahrtbüro gleich mehrere Raketen, die in den Orbit reisten. Die wichtigsten Errungenschaften der sowjetischen Raumfahrt-Ära hat die Menschheit ihm zu verdanken. An seinem Geburtsort Schytomyr wird an das technische Genie erinnert. Wir gehen mit euch auf Spurensuche.

Frühe Jahre in der Ukraine

Sergej Pawlowitsch Koroljow stammte aus Schytomyr, das zur Zeit seiner Geburt 1907 noch zum Gouvernement Wolhynien des Russischen Zarenreiches gehörte. Geboren wurde er in die Familie der Russischlehrer Pawel Jakowlewitsch Koroljow und Marija Nikolajewna Balanina. Seine Eltern trennten sich bereits als er drei Jahre alt war und er wurde zu seinen Großeltern nach Nischyn, heute in der Oblast Tschernihiw in der Ukraine, gebracht. Die Kaufmannsfamilie hatte auch griechische Wurzeln und seine Ahnen gehörten zu den Kosaken.

Später zog die Familie weiter in die Hafenstadt Odessa. Hier begann 1923 sein Interesse für die Fliegerei in einem Segelflugklub. 1924 konstruierte er hier bereits sein erstes Flug bevor er 1925 nach Kyjiw übersiedelte, um dort ein Studium am Polytechnikum zu beginnen, bis er 1926 nach Moskaus wechselte. Zunächst baute er noch Flugzeuge, bis er in den 1930er Jahren mit der Entwicklung erster Raketen beauftragt wurde. 1934 schrieb er auch eine Studie mit dem Namen Der Raketenflug in die Stratosphäre, in der er erstmals die Möglichkeiten von Raumflügen erörterte.

Koroljow NKWD
Erkennungsdienstliches Foto Koroljows während der NKWD-Haft. In Gefangenschaft bekam er Skorbut, welches eine Kieferanomalie auslöste.

Haft während des Großen Terrors

Wie viele andere Sowjetbürger wurde er im September 1938 durch die Geheimpolizei NKWD verhaftet. Zuvor hatte ihn ein Kollege unter Folter denunziert. Zu Stalins Zeiten wurden in der Sowjetunion Millionen Bürger in die Gulags von Sibirien verschleppt. Auf Intervention seiner Mutter und von Kollegen wurde er verlegt und kam in das Speziallager ZKB-29 für Wissenschaftler und Ingenieure. Die Lebensumstände in diesem Lager beschrieb der Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn im Roman Der erste Kreis der Hölle.

Im Gulag entwickelte er mit anderen inhaftieren Konstrukteuren Flugzeuge wie die Tupolew Tu-2. Später beantragte er eine Verlegung nach Kasan und half dort das Mehrzweckflugzeugs Petljakow Pe-2 mit einem zuschaltbaren Raketenantrieb auszurüsten. Erst 1944 wurde er aus der Haft im Gulag entlassen. Rehabilitiert wurde er 1957 unter Chrustschow. Über die Haftzeit schwieg sein sowjetischer Biograf aufgrund der Zensur.

Serhij Koroljow Schytomir
Denkmal für Serhij Koroljow in Schytomir vor der Oblastverwaltung.

Serhij Koroljow as Chefraketentechniker

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er nach Berlin zum sowjetischen Hauptquartier geschickt. Er sollte dort die Reste der Mitglieder des deutschen Raketenbauprogramms zusammentreiben. Unter Wernher von Braun hatte Hitler-Deutschland unter anderem in Peenemünde auf Usedom an Raketen geforscht und sie getestet. Mit den Bauplänen ging er 1946 in die UdSSR zurück. Auf deren Grundlage wurde die R1 entwickelt, die nach dem Prinzip des Aggregat 4 (auch V2 genannt) entwickelt wurde und ihr dementsprechend ähnlich sah.

Die Entwicklung fand in dieser Zeit hauptsächlich in der heute nach Koroljow benannten Stadt bei Moskau und auf einer Insel im Seligersee statt. Er entwickelte nicht nur die R2, die als erste einen Kapsel hatte und bei der sich der Hauptkörper bei Wiedereintritt in die Atmosphäre ablöste. Auch die erste Interkontinentalrakete R7 ging auf sein Konto. Sie ist die Basis der bis heute eingesetzten Sojus-Raketen.

Sputnik als Deko an der Fassade des Café Moskau an der Berliner Karl-Marx-Allee: Der erste Flug ins All löste einen Boom für Science Fiction und Sowjetpropaganda aus.

Unter Koroljow biepen die Sowjets den Westen in Angst und Schrecken

Den entscheidenden Durchbruch in der Raumfahrt schafften die Sowjets 1957, noch vor den Amerikanern. Der erste Interkontintentalflug einer Rakete fand am 21. August 1957 statt. 6400 Kilometer flog die R7, die unter Sergej Koroljow entwickelt wurde. Am 4. Oktober dann folgte der Start des Sputnik, der als erster Satellit in die Umlaufbahn geschossen wurde. Er war ein enormer Propagandaerfolg für die Sowjetunion. Er funkte aus dem All und löste im Westen Entsetzen aus. Am 3. November folgte Sputnik 2.

Die Sowjets hatten den Wettlauf ins All gewonnen und konnten zudem selbst die USA mit nuklear-bestückten Raketen erreichen. In vielen der Länder unseres Blogs, steht das Wort Sputnik heute noch gleichbedeutend mit Satellit. In der Sowjetunion und den „Bruderstaaten“ wurde der Erfolg des Raumfahrtprogramms ausgeschlachtet und eine regelrechte Raumfahrtmanie ausgelöst. Science Fiction, vor allem in Bezug auf den Kosmos, wurde populär. Zeitschriften, Bücher und Fernseher brachten das Thema in die Wohnzimmer der Menschen. Dieser Effekt dauerte noch viele Jahre an.

Juri Gagarin wird der erste Mensch im Weltall

Die Hysterie wurde auf beiden Seiten noch größer als es Koroljow und seinem Team gelang mit Juri Gagarin auch den ersten Menschen ins Weltall zu schicken. Am 12. April 1961 weilte Gagarin für exakt 108 Minuten im All aber der Effekt dieser Minuten hätte größer kaum sein können. Für die Sowjetunion war es der größte Erfolg ihrer Raumfahrgeschichte, vielleicht sogar ihres ganzen Bestehens, abgesehen vom Sieg über Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg.

Bis heute sind überall in den früheren Ostblockstaaten Städte, Viertel und Straßen nach Juri Gagarin benannt. Denkmäler wurden für ihn errichtet. Sein Name ist selbst für die Staaten, die mit dem sowjetischen Erbe gebrochen haben, wie die Ukraine, weniger verfänglich und deshalb gibt es selbst hier bis heute noch Straßen die nach Gagarin benannt sind.

Kosmonauten auf dem Mond
Den Wettlauf zum ersten Raumflug und zum ersten bemannten Raumflug gewannen die Sowjets. Doch ohne Koroljow schafften sie es nicht als erste Menschen auf den Mond zu bringen.

Koroljow als Mister X der sowjetischen Raumfahrt

Nach Koroljow freilich sind nur wenige Orte benannt, obwohl sein Einfluss und seine jahrzehntelange Arbeit und Forschungen eigentlich ungleich bedeutender sind, als der 108-minütige Flug. Doch anders als Gagarin, der vor allem als Propaganda-Vorbild dienen sollte, hielt die Sowjetunion den Namen Sergej Koroljow bis zuletzt geheim. In den USA war er unter den Raketenwissenschaftlern nur als Mister X bekannt. Koroljow starb 1966 an Komplikationen, die bei einer Operation zur Tumorentfernung ausgelöst wurden. Ein Kieferschaden wurde ihm zum Verhängnis. Die kaputten Kiefer hatte er sich durch die Hungerkrankheit Skorbut während seiner Haft im Gulag zugezogen.

Über diese Todesursachen, wie über vieles im Leben von Serhij Koroljow schwiegen die Sowjetbehörden. Nach dem Start des Sputniks, fragte gar das Nobelkommitee bei Christschow nach, wer denn die Rakete gebaut habe. Chrustschow ließ antworten, dass es die Verdienste des sowjetischen Volkes seien. Koroljow wurde zwar an der Kremlmauer beigesetzt. Den Wettlauf um die erste bemannte Mondlandung verloren die Sowjets aber ohne ihn.

Sehenswürdigkeiten mit Bezug zu Sergej Koroljow

Auch wenn Koroljow zu Lebzeiten keine Würdigung in der Welt oder selbst in der Sowjetunion erhielt, wurde dies nach seinem Tode immerhin zum Teil nachgeholt. Daher gibt es auch einige Sehenswürdigkeiten, die mit seinem Namen verbunden sind.

Geburtshaus von Sergej Koroljow in Schytomyr

Auch wenn Koroljow in Schytomyr nur seine ersten drei Lebensjahre verbracht hatte, so wurde er hier immerhin geboren. Sein Geburtshaus steht bis heute und hier gibt es eine Ausstellung, die sich speziell dem Leben des Mannes widmet, der die Sowjets ins All brachte. Zu sehen gibt es hier unter anderem auch Fotos von Koroljow zusammen mit Juri Gagarin.

Sergej Koroljow Museum für Kosmonautik Schytomyr
Im Sergej Koroljow Museum für Kosmonautik Schytomyr werden Exponate der sowjetischen Raumfahrtgeschichte gezeigt.

Serhij Koroljow Museum für Kosmonautik in Schytomyr

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit, die mit Koroljow an seinem Geburtsort verbunden ist, ist jedoch das Serhij Koroljow Museum für Kosmonautik. In der Ausstellung werden einige der wichtigsten Errungenschaften Koroljows und der späteren sowjetischen Raumfahrt gezeigt. Zu den Exponaten gehören auch Raumkapseln, wie eine des Typs Vostok-1, mit der Juri Gagarin 1961 ins All flog.

Denkmal für Koroljow vor der Oblastverwaltung Zhytomyr

Vor dem Gebäude der Verwaltung für den Oblast Zhytomyr steht ein Denkmal für Sergej Koroljow (siehe Cover-Foto), das an den Pionier und Chefentwickler der Raumfahrt ebenfalls erinnert.

Stadt Koroljow bei Moskau

Koroljow wurde als Stadt nach dem Tode Koroljows nach ihm benannt. Hier befindet sich auch das Mission-Control-Zentrum der russischen Raumfahrtbehörde und deren Verwaltung. Auch die Industrie der Stadt ist zum großen Teil auf Raumfahrt fokussiert.

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Peter Althaus ist Journalist, Autor und Blogger. 2011 hat er das Reiseblog Rooksack gegründet. Doch seine eigentliche Liebe ist immer schon Osteuropa gewesen. Mittlerweile lebt er in Lwiw in der Ukraine und führt dort einen Reiseveranstalter. Da er aber weiter gern schreibt, gibt es heute Wild East – das Osteuropa-Reiseblog.

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