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jüdisches Viertel Budapest

Jüdisches Viertel Budapest – Spaziergang durch die Elisabethstadt

Inhaltsverzeichnis

Es ist selten, dass ich von jüdischen Vierteln beeindruckt bin. Ich mag die jüdische Kultur, fahre gelegentlich nach Israel, habe Freunde dort, war auch schon im Kibbuz in Israel. Doch dem Holocaust und auch der Abwanderung der Juden aus Osteuropa nach 1945 ist es geschuldet, dass es heute nur noch wenige Viertel mit jüdischem Leben in Europa gibt. Eigentlich fällt mir da nur das Marais in Paris oder Kazimierz in Krakau ein. Umso überraschender fand ich meine Zeit im jüdischen Viertel Budapest. Ich hatte mir ein kleine Wohnung im Herzen des Viertels gemietet. Das war auch der Grund, warum ich Budapests jüdische Viertel so ausgiebig durchstreifen konnte. Es lag schließlich immer auf dem Weg.

jüdisches Viertel Budapest
Das jüdische Viertel von Budapest ist der VII. Bezirk und wird auch Elisabethstadt genannt.

Jüdisches Viertel Budapest – Wo liegt das?

Ein jüdisches Viertel Budapest gibt es so heute eigentlich nicht mehr. Denn die Mehrheit der ungarischen Juden lebt zwar in Budapest, ist aber über die Stadt verteilt. Dennoch gilt als jüdisches Viertel Budapest vor allem der VII. Bezirk, der auch Elisabethstadt (ungarisch: Erzsébetváros) genannt wird. Benannt ist er nach der Kaiserin von Österreich-Ungarn, die ihr vermutlich vor allem aus dem Film unter dem Namen Sissi kennt. Der Bezirk gilt heute als eines der hippsten Viertel von Budapest. Er liegt in Fußweite der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und es gibt viele Szenekneipen hier. Bis zum Holocaust war der Stadtteil aber fast ausschließlich von Juden bewohnt.

Hinterhöfe im jüdischen Viertel Budapest
Viele der Hinterhöfe im jüdischen Viertel von Budapest sehen noch aus wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts.

Juden in Budapest – Einst einer der größten Gemeinden der Welt

Die Wichtigkeit der jüdischen Gemeinde in Budapest und Ungarn kann man bis heute sehen. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten laut Volkszählungen rund 800.000 Juden in den ungarischen Gebieten. Der wohl bekannteste ungarische Jude war Theodor Herzl, der Vater des Zionismus. Er wurde in Budapest geboren, gleich in der Nähe der Großen Synagoge. Heute erinnert eine Gedenktafel an ihn. Die Elisabethstadt, welche erst seit wenigen Jahren als jüdisches Viertel Budapest bezeichnet wird, war schon seit Jahrhunderten Zentrum des Budapester Judentums. Davon zeugen nicht nur die zahlreichen Synagogen, Jeshiwen (jüdische Schulen) und frühere Krankenhäuser. Im benachbarten VIII. Bezirk liegt auch das älteste noch bestehende Rabbinerseminar der Welt.

Juden in die Donau gestoßen
Die Pfeilkreuzler stießen sogar Juden in die Donau.

Budapests jüdisches Viertel im Holocaust

In den dunklen Zeiten für die europäischen Juden war Budapest genauso betroffen. Während der Shoah diente das Jüdische Viertel Budapest als Ghetto in dem 200.000 Menschen eingepfercht wurden. Die mit den Deutschen verbündeten Pfeilkreuzler, die Ungarn terrorisierten, schleppten auch nach dem Abzug Adolf Eichmanns tausende Juden an die Ufer der Donau, zwangen diese sich auszuziehen und stießen sie in den Fluss. Besonders durch ausländische Hilfe konnten jedoch vermutlich Dreiviertel der Juden von Budapest den Holocaust überlegen – weit mehr als beispielsweise im damaligen polnischen Lemberg.

Gerechte unter den Völkern in Budapest

Budapest war auch ein Ort von Lichtblicken. Hier half der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg vielen Juden und brachte sie in Schutzhäusern unter. Er wird unter anderem in der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt. Auch die Schweizer Friedrich Born und Carl Lutz halfen tausenden Juden, sind aber weit weniger bekannt, wie auch der deutsche Diplomat Gerhart Feine. Und auch insgesamt lassen sich bis heute viele jüdische Spuren in Budapest finden. Von den Restaurants und Läden mit hebräischen Schildern einmal abgesehen, wirken viele der Hinterhöfe des jüdischen Viertels in Budapest bis heute wie aus der Jahrhundertwende, als hier noch mehrheitlich Juden in den Wohnungen lebten.

Jüdisches Viertel Budapest Große Synagoge
Die Große Synagoge ist das sichtbarste Wahrzeichen des jüdischen Viertels von Budapest.

Große Synagoge Budapest – Heimstatt einer großen jüdischen Gemeinde

Doch was wäre ein jüdisches Viertel ohne das wichtigste Identifikationsmerkmal der jüdischen Religion. Und hier ist Budapest eine wahre Schatztruhe. So ist die Große Synagoge in der Dohany utca, deshalb auch Dohany-Synagoge, oder nach der deutschen Übersetzung der Gasse auch Tabaktempel genannt, die zweitgrößte Synagoge der Welt. Bis zu 3000 Gläubige Juden finden hier Platz. Ihre Türme sind knapp 50 Meter hoch und die Fassaden reich verziert. Nebenan ist auch das Jüdische Museum und das Holocaustmahnmal für die ermordeten Juden aus Ungarn untergebracht. Die Große Synagoge kann unter der Woche besichtigt werden. Jedoch ist sie selbstverständlich an Schabbat geschlossen, in diesem Fall also von Freitagnachmittag bis Samstag. Die genauen Öffnungszeiten der Großen Synagoge in Budapest kann man hier nachlesen.

Synagogen in Budapest – Liberale, Orthodoxe – alle haben ein Heim

Doch neben der beeindruckenden Großen Synagoge gibt es auch noch andere kleinere Synagogen im jüdischen Viertel von Budapest. Gleich in der Nähe haben auch die orthodoxen Juden von Budapest ihr religiöses Zuhause. Die orthodoxe Synagoge Budapests in der Kazinczy utca ist ebenfalls für Besucher geöffnet, genau auch wie die Rumbach-Synagoge und die Synagoge in der Vasvari Pal utca. Doch das ist bei weitem nicht alles, denn Budapest hat noch wesentlich mehr Synagogen, von denen heute viele jedoch anders genutzt werden. Manche sind Kirchen geworden, andere sind Sporthallen. Für alle Interessierten, gibt es hier eine vollständige Liste jüdischer Einrichtungen in Budapest und Ungarn.

Ruinen-Pubs, Biergärten und Restaurants im Jüdischen Viertel von Budapest

Doch die Faszination für das jüdische Viertel in Budapest hört nicht bei den rein jüdischen Einrichtungen auf. Denn das Viertel ist heute eine der angesagtesten Ausgehmeilen Budapests. Entlang der Kazinczy utca finden sich Dutzende Pubs. Darunter auch das Szimpla, Budapests bekanntestes Ruinenpub. Doch auch andere Pubs oder Biergärten wie das Ellato kert oder das 400 sind zu empfehlen – dieses Ende der Straße bezeichnen manche auch als das Budapester Bermuda-Dreieck. Und in der Tat, auch ich wäre hier fast verschwunden.

Galit koscheres Restaurant im jüdischen Viertel Budapest
Im Carmel kann man sehr gut koscher essen gehen.

Essen gehen in Budapests jüdischem Viertel

Im jüdischen Viertel gibt es sehr gute Restaurants. Mit der großen Zahl an Touristen gibt es natürlich auch eine gute Auswahl an Restaurants und Imbissen.

  • Ein gutes jüdisches Restaurant mit koscherem Essen ist das Carmel (Kazinczy utca 31). Hier könnt ihr traditionelle jüdische Speisen, wie Eiersalat, Gefilte Fisch und Babka probieren. Es gibt aber auch ungarische Speisen wie Gulasch oder Pörkölt – natürlich koscher.
  • Gutes koscheres Gebäck wie flódni, einen Schichtkuchen mit Apfel, Mohn, Walnüssen und Pflaumenmus, gibt es in der koscheren Bäckerei Frőhlich (Dob utca 22). Während der jüdischen Feiertage gibt es noch weitere andere jüdische Gebäcke.
  • Zwischen den Ruinenpubs gibt es auch immer wieder Street-Food-Stände, wo ihr euch ordentlich satt essen könnt. Die Bandbreite reicht dabei von Burgern bis Thaifood.
  • Wir haben im Kőleves Vendéglő gegessen. Hier gibt es gute internationale und auch lokale ungarische Küche.
  • Wer es gern einfacher und günstiger hat, der isst Gulasch am besten im Frici Papa in der Király utca 55. Hier gibt es auch andere typisch-ungarische Gerichte.

Shopping im jüdischen Viertel Budapest

In der Király utca macht auch das Einkaufen im Jüdischen Viertel Spaß. Für das Window-Shopping in Budapest gibt es in der Kiraly utca recht viele schöne Schaufenster mit allerlei Krimskrams. Auch in den Seitenstraßen rund um die Metro Astoria lässt sich viel finden. Mein Favorit Tisza cipö. Der ungarische Sportartikelhersteller vertreibt unter anderem in Ungarn hergestellte Sportschuhe. Die gibt es ab 60 Euro, die besseren für 80 bis 100 Euro.

Stadtführung durch das Jüdische Viertel von Budapest

Auch wenn man sich das Viertel ganz leicht selbst erwandern kann, kann es auch nicht schaden eine geführte Tour zu machen. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten.

  • Mit einer Free Walking Tour könnt ihr euch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Jüdischen Budapest anschauen. Eine solche Tour gibt es zum Beispiel bei den Free Walking Tours Budapest. Bei den Free Walking Tours bestimmt ihr den Preis.
  • Die andere Möglichkeit ist eine private Stadtführung. Ich persönlich kann euch die Tour von meinem guten Freund Daniel Draskoczy empfehlen. Mit seiner Firma Budapest Explorers bietet er auch Touren durch das jüdische Viertel Budapest an.

Buchtipps zu Budapest

Budapest gehört zu den schönsten Städten Europas und es gibt Unmengen an Sehenswürdigkeiten. Wir empfehlen daher, euch mit einem guten Reiseführer auf den Aufenthalt in der Stadt um im jüdischen Viertel Budapest vorzubereiten. Hier sind unsere Empfehlungen.

Ein guter Überblick über Budapest und die Sehenswürdigkeiten der Stadt gibt der CityTrip Budapest von Reise Know-How.

Einige besonders Orte in Budapest gibt es in „111 Orte, die man in Budapest gesehen haben muss“ zu finden. Ein schöner Extraanreiz für Entdeckungen in der Stadt.

In diesem Buch erfahrt ihr mehr über den bekanntesten Judenretter von von Budapest, den Schweden Raoul Wallenberg.

Juden aus Ungarn haben die Welt verändert. In diesem spannenden Buch gibt es mehr über sie zu erfahren.

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Peter Althaus ist Journalist, Autor und Blogger. 2011 hat er das Reiseblog Rooksack gegründet. Doch seine eigentliche Liebe ist immer schon Osteuropa gewesen. Mittlerweile lebt er in Lwiw in der Ukraine und führt dort einen Reiseveranstalter. Da er aber weiter gern schreibt, gibt es heute Wild East – das Osteuropa-Reiseblog.

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