Jüdisches Berlin: Der fast komplette Guide

Jüdisches Berlin entdecken: Synagogen, Gedenkorte, Restaurants und Orte jüdischen Lebens in der Stadt – mit Adressen und Hintergründen.

Inhaltsverzeichnis

Jüdisches Berlin – was bedeutet das genau? Berlin kann auf eine jahrhundertelange jüdische Geschichte zurückblicken. Ab dem Mittelalter lebten verschiedene jüdische Gemeinden in der Stadt. Die Beziehungen zur christlichen Mehrheitsbevölkerung gestalteten sich mal besser, mal schlechter und erlebten in der Shoah ihre dunkelste Stunde. Wir wollen euch heute nicht nur Orte vorstellen, die in Berlin an die jüdische Vergangenheit erinnern (darunter auch Gedenkorte), sondern euch anhand mehrerer Objekte vor allem auch zeigen, wie jüdisches Leben in der Stadt heute aussieht. Doch zunächst lohnt ein Blick auf die Geschichte der Juden in Berlin.

Die Geschichte der Juden in Berlin

Die Anfänge im Mittelalter

Im Raum des heutigen Berlin lebten bereits im Mittelalter Juden. Deren erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1295 zurück. Im Gegensatz zu anderen Orten in Deutschland genossen sie hier zunächst einige Freiheiten und mussten nicht in einem eigenen Viertel leben. Allerdings blieben ihnen viele Berufe verwehrt. Sie waren zudem immer von der Gunst der jeweiligen Herrscher abhängig, hatten also einen häufig wechselnden rechtlichen Status.

Es kam gerade im 15. und 16. Jahrhundert immer wieder zu Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung, auch Vertreibungen waren an der Tagesordnung. Oft waren es lächerliche Vorwürfe – wie angebliche Hostienschändung oder der behauptete Ritualmord von Kindern, denen sich die Juden von Berlin ausgesetzt sahen.

Vertreibung und Wiederansiedlung

Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Juden aus der Stadt gewiesen und konnten sich erst rund 100 Jahre später wieder hier niederlassen. Die Wiederansiedlung erfolgte vor allem durch aus Wien vertriebene Juden. Im Jahr 1700 lebten bereits über 100 Familien in der Stadt.

Die Alte Synagoge aus dem Jahr 1714 in der Heidereutergasse wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört

Mitte des 18. Jahrhunderts befahl der preußische König Friedrich Wilhelm I. allen Berliner Juden, die kein eigenes Haus hatten, ins Scheunenviertel zu ziehen, weshalb sich insbesondere hier eine lebendige Gemeinde entwickelte, deren Bewohner größtenteils arm waren. Wohlhabendere jüdische Bürger ließen sich in der Folge vor allem in der angrenzenden Spandauer Vorstadt nieder. Dies sind auch heute noch die beiden Stadtteile von Berlin, in denen man auf die meisten Spuren der jüdischen Vergangenheit stößt.

Emanzipation und Zuzug

Durch das Preußische Judenedikt erfolgte 1812 die teilweise rechtliche Gleichstellung der Juden in Preußen. Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die jüdische Gemeinde von Berlin stark an, um 1860 zählte sie bereits 28.000 Mitglieder.

Blütezeit und Holocaust

Es kamen in der Folge immer mehr Juden nach Berlin. Dies war eine Zeit der kulturellen Blüte, die in den folgenden Jahrzehnten auch eine immer stärkere Differenzierung in verschiedene Glaubensströmungen und Geistesschulen nach sich zog. Viele Juden bekleideten wichtige Positionen in Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft und in dieser Zeit entstanden zahlreiche jüdische Kulturinstitutionen. Die Blütephase dauerte bis in die Weimarer Republik an.

Der Kulturbruch, den der Nationalsozialismus mit sich brachte, hatte schon bald fatale Auswirkungen auf die jüdische Gemeinde, die zum Zeitpunkt der Machtergreifung auf 160.000 Mitglieder angewachsen war. Pogrome, Demütigungen, Ausgrenzung und Flucht prägten die folgenden Jahre, ehe die Nazis danach trachteten, die europäischen Juden zu vernichten. In Berlin wurden mehrere Sammellager eingerichtet, von denen aus die Züge in den Tod in den Konzentrationslagern im Osten führten. Es schien, als würde jüdisches Leben in Berlin nie wieder möglich sein.

Jüdisches Berlin heute

Nach dem Krieg wanderten viele Juden sowohl im Osten als auch im Westen der Stadt aus und es bildeten sich zwei kleine Gemeinden heraus, die im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands fusionierten. In der Folge wuchs die jüdische Gemeinde von Berlin wieder deutlich, da durch den Zuzug zahlreicher osteuropäischer Migranten immer mehr Juden in die Stadt kamen. In jüngster Vergangenheit hat sich die Stadt in Israel den Ruf einer kreativen, hippen und toleranten Metropole erworben, weshalb nun vermehrt auch junge Israelis das jüdische Leben in Berlin bereichern. Diese Gemeinschaft ist heute so vielschichtig wie nie zuvor und wird dennoch wohl nie wieder die alte Größe vor der Shoah erreichen. Bestürzend ist, dass die meisten Objekte, die wir euch jetzt vorstellen, auch fast 80 Jahre nach dem Holocaust von der Polizei geschützt werden müssen. Nach dem Überfall der Hamas aus dem Gazastreifen heraus auf Israel und den anschließenden Krieg Israels im Gazastreifen, hat sich die Sicherheitslage für jüdische Menschen in Berlin noch einmal deutlich verschlechtert.

Sehenswürdigkeiten im jüdischen Berlin

Aber dennoch lässt sich jüdisches Leben in Berlin weiterhin erkunden und die Orte bieten einen sehenswerten Einblick in das jüdische Leben in Berlin durch die Jahrhunderte.

Synagogen in Berlin

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⭐ Top-Sehenswürdigkeit: Neue Synagoge – Centrum Judaicum

Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße ist für mich eines der schönsten Gebäude in Berlin und eines der wichtigsten Zentren jüdischen Lebens in der deutschen Hauptstadt. Für den Bau waren Eduard Knoblauch und Friedrich August Stüler, ein Schinkel-Schüler, verantwortlich, der auch das Neue Museum in Berlin schuf. Der von der Alhambra inspirierte Bau im orientalischen Stil war gerade unter Juden aus dem Bürgertum nicht unumstritten. Sie waren überzeugt, durch das exotisch wirkende Äußere könnten die Juden in Berlin noch stärker als Fremde und nicht dem deutschen Volk zugehörige Menschen angesehen werden.

Die Nazis versuchten, das Gebäude in der Reichspogromnacht zu zerstören. Dem Polizisten Wilhelm Kürtzfeld ist es zu verdanken, dass das von der SA gelegte Feuer gelöscht werden konnte. Und so konnten hier auch in der Folge noch Gottesdienste gefeiert werden, ehe die Wehrmacht das Gebäude zum Zweck der Einrichtung eines Lagers beschlagnahmte. Im Krieg stark beschädigt, riss man den größten Teil der Synagoge in den 50er Jahren mit Verweis auf die Einsturzgefahr ein. Kurz vor der Wende wurde eine Stiftung ins Leben gerufen, die sich um den Wiederaufbau der Synagoge kümmerte. Während die repräsentative Gebäudefront wiederhergestellt wurde, ging man im Innern einen anderen Weg. Hier wird heute eine Ausstellung über jüdisches Leben in Berlin gezeigt. Im dritten Stock des Gebäudes gibt es eine Synagoge, die für Gottesdienste genutzt wird. Sie kann im Rahmen von Führungen besucht werden.

Leider kam es 2019 zu einem islamistischen Messerangriff auf Sicherheitsmitarbeiter. Ein trauriges Zeichen dafür, dass jüdisches Leben in Deutschland noch immer bedroht ist.

  • 📍 Adresse: Oranienburger Straße 28, 10405 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S1, S2, S25, S26 Oranienburger Straße; U6 Oranienburger Tor; Tram M1, M12
  • 🎫 Besuch: Eintritt 7 Euro Vollzahler, 4,50 Euro ermäßigt; Tickets gibt es vor Ort
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Adass-Jisroel-Synagoge

Die 1869 gegründete, streng traditionstreue Gemeinde Adass Jisroel erhielt 1885 vom Kaiser die offizielle Anerkennung als eigenständige jüdische Religionsgemeinschaft neben der großen Jüdischen Gemeinde zu Berlin – bis heute ist sie die einzige derart alt-korporierte jüdische Gemeinde Deutschlands. 1904 bezog sie ihr bis heute genutztes, von einer großzügigen Spende des Mäzens Israel Kessler finanziertes Gemeindehaus in der damaligen Artilleriestraße, liebevoll als „Kleines Jerusalem“ bekannt. Nach der Zerschlagung durch die Nationalsozialisten und jahrzehntelangem Stillstand zu DDR-Zeiten konnte die Gemeinde erst 1990, zum Purimfest, nach 50 Jahren erzwungener Unterbrechung an historischer Stelle wiedereröffnen. Die kunstvoll rekonstruierte Jugendstilfassade wurde 2022 mit dem dritten Platz beim Architekturpreis „Gebäude des Jahres“ ausgezeichnet – ein sichtbares Zeichen der Wiederbelebung jüdischen Lebens in Mitte.

  • 📍 Tucholskystraße 40, 10117 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S1, S2, S25, S26 Oranienburger Straße; U6 Oranienburger Tor; Tram M1, M12
  • 🎫 Besuch: Unabhängige altorthodoxe Gemeinde („Kleines Jerusalem“); Fassade jederzeit von außen zu bewundern, für Besuche vorab Kontakt aufnehmen.
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Synagoge Rykestraße

Viele denken, die Neue Synagoge sei die größte Synagoge der Stadt. Mit 1200 Plätzen wird sie aber von der Synagoge in der Rykestraße übertroffen, die somit die größte Synagoge Deutschlands ist. Mitten im Prenzlauer Berg wurde sie 1904 fertiggestellt und diente vor allem osteuropäischen Zuwanderern als Gotteshaus. Auch aufgrund dieser neoromanischen Synagoge entwickelte sich der Stadtteil schnell zu einem bedeutenden jüdischen Zentrum. Da sich die Synagoge in einem dicht bebauten Gebiet befindet, wurde sie während der Reichspogromnacht nicht so stark zerstört wie freistehende Gotteshäuser. Im Krieg wurde sie als Pferdestall missbraucht.

Als einzige nicht zerstörte Synagoge im Osten der Stadt nahm sie in der Nachkriegszeit schnell eine Schlüsselrolle für die jüdische Gemeinde in Berlin ein und zählte zeitweise 3000 Mitglieder. Nach mehreren Emigrationswellen gehörten ihr zur Wendezeit aber nur noch rund 200 Gläubige an. 2007 aufwendig restauriert, erstrahlt sie heute wieder in altem Glanz und wie zu ihrer Eröffnung beten hier auch heute hauptsächlich Juden mit osteuropäischen Wurzeln. Im Vorderhaus ist zudem die Lauder Beth-Zion Schule untergebracht, in der Kinder in zehn Klassenstufen unterrichtet werden.

  • 📍 Adresse: Rykestraße 53, 10405 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U2 Senefelderplatz oder Eberswalder Straße; Tram M2
  • 🎫 Besuch: Ein Besuch während der Gottesdienstzeiten ist möglich. Von Fremden wird allerdings erwartet, dass sie nicht als Synagogen-Touristen nach zehn Minuten den Raum wieder verlassen.
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Synagoge am Fraenkelufer

Während des Ersten Weltkriegs entstand in Kreuzberg eine neoklassizistische Synagoge, die der lokalen orthodoxen Gemeinde als Gotteshaus diente. Um die Synagoge entstand ein kleiner Komplex, der wie die Betstätte selbst von Alexander Beer entworfen wurde, der auch das Waisenhaus und das Altenheim gestaltete. Mit 2000 Plätzen war sie eine der größten Synagogen Berlins. Leider wurde sie während der Novemberpogrome in Brand gesteckt. Als Glücksfall erwies sich, dass in unmittelbarer Nachbarschaft eine öffentliche Schule stand und die Feuerwehr die Flammen in Schach hielt.

Gottesdienste fanden fortan nur noch in der kleinen Jugendsynagoge statt, die ihr auf dem Bild seht. Als erste Synagoge nach dem Krieg wurde die Synagoge am Fraenkelufer pünktlich zu Rosh ha-Schana 1945 wiedereröffnet. Derzeit gibt es Pläne der Stadtverwaltung, die alte, viel größere Synagoge wieder aufzubauen, was ein für Berlin bislang einmaliger Vorgang wäre. Besucher werden von den Gemeindemitgliedern freundlich empfangen.

  • 📍 Fraenkelufer 10-12, 10999 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U1, U3, U8 Kottbusser Tor oder U8 Schönleinstraße; Bus 140
  • 🎫 Besuch: Konservative Gemeinde mit vielen jungen Mitgliedern und Familienangeboten, Besucher zu den Gottesdiensten willkommen.
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Synagoge Joachimstaler Straße

Nur einen Steinwurf vom Ku’damm entfernt liegt die Zentrale Orthodoxe Synagoge Berlins, deren Geschichte allerdings ganz woanders beginnt: Das Gebäude entstand 1901/1902 nach Entwürfen von Siegfried Kuznitzky ursprünglich als Logenhaus für die jüdische Bruderschaft B’nai B’rith. Erst 1935, als jüdische Kinder aus den staatlichen Schulen ausgeschlossen wurden, zog hier die Joseph-Lehmann-Schule der Jüdischen Reformgemeinde ein, um den Kindern weiterhin Unterricht zu ermöglichen – eine Bildungseinrichtung, deren letzte Schüler 1942 deportiert wurden. Nach dem Krieg wurde der Betraum zunächst weitergenutzt, doch erst 1960 richtete man im ehemaligen, einst prächtigen Logensaal im Erdgeschoss eine reguläre Synagoge nach orthodoxem Ritus mit Platz für über 300 Personen ein, samt rituellem Tauchbad im Souterrain. Heute ist sie die zentrale Synagoge der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Berlin und damit ein lebendiges Gegenstück zu den liberalen Gotteshäusern der Stadt.

  • 📍 Joachimstaler Straße 13, 10719 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S3, S5, S7, S9, S75 Zoologischer Garten, U1, U9 Kurfürstendamm
  • 🎫 Besuch: Einzige Synagoge Berlins mit täglichen orthodoxen Gottesdiensten; ständige Polizeipräsenz und Sicherheitskontrolle am Eingang.
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Chabad Lubawitsch Berlin

Die Geschichte von Chabad in Berlin beginnt 1996, als der aus New York entsandte Rabbiner Yehuda Teichtal mit seiner Frau Leah ohne jede Ortskenntnis in die Stadt zog und das erste Chabad-Haus gründete. Aus diesen bescheidenen Anfängen entstand eines der größten jüdischen Bildungs- und Familienzentren Europas: Das ehemalige Umspannwerk der Bewag in der Münsterschen Straße wurde vom russischen Stararchitekten Sergei Tchoban umgebaut und 2007 in Anwesenheit von Außenminister Frank-Walter Steinmeier feierlich eingeweiht. Auf rund 1.000 Quadratmetern vereint das Zentrum heute eine zweistöckige Synagoge mit 250 Plätzen, eine Mikwe, ein koscheres Restaurant, eine Jeschiwa, eine Kita sowie einen Nachbau der Jerusalemer Klagemauer. Die chassidische Bewegung, die auf den russischen Ort Lubawitsch zurückgeht, ist bekannt für ihre offene, unzeremonielle Atmosphäre und ihre umfangreiche Sozialarbeit – 2010 organisierte Chabad mit der „Unity Parade“ sogar die erste jüdische Straßenparade Berlins seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit rund 3.000 aktiven Mitgliedern zählt Chabad heute zu den größten jüdischen Gemeinschaften der Stadt, agiert dabei allerdings unabhängig von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

  • 📍 Münstersche Straße 6, 10709 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U7 Konstanzer Straße
  • 🎫 Besuch: Das Zentrum ist sonntags bis freitags von 9 Uhr bis Sonnenuntergang geöffnet, Gottesdienste und Feiertagsveranstaltungen sind offen für alle – Anmeldung vorab wird empfohlen.
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Synagoge Pestalozzistraße

Im Herzen von Charlottenburg verbirgt sich hinter einer unauffälligen Hoffassade eine der ältesten noch genutzten Synagogen Berlins. Errichtet wurde sie 1911 bis 1912 nach Plänen des Architekten Ernst Dorn im romanisierenden Stil aus rotem Backstein, finanziert unter anderem durch die Initiative der Charlottenburger Geschäftsfrau Betty Sophie Jacobsohn. Die liberale Gemeinde feierte hier Gottesdienste mit dem für sie typischen Mix aus traditionellem Ritus und Orgel- sowie Chormusik – ein Kompromiss zwischen Tradition und Moderne, der die liberale jüdische Strömung Berlins prägte. Die Synagoge überstand die Novemberpogrome 1938 nur mit leichten Schäden, wurde den Nazis aber 1941 entzogen, bevor die Jüdische Gemeinde sie nach dem Krieg zurückerhielt und bereits im Sommer 1945 wieder zu Gottesdiensten nutzte. Bis heute ist die Synagoge Pestalozzistraße als liberales Gotteshaus aktiv und zählt zu den wenigen Berliner Synagogen, die den Krieg in ihrer ursprünglichen Substanz überstanden haben.

  • 📍 Pestalozzistraße 14-15, 10625 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S3, S5, S7, S9, S75 Charlottenburg; U7 Wilmersdorfer Straße
  • 🎫 Besuch: Liberale Gottesdienste mit Orgel und Chor, Anmeldung bei der Jüdischen Gemeinde empfohlen, Personalausweis mitbringen.
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Synagoge Tiferet Israel

Sephardisches jüdisches Leben hat in Berlin eine lange, aber unterbrochene Geschichte: Der erste Gottesdienst nach sefardischem Ritus fand hier bereits 1891 statt, als kaum ein Dutzend orientalische Juden in der Stadt lebten. Durch Zuwanderung vor allem aus der Türkei – wohin sefardische Juden während der Inquisition aus Spanien und Portugal geflohen waren – wuchs die Gemeinde schnell, der 1905 gegründete Israelitisch-Sephardische Verein zählte Ende der 1920er-Jahre bereits rund 500 Mitglieder. Die Nationalsozialisten zerschlugen die Gemeinde vollständig, die wenigen Überlebenden emigrierten überwiegend nach Israel oder Frankreich. Erst 2006, vor allem getragen von neu zugewanderten sefardischen Juden aus dem Kaukasus und der ehemaligen Sowjetunion, konnte mit Tiferet Israel die erste sefardische Synagoge Deutschlands nach der Schoah eröffnet werden – als achtes Gotteshaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Bis heute ist sie die einzige Synagoge der Stadt mit orthodox-sefardischem Ritus.

  • 📍 Passauer Straße 4, 10789 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U1, U2, U3 Wittenbergplatz
  • 🎫 Besuch: Täglicher Minjan (Morgen-, Nachmittags- und Abendgebet), am Freitagabend und Samstag gibt es meist einen gemeinsamen Kiddusch im Anschluss – Gäste aller Riten sind ausdrücklich willkommen.
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Jüdische Institutionen in Berlin

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Sitz des Zentralrats der Juden in Deutschland

Das Gebäude in der Tucholskystraße ist kein Gebäude, das ich wegen seiner Geschichte oder seiner besonderen Bauweise hier mit aufnehme, sondern wegen seiner Funktion. Früher befand sich hier, im sogenannten Leo-Baeck-Haus, die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Es war also ein Gebäude mit langer jüdischer Tradition, das nach dem Krieg auf unterschiedliche Weise genutzt und schließlich in den 90er Jahren dem Zentralrat der Juden in Deutschland übertragen wurde.

Der Zentralrat der Juden ist der größte Dachverband der jüdischen Gemeinden in Deutschland und vertritt die Interessen von rund 100.000 Juden in Deutschland. Ihm kommt dabei eine Schlüsselrolle zu und seit seiner Gründung 1950 ist er ein wichtiges Sprachrohr der Juden in Deutschland und deren zentraler Ansprechpartner der Politik.

  • 📍 Tucholskystraße 9, 10117 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S1, S2, S25, S26 Oranienburger Straße; U6 Oranienburger Tor; Tram M1, M12; Bus 245
  • 🎫 Besuch: Kein Museum, sondern Verwaltungssitz – keine regulären Besichtigungen, das denkmalgeschützte Gebäude lässt sich aber von außen besichtigen.
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Jüdisches Gemeindehaus Fasanenstraße

Hier stand einst eine der größten und prächtigsten Synagogen Berlins: 1912 nach Plänen von Ehrenfried Hessel im neoromanisch-byzantinischen Stil erbaut, bot sie Platz für 2000 Gläubige. In der Pogromnacht 1938 brannten SA-Trupps sie nieder, die Ruine stand bis 1957/58 mahnend am Kurfürstendamm, bevor sie abgerissen wurde. Willy Brandt weihte 1959 an gleicher Stelle das neue Jüdische Gemeindehaus ein – bewusst kein Synagogenneubau, sondern ein modernes Kulturzentrum, in dessen Portal Fragmente der alten Synagogenfassade als Mahnsäule erhalten blieben. Seit 1986 finden hier jährlich im November die Jüdischen Kulturtage statt.

  • 📍 Fasanenstraße 79-80, 10623 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: ÖPNV: S3, S5, S7, S9, S75 Zoologischer Garten; U1 Uhlandstraße, U9 Kurfürstendamm
  • 🎫 Besuch: Foyer mit Gedenktafeln frei zugänglich.

Museen und Gedenkorte

Jüdisches Museum Berlin
Das Jüdische Museum Berlin wurde von Daniel Libeskind entworfen.

⭐ Top-Sehenswürdigkeit: Jüdisches Museum

Das größte jüdische Museum Europas entstand 2001 nach einem Entwurf des Star-Architekten Daniel Libeskind. Wobei, so ganz stimmt das eigentlich nicht. Vielmehr ist es eine Verbindung eines von Libeskind geschaffenen, modernen Gebäudes im Zickzack-Look und eines barocken Baus, in dem früher ein Gericht untergebracht war. Zum Komplex gehört auch der sog. Garten des Exils, in dem 49 Betonstelen mit Ölweiden auf die Gründung des Staates Israel und die Stadt Berlin Bezug nehmen.

Das Gebäude in all seinen Facetten zu beschreiben, würde hier den Umfang des Artikels sprengen, aber es ist unbedingt sehenswert und bietet einen würdigen Rahmen für die Ausstellung. Sie wurde letztmals 2020 neu konzipiert und informiert über jüdisches Leben in Deutschland, die jüdische Geschichte Deutschlands, jüdische Bräuche und Traditionen sowie das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Deutschland.

  • 📍 Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U6 Hallesches Tor oder Kochstraße; Bus M41, 248
  • 🎫 Besuch: Eintritt frei. Wechselausstellungen und Führungen kosten extra
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Anne-Frank-Zentrum

Das Schicksal von Anne Frank und ihre Tagebücher kennen die meisten von euch. Hier in der Passage befindet sich ein kleines Zentrum, das über Anne Frank, ihr Leben und ihr Schicksal, aber auch über die Zeit des Nationalsozialismus informiert. Dabei werden zahlreiche persönliche Dokumente und Fotos gezeigt. Auch durch die interaktive Aufmachung ist das Zentrum gerade für Kinder sehr interessant und bietet einen guten Einstieg, um Heranwachsende an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte ranzuführen.

  • 📍 Rosenthaler Straße 39, 10178 Berlin (im Haus Schwarzenberg)
  • 🚇 ÖPNV: S-Bahn/Tram Hackescher Markt; U8 Weinmeisterstraße
  • 🎫 Besuch: Dauerausstellung „Alles über Anne“, Di-So 10-18 Uhr, Erwachsene 8 €, ermäßigt 4 €, Familien 17 €, Kinder bis 10 Jahre frei; Gruppen mit Voranmeldung ab 9 Uhr
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Museum der Otto-Weidt-Blindenwerkstadt

Dass Oskar Schindler während des Zweiten Weltkriegs in Krakau zahlreichen Juden das Leben rettete, weiß spätestens seit dem Film „Schindlers Liste“ die ganze Welt. Es gab aber viele Menschen, die Verfolgten Schutz boten. Otto Weidt war einer von ihnen. In seiner Fabrik für Besen und Bürsten beschäftigte er hauptsächlich blinde und gehörlose Juden und richtete hier in seiner Werkstatt auch ein Versteck für seine Angestellten in einem Hinterzimmer ein. In der Werkstatt und dem Versteck, das sich größtenteils original erhalten hat, könnt ihr euch heute über Weidt und seine Arbeit informieren.

Die Passage in der Rosenthaler Straße, in der sich die Werkstatt und auch das Anne Frank Zentrum befinden, ist übrigens sehr fotogen und über und über mit Streetart versehen.

  • 📍 Rosenthaler Straße 39, Erster Hof, linker Aufgang, 10178 Berlin (im Haus Schwarzenberg)
  • 🚇 ÖPNV: S3, S5, S7, S9, S75 Hackescher Markt; U8 Weinmeisterstraße; Tram M1, M4, M5, M6
  • 🎫 Besuch: Eintritt frei, Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr, kostenlose Führungen buchbar
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Haus der Wannseekonferenz

Die Wannseekonferenz markierte einen der dunkelsten Tag der deutschen Geschichte. Hier kamen am 20.1.1942 in einer Villa hochrangige Nazis zusammen, um unter der Führung von Reinhard Heydrich den Holocaust zu koordinieren. Hier wurde die „Endlösung der Judenfrage“ zwar nicht de facto beschlossen, die Konferenz markierte aber einen schwerwiegenden Schritt in Richtung der Vernichtung der europäischen Juden. In der Bildungsstätte, die hier eingerichtet wurde, kann man sich heute über diesen schicksalhaften Moment informieren.

  • 📍 Am Großen Wannsee 56-58, 14109 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S1, S7 Wannsee, dann Bus 114 bis Haltestelle „Haus der Wannsee-Konferenz“
  • 🎫 Besuch: Eintritt frei, täglich 10-18 Uhr
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⭐ Top-Sehenswürdigkeit: Topographie des Terrors

Auf diesem Gelände zwischen Wilhelm- und Niederkirchnerstraße befanden sich von 1933 bis 1945 die Kommandozentralen des NS-Terrorapparats: Gestapo mit eigenem „Hausgefängnis“, SS-Führung, Sicherheitsdienst und ab 1939 das Reichssicherheitshauptamt, das die Deportationen der europäischen Juden organisierte. Nach dem Krieg gerieten die Trümmer in Vergessenheit, auch weil ab 1961 die Berliner Mauer direkt am Gelände entlangführte. Erst 1987, zum 750. Stadtjubiläum, entstand eine erste provisorische Ausstellung, seit 2010 informiert ein Dokumentationszentrum über den Terror Nazideutschlands gegen die Zivilbevölkerung und mit welcher Akribie er verfolgt wurde.

  • 📍 Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U2, U6 Stadtmitte; S1, S2, S25, S26 Anhalter Bahnhof oder Potsdamer Platz; Bus M29, M41
  • 🎫 Besuch: Kostenloser Eintritt, Innenausstellung täglich 10-20 Uhr, Außengelände bis Einbruch der Dunkelheit
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Mendelssohn-Remise

1815 gründeten Joseph und Abraham, die ältesten Söhne des Philosophen Moses Mendelssohn, in der Jägerstraße 51 das Bankhaus Mendelssohn, das sich zur bedeutendsten Privatbank Berlins entwickelte – bis zur erzwungenen Liquidation durch die Nationalsozialisten 1938. Die um 1890 errichtete ehemalige Kassenhalle und spätere Kutschremise überstand Krieg und DDR-Zeit als Autowerkstatt, bevor sie 1998 an die Familienerben zurückging. Seit 2004 zeigt die Dauerausstellung „Die Mendelssohns in der Jägerstraße“ das Leben der Bankiersfamilie – nur 150 Meter vom Gendarmenmarkt entfernt.

  • 📍 Jägerstraße 51, 10117 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U2, U6 Stadtmitte; Bus 147, 200
  • 🎫 Besuch: Regulär täglich 12-18 Uhr geöffnet, Eintritt meist kostenlos
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Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Im sogenannten Bendlerblock, dem ehemaligen Oberkommando des Heeres, wurden Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und drei seiner Mitverschwörer in der Nacht des gescheiterten Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 im Innenhof erschossen. 1953 weihte Bürgermeister Ernst Reuter dort ein Ehrenmal ein, seit 1968 informiert eine Dauerausstellung über den gesamten deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus – von den Attentätern des 20. Juli über kommunistische und kirchliche Widerstandsgruppen bis zu Einzelpersonen, die verfolgten Juden halfen. Direkt nebenan hat seit 1993 das Bundesverteidigungsministerium seinen Berliner Sitz.

  • 📍 Stauffenbergstraße 13-14, 10785 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S1, S2, S25, S26 Potsdamer Platz; U1, U2, U3, Kurfürstenstraße, U2 Potsdamer Platz oder Mendelssohn-Bartholdy-Park, jeweils ca. 15 Minuten Fußweg; Bus 200, M29
  • 🎫 Besuch: Kostenloser Eintritt, Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr
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Jüdische Friedhöfe in Berlin

⭐ Top-Sehenswürdigkeit: Jüdischer Friedhof in Weißensee

1880 wurde in Weißensee im heutigen Bezirk Pankow ein von Hugo Licht entworfener Friedhof im Stil der Neorenaissance angelegt. Dies war nötig geworden, da der Friedhof in der Schönhauser Allee nicht mehr genügend Platz für die Verstorbenen bot. Mit einer Fläche von über 40 Hektar ist er heute der größte jüdische Friedhof in ganz Europa. Der von einer Ziegelsteinmauer mit prächtigem Eingangsportal begrenzte Friedhof verfügt über mehrere Orte, die an den Holocaust erinnern, darunter Gedenksteine, aber auch ein Urnenfeld mit der Asche von in Konzentrationslagern ermordeten Juden.

Vom tragischen Schicksal der jüdischen Gemeinden zeugen auch die 1907 Juden, die hier bestattet wurden, weil sie während der Nazi-Diktatur Selbstmord begingen. Warum der Friedhof nicht wie so viele andere von den Nazis geschändet wurde, ist Historikern bis heute ein Rätsel. Der Friedhof ist auch wegen der prachtvollen Gräber und Mausoleen unbedingt einen Besuch wert.

  • 📍 Herbert-Baum-Straße, 13088 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: Tram 12, 50, M1, M2, M4, M13; Bus 158, 255
  • 🎫 Besuch: Öffnungszeiten je nach Jahreszeit unterschiedlich (Sommer bis abends, Winter kürzer), Schabbat und Feiertage geschlossen; Kopfbedeckung für Männer erforderlich
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Friedhof Große Hamburger Straße

Die Geschichte des Friedhofs in Berlin-Mitte reicht bis in das ausgehende 17. Jahrhundert zurück. Hier fanden mehrere Tausend Juden ihre letzte Ruhestätte (die genauen Zahlen sind umstritten). Auch dieser Friedhof wurde von den Nazis verwüstet, einige Grabsteine konnten aber erhalten werden, da sie in der Mauer eingelassen waren. Auf dem Gelände wurde 1786 auch Moses Mendelssohn beigesetzt, an den heute der einzige Grabstein auf dem Friedhof erinnert. Gegen Ende des Krieges wurden hier auch Nichtjuden beigesetzt, da es in der Stadt einfach zu viele Tote gab.

Vor dem Friedhof befindet sich ein Denkmal des aus Hagen stammenden Bildhauers Will Lammert mit dem Titel „Jüdischer Opfer des Faschismus“, das hier 1985 aufgestellt wurde. Es zeigt 13 Personen mit versteinerten Gesichtsausdrücken und war eigentlich für die Gedenkstätte Ravensbrück vorgesehen gewesen.

  • 📍 Große Hamburger Straße 25-26, 10115 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S3, S5, S7, S9 Hackescher Markt; U8 Weinmeisterstraße; Tram M1, M4, M5, M6
  • 🎫 Besuch: Frei zugänglich als Grünanlage, kein Eintritt

Friedhof Schönhauser Allee

In der Schönhauser Allee befindet sich ein großer, wenn auch stark verwitterter Friedhof, der im 19. Jahrhundert angelegt wurde. Er bestand nur rund 50 Jahre, ehe die Beisetzungen ab 1880 auf dem Friedhof in Weißensee stattfanden, vereinzelt wurden hier aber auch später noch Menschen bestattet.

Hier liegen mehrere bekannte Berliner Juden begraben, darunter der Komponist Giacomo Mayerbeer und der impressionistische Maler Max Liebermann. Auf einem Spaziergang über den Friedhof lassen sich viele interessante Entdeckungen machen und er bietet einen bunten Mix aus äußerst einfachen Gräbern und aufwendig gestalteten Grabmalen.

  • 📍 Schönhauser Allee 23-25, 10435 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U2 Senefelderplatz; Tram M10
  • 🎫 Besuch: Mo-Do 8-16 Uhr, Fr 7.30-13 Uhr, Schabbat/Sonn-/Feiertage geschlossen; Kopfbedeckung für Männer erforderlich
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Friedhof Heerstraße

Der Friedhof Heerstraße unweit des Olympiastadions ist vor allem als Prominentenfriedhof bekannt (unter anderem wurde hier „Loriot“ beigesetzt). Jenseits der Heerstraße gibt es seit den 50er Jahren aber auch eine moderne jüdische Grablege, die noch immer von der jüdischen Gemeinde Berlins genutzt wird. Er wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrmals erweitert und war leider immer wieder Ziel von Anschlägen. Hier sind unter anderem Hans Rosenthal, der berühmte Fernsehmoderator, und Heinz Galinski beigesetzt, ehemaliger Vorsitzender des Zentralrats der Juden. Viele der Grabsteine deuten auf die ukrainische und russische Herkunft der Toten hin und zeigen so auch den Wandel, den die jüdische Gemeinde Berlins durch den Zuzug von Kontingentflüchtlingen und Spätaussiedlern seit der Wende erfahren hat.

  • 📍 Heerstraße 141, 14055 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S3, S9 Pichelsberg; Bus M49, X34, X49, 218
  • 🎫 Besuch: Öffnungszeiten richten sich nach jüdischem Kalender, meist Mo-Do vormittags bis früher Nachmittag; Schabbat und Feiertage geschlossen; Kopfbedeckung für Männer erforderlich, kleine Spende erbeten

Jüdische Bildungseinrichtungen in Berlin

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Jüdische Volkshochschule

Im Jahr 1919 wurde in Berlin die Freie Jüdische Volkshochschule ins Leben gerufen. Nach der Schließung durch die Nazis wurde sie erst 1962 neu eröffnet und ist heute einer der wichtigsten Orte jüdischen Lebens in Berlin. Besonders schön: Die Jüdische Volkshochschule versteht sich als Ort des Dialogs, an dem auch Nichtjuden zusammenkommen, um sich über das Judentum zu informieren. Hier werden aber nicht nur Vorurteile abgebaut, sondern Juden können hier ihr Wissen über ihre Geschichte und Traditionen vertiefen. Ansonsten funktioniert die Jüdische Volkshochschule wie andere VHS auch. Neben Sprachkursen (Jiddisch und Hebräisch) werden auch kulturelle Aspekte jüdischen Lebens in einzelnen Seminaren behandelt.

  • 📍 Fasanenstraße 79-80, 10623 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: ÖPNV: S3, S5, S7, S9, S75 Zoologischer Garten; U1 Uhlandstraße, U9 Kurfürstendamm
  • 🎫 Besuch: Foyer mit Gedenktafeln frei zugänglich.
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Blumenthal-Akademie

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Jüdischen Museums befindet sich der beeindruckende Bau der Blumenthal-Akademie. In dem 2012 eröffneten Zentrum sind unter anderem ein Lesesaal, eine Bibliothek, ein Archiv, ein Kindermuseum und mehrere Veranstaltungsräume untergebracht. Benannt ist die Akademie nach dem Gründer des Jüdischen Museums, W. Michael Blumenthal.

Das Gebäude selbst entstand ebenfalls nach einem Entwurf von Daniel Libeskind und stellt eine ehemalige Großmarkthalle dar, die geschickt für die neuen Erfordernisse einer Bildungseinrichtung umgestaltet wurde. Auf dem Foto nicht so gut zu erkennen: Auf dem Dach des Eingangsbereichs sind die beiden ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets, Alef und Bet zu sehen.

  • 📍 Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U1, U6 Hallesches Tor; U6 Kochstraße; Bus 248, M29, M41
  • 🎫 Besuch: Öffentlich zugänglicher Lesesaal, Öffnungszeiten variieren je nach Programm – aktuelle Termine auf der Website
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Abraham-Geiger-Kolleg

Genau genommen liegt das Kolleg nicht in Berlin, sondern in Potsdam – gehört aber untrennbar zum jüdischen Leben der Region. 1999 gegründet, steht es in der Tradition der 1872 mitbegründeten und 1942 von den Nazis zerschlagenen Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und war das erste Rabbinerseminar Kontinentaleuropas nach der Schoah. 2006 fand hier die erste Rabbinerordination in Deutschland seit dem Krieg statt, 2010 wurde mit Alina Treiger die erste Rabbinerin in Deutschland nach der Schoah ordiniert. Absolventen des Kollegs wirken heute unter anderem als Kantoren und Rabbiner in den Berliner Synagogen Rykestraße und Pestalozzistraße.

  • 📍 Am Neuen Markt 8, 14467 Potsdam
  • 🚇 ÖPNV: Ab Berlin Hauptbahnhof mit RE1 nach Potsdam Hauptbahnhof, dann Tram 96 oder 10 Minuten Fußweg
  • 🎫 Besuch: Besichtigungen nur im Rahmen von Veranstaltungen oder nach Anmeldung
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jüdisches berlin

Jüdisches Gymnasium Moses Mendelssohn

Das „JGMM“ in Mitte kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Der jüdische Philosoph und Aufklärer Moses Mendelssohn aus Dessau organisierte hier bereits im 18. Jahrhundert einen jüdischen Schulbetrieb. 1906 bezog die Schule schließlich das eigens für den Schulbetrieb errichtete Gebäude in der Großen Hamburger Straße. Zu Beginn der Nazi-Diktatur gingen hier 1000 Kinder zur Schule, ehe das Gebäude während des Krieges geräumt werden musste und hier Juden zusammengetrieben wurden. Zu DDR-Zeiten diente der Bau als Berufsschule, ehe nach der Wende hier wieder ein jüdischer Schulbetrieb möglich war.

Heute gehen hier Juden wie Nichtjuden zur Schule und die Einrichtung der Jüdischen Gemeinde ist eine staatlich anerkannte Privatschule. Von hier ist es nur ein kurzer Fußweg zum St. Hedwigs-Krankenhaus.

  • 📍 Große Hamburger Straße 27, 10115 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S-Bahn Hackescher Markt (S3, S5, S7, S9); U8 Weinmeisterstraße; Tram M1, M4, M5, M6
  • 🎫 Besuch: Aktive Privatschule, kein Museum – keine regulären Publikumsbesuche; Fassade und historischer Kontext von außen erlebbar
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jüdisches berlin

Ehemalige jüdische Mädchenschule

Zwischen 1927 und 1928 wurde dieses Gebäude in Berlin-Mitte realisiert, in dem sich eine Schule für jüdische Mädchen befand. 1941 wurden hier Juden zusammengetrieben, 1942 erfolgte die endgültige Schließung der Bildungseinrichtung. Zu DDR-Zeiten war hier die Polytechnische Oberschule Bertolt Brecht untergebracht, Bekanntheit erlangte das Gebäude als Austragungsort der 4. Biennale im Jahr 2006. Heute haben hier mehrere Galerien ihren Sitz, jedoch sind einige davon derzeit geschlossen.

  • 📍 Auguststraße 11-13, 10117 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S1, S2, S25, S26 Oranienburger Straße; U6 Oranienburger Tor; Tram M1, M12; Bus 245
  • 🎫 Besuch: Frei zugänglich, Galerien und Restaurants nach deren eigenen Öffnungszeiten
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Frühere Theodor-Herzl-Schule

1920 vom Jüdischen Schulverein als religiös neutrale, koedukative zionistische Volksschule gegründet, wuchs die Schule am Kaiserdamm bis 1934 auf über 600 Schüler und mehr als 40 Lehrkräfte an – für viele jüdische Kinder in den 1930er-Jahren ein schützender Rückzugsort, während draußen die Ausgrenzung zunahm. Unter ihrer letzten Leiterin Paula Fürst diente die Schule zunehmend als „Wartesaal“ für die Emigration, bevor die Nationalsozialisten sie 1939 schlossen. Paula Fürst wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet; eine Gedenktafel am ehemaligen Standort erinnert seit 2000 an sie und die Schule. Lange danach trafen sich ehemalige Schüler weiter. Darüber gibt es auch eine Dokumentation.

  • 📍 Kaiserdamm 78/79, 14057 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U2 Kaiserdamm
  • 🎫 Besuch: Gedenktafel jederzeit frei zugänglich, kein Museum vor Ort

Jüdische soziale Einrichtungen

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Quelle: wikimedia commons, Urheber: Mutter Erde

Früheres jüdisches Altersheim Berkaer Straße

Alexander Beer war in der Zwischenkriegszeit einer der bedeutendsten jüdischen Architekten Berlins und schuf mehrere Gebäude, von denen drei bis heute erhalten sind. Eines von ihnen war das zwischen 1929 und 1931 entstandene Altersheim in der Berkaer Straße. Der Backsteinbau mit Putzbändern ist eines der wunderbaren Beispiele für Gebäude der Moderne in Berlin (wegweisend für diese Stilrichtung war u.a. die Stadt Chemnitz, deren Moderne-Bauten wir euch hier vorstellen). 1941 lösten die Nazis das Altenheim auf und deportierten die letzten noch lebenden Bewohner in Vernichtungslager. Auch Beer erlebte das Kriegsende nicht mehr und wurde 1944 im KZ Theresienstadt ermordet. Später diente der Bau britischen Streitkräften als Unterkunft, später als Krankenhaus. Heute gibt es in Charlottenburg wieder ein jüdisches Altersheim.

  • 📍 Berkaer Straße 31-35, 14199 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S41, S42, S46 Hohenzollerndamm; Bus 110, 115, 249
  • 🎫 Besuch: Aktives Pflegeheim, keine Publikumsbesuche; Gedenktafel am Eingang links jederzeit frei zugänglich
Kinder aus dem Jüdischen Waisenhaus während des Purimfests (unbekannter Autor)

Früheres jüdisches Waisenhaus

Im Bezirk Pankow errichtete Alexander Beer 1912/1913 ein Gebäude im Stil des Neobarock, das fortan als jüdisches Waisenhaus genutzt wurde. Seine Wurzeln gehen auf eine ältere Einrichtung zurück, in der Kinder und Jugendliche lebten, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Brody in der Nähe von Lemberg nach Berlin geholt worden waren. Zuvor war es zu antijüdischen Pogromen im Zarenreich gekommen und engagierte Berliner Juden halfen den elternlosen Kindern auf diese Weise.

Dem Waisenhaus war eine Schule angeschlossen. Da im Zuge der „Rassentrennung“ Juden ab 1935 der Besuch öffentlicher Schulen verboten war, wuchs die Schule des Waisenhauses stark an. Einige Kinder konnten im Rahmen der Kindertransporte (siehe auch das Denkmal „Züge ins Leben – Züge in den Tod“) gerettet werden, die meisten aber wurden in die KZs im Osten deportiert und fanden dort ihren Tod.

Heute dient das Waisenhaus u.a. als Kultur- und Begegnungsstätte. Hier finden verschiedene Veranstaltungen statt, die meist den interkulturellen Dialog fördern sollen.

  • 📍 Berliner Straße 120/121, 13187 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S2, S8, S85 und U2 Pankow; Tram M1, M27, 50, 155; Bus 107, 155
  • 🎫 Besuch: Dauerausstellung zu den Öffnungszeiten der Janusz-Korczak-Bibliothek frei zugänglich (Mo 10-20, Di 10-19, Mi 13-19, Sa 10-13 Uhr); ehemaliger Betsaal für Veranstaltungen des Waisenhausvereins
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St. Hedwigs-Krankenhaus

Ein katholisches Krankenhaus hat es auch in unsere Liste „Jüdisches Berlin“ geschafft. Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet und ist eines der größten Krankenhäuser der Hauptstadt. Warum wir es hier listen? Zwischen 1942 und 1945 halfen der katholische Arzt Erhard Lux und die Sozialarbeiterin Marianne Hapig zusammen mit mehreren Ordensschwestern hier Juden, die von der Deportation bedroht waren. Getarnt als angeblich katholische Patienten fanden hier die Bewohner einer in einem jüdischen Altenheim in der Nachbarschaft eingerichteten Sammelstelle Zuflucht. Die tiefgläubige Hapig half auch Widerstandsgruppen und Regimegegnern, nach ihr ist heute in Berlin auch ein Weg in Rudow benannt.

  • 📍 Große Hamburger Straße 5-11, 10115 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S3, S5, S7, S9, S75 Hackescher Markt; U8 Weinmeisterstraße; Tram M1, M4, M5, M6
  • 🎫 Besuch: Aktives Krankenhaus, keine touristischen Führungen; die denkmalgeschützte Fassade mit Marienkapelle lässt sich jederzeit von außen besichtigen
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Denkmäler und Mahnmale

Ost-Berlin Sehenswürdigkeiten Holocaust Mahnmal

⭐ Top-Sehenswürdigkeit: Holocaust Mahnmal

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas erinnert seit dem Jahr 2005 an die im Holocaust von den Deutschen umgebrachten Juden. Bis 1989 hatte das Areal als Teil der Berliner Mauer gedient. Da aber ein zentrales Mahnmal an die Shoah erinnern sollte, wurde die Fläche unweit des Brandenburger Tors dafür ausgewählt. Insgesamt stehen hier nun 2711 Betonstelen, die unterschiedlich hoch sind. Beim Durchlaufen bekommt man das Gefühl, in ein Labyrinth zu gehen und von den kalten Betonstelen fast erdrückt zu werden. Das Denkmal ist eines der beeindruckendsten Mahnmale und seine Komposition wirklich einmalig. Der Besuch dieses Ortes ist kostenlos möglich und es gibt zudem eine Ausstellung unter dem Mahnmal.

  • 📍 Cora-Berliner-Straße 1, 10117 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S1, S2, S25, S26 Brandenburger Tor; U5 Brandenburger Tor; Bus 100, 245
  • 🎫 Besuch: Freies Gelände jederzeit zugänglich; Ort der Information (unterirdische Ausstellung) täglich außer montags 10-19.30 Uhr, Eintritt frei
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Denkmal in der Rosenstraße

Früher befand sich in der Rosenstraße mitten im Zentrum die Alte Synagoge von Berlin. Ende Februar 1943 deportierten die Nazis 8000 jüdische Bürger aus der Stadt, darunter viele männliche Juden aus sog. „Mischehen“. Diese wurden zunächst in der Rosenstraße im Gebäude der Jüdischen Sozialverwaltung zusammengetrieben. 600 mutige Frauen demonstrierten daraufhin eine Woche lang vor dem Gebäude für die Freilassung ihrer Angehörigen. Und sie hatten tatsächlich Erfolg! Anfang März wurden alle Gefangenen entlassen. 1995 wurde in Erinnerung an diese ungewöhnliche Episode dieses Denkmal von Ingeborg Hunzinger enthüllt, die laut den NS-Rassegesetzten ebenfalls ein „Mischling“ war und in Berlin zahlreiche Werke schuf.

  • 📍 Rosenstraße 1-2, 10178 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S3, S5, S7, S9 Hackescher Markt; U2 Klosterstraße; Tram M1, M4, M5, M6
  • 🎫 Besuch: Frei zugänglich, jederzeit begehbar
jüdisches berlin

Denkmal „Der verlassene Raum“

Als ich das Denkmal im Februar 2021 aufsuchte, saßen gerade zwei Jugendliche auf dem Tisch und tranken gemütlich einen Kaffee. Damit teilt das Denkmal das Schicksal vieler Erinnerungsorte, die von vielen leider nicht als solche angesehen werden. Der Berliner Bildhauer Karl Biedermann schuf hier in der Spandauer Vorstadt ein eindrückliches Werk, das viel Raum für Interpretationen lässt. Für mich wirkt es so, als wäre hier eine Familie mitten aus dem Leben gerissen und gewaltsam verschleppt worden. Der Ort ist nicht zufällig gewählt, denn in der Gegend lebten seit dem 18. Jahrhundert viele Juden und bereits 1923, also 10 Jahre vor der Machtergreifung der Nazis, fand hier ein Pogrom statt, das bereits eine dunkle Ankündigung dessen war, was noch kommen würde.

  • 📍 Koppenplatz, 10115 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S1, S2, S25, S26 Nordbahnhof; U8 Rosenthaler Platz oder Bernauer Straße; Tram M8, M10
  • 🎫 Besuch: Frei zugänglich, jederzeit begehbar
jüdisches berlin

Stolpersteine

Die Stolpersteine entstanden auf Initiative des Berliner Künstlers Gunter Demnig im Jahr 1992. Die kleinen Messingtafeln gibt es in ganz Europa und befinden sich meist vor den letzten Wohnhäusern derjenigen Menschen, die von den Nazis ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. Mittlerweile sind es in Deutschland schon über 75.000 Stück, wobei nicht nur an jüdische Bewohner, sondern auch an Mitglieder anderer verfolgter Gruppen erinnert wird. Demnigs Hauptanliegen ist es, den Menschen ihren Namen und damit ein Stück ihrer Würde zurückzugeben, die in den Konzentrationslagern auf eine Häftlingsnummer reduziert worden sind. In Berlin finden sich bereits fast 9000 von ihnen, deren genaue Lage ihr hier anhand der Symbole mit den blauen Häuschen nachvollziehen könnt.

  • Stolpersteine finden sich an vielen Orten in Berlin. Eine Website des Vereins Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin zeigt alle Adressen in einer Datenbank an.
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jüdisches berlin

Denkmal „Züge ins Leben – Züge in den Tod“

Am Bahnhof Friedrichstraße befindet sich ein beeindruckendes Denkmal, das von Frank Meisler geschaffen wurde. Der Standort wurde nicht zufällig gewählt, denn von hier aus starteten die Züge in die Freiheit oder in den Tod. Unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gestattete die britische Regierung jüdischen Kindern die Einreise nach Großbritannien. An sie wird hier ebenso erinnert wie an die Kinder, die vom Bahnhof Friedrichstraße in den Tod geschickt wurden und nicht das Glück hatten, von Großbritannien oder anderen Staaten aufgenommen zu werden. Der Künstler selbst konnte durch die Aktion gerettet werden und schuf auch an anderen Orten ähnliche Denkmäler, darunter in seiner Heimatstadt Danzig, in Hamburg und in London.

  • 📍 Georgenstraße/Ecke Friedrichstraße, 10117 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S1, S2, S3, S5, S7, S9, S25, S26 Friedrichstraße; U6 Friedrichstraße; Tram M1, 12; Bus 147
  • 🎫 Besuch: Frei zugänglich, jederzeit begehbar
Jüdisches Berlin
Foto: Lars Dörenmeier

Deportationsmahnmal Putlitzbrücke

Im Berliner Ortsteil Moabt überspannt eine Brücke einen alten Güterbahnhof, der eine dunkle Geschichte birgt. Von hier aus wurden ab 1942 insgesamt 32.000 Juden in die Konzentrationslager deportiert, wo die allermeisten von ihnen einen grausamen Tod fanden. Das 1987 von Volkmar Haase geschaffene Denkmal erinnert an einen Grabstein und trägt folgende Inschrift:

„STUFEN DIE KEINE STUFEN MEHR SIND. EINE TREPPE DIE KEINE TREPPE MEHR IST. ABGEBROCHEN. SYMBOL DES WEGES DER KEIN WEG MEHR WAR FUER DIE DIE UEBER RAMPEN GLEISE STUFEN UND TREPPEN DIESEN LETZTEN WEG GEHEN MUSSTEN. VOM BAHNHOF PUTLITZSTRASSE
WURDEN IN DEN JAHREN 1941–1944 ZEHNTAUSENDE JUEDISCHER MITBUERGER BERLINS IN VERNICHTUNGSLAGER DEPORTIERT UND
ERMORDET.“

Traurig ist auch, dass das Mahnmal mehrmals geschändet wurde, 1992 fand sogar ein Sprengstoffanschlag statt, der es so sehr beschädigte, dass es nach einer Restaurierung erst 1993 wieder hier aufgestellt werden konnte.

  • 📍 Putlitzbrücke, 10553 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S41, S42 Westhafen; U9 Amrumer Straße; Bus M27, 123
  • 🎫 Besuch: Frei zugänglich, jederzeit begehbar

Mahnmal Gleis 17 am Bahnhof Grunewald

Am 18. Oktober 1941 verließ hier der erste Deportationszug Berlin – mit über 1.000 Juden ins Ghetto Łódź. Bis Kriegsende fuhren von diesem Gleis rund 35 Züge mit etwa 17.000 Menschen allein nach Auschwitz. Die Deutsche Bahn AG initiierte 1998 nach einem Wettbewerb, in dessen Jury unter anderem Ignatz Bubis saß, das heutige Mahnmal der Architekten Hirsch, Lorch und Wandel: 186 in den Bahnschotter eingelassene Stahlplatten dokumentieren chronologisch jeden einzelnen Deportationszug mit Datum, Zielort und Anzahl der Deportierten – zwischen den Gleisen hat sich bewusst Vegetation ausgebreitet, als Symbol dafür, dass hier nie wieder ein Zug abfahren wird.

  • 📍 Bahnhof Grunewald, Am Bahnhof Grunewald, 14193 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: S3, S5, S7, S75 Grunewald
  • 🎫 Besuch: Frei zugänglich, jederzeit begehbar

Mahnmal Levetzowstraße

An dieser Stelle stand eine der größten Synagogen Berlins, 1914 eingeweiht mit Platz für über 2000 Gläubige. Sie überstand die Pogromnacht 1938 weitgehend, wurde aber ab Herbst 1941 von der Gestapo zum zentralen Sammellager umfunktioniert: Mehr als 37.500 Berliner Juden wurden von hier über die Bahnhöfe Grunewald und Putlitzstraße in die Vernichtungslager deportiert, bevor die im Krieg beschädigte Synagoge 1955 abgerissen wurde. Seit 1988 erinnert das Mahnmal „Flammenwand“ mit einem stilisierten Eisenbahnwaggon und einer Rampe mit abstrakten „Menschenpaketen“ an die Deportierten, ergänzt um gusseiserne Reliefs aller 32 Berliner Synagogen als Symbol der ausgelöschten deutsch-jüdischen Kultur.

  • 📍 Levetzowstraße 7-8, 10555 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U9 Hansaplatz oder Turmstraße; Bus 106
  • 🎫 Besuch: Frei zugänglich, jederzeit begehbar

Denkmal Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz

Auf dem damaligen Opernplatz verbrannten NS-Studenten und Professoren am 10. Mai 1933 unter musikalischer Begleitung von SA- und SS-Kapellen rund 20.000 Bücher vor allem jüdischer, kommunistischer und liberaler Autoren – der Auftakt zur systematischen Verfolgung unliebsamer Literatur und ihrer Verfasser. 1995 schuf der israelische Künstler Micha Ullman die „Versunkene Bibliothek“: Durch eine Glasplatte im Pflaster blickt man in einen unterirdischen, fünf Meter tiefen Raum mit leeren weißen Bücherregalen für symbolisch 20.000 Bände. Zwei Bronzetafeln zitieren daneben Heinrich Heines prophetische Zeile: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

  • 📍 Bebelplatz, 10117 Berlin
  • 🚇 ÖPNV: U6 Französische Straße; Bus 100, 300, TXL (Haltestelle Staatsoper)
  • 🎫 Besuch: Frei zugänglich, jederzeit einsehbar

Koschere Supermärkte und Bäckereien

Kosher Life

Berlins erster koscherer Supermarkt: großes Sortiment an israelischen Importen, koscherem Fleisch, Milchprodukten, Wein und frischer Challe für den Schabbat. Die Preise liegen etwas über dem Durchschnitt, dafür stimmt die Auswahl.

  • 📍 Brunnenstraße 31a, 10119 Berlin, Mitte
  • 🚇 ÖPNV: S1, S2, S25, S26 Nordbahnhof; U8 Bernauer Straße; Tram M8, M10

Kosher Daily Markt

Koscherer Supermarkt in Charlottenburg mit großer Auswahl an israelischen und internationalen Produkten, gefülltem Fisch und Mazzen. Im Laden integriert ist die pareve Bäckerei/Café Balaboosta mit frisch gebackener Challe, Babka und Rugelach – auf Vorbestellung auch komplett vegan.

  • 📍 Waitzstraße 13, 10629 Berlin, Charlottenburg
  • 🚇 ÖPNV: U7 Adenauerplatz; Bus 109, M19, M29

Bäckerei Kädtler

Traditionsbäckerei von 1935, seit der dritten Generation unter Stefan Kädtler koscher-zertifiziert vom Berliner Oberrabbiner. Schwarzbrot, Dinkelbrot und Mandeltaler ganz ohne tierische Fette, freitags gibt es die traditionelle Challe.

  • 📍 Danziger Straße 135, 10407 Berlin, Prenzlauer Berg
  • 🚇 ÖPNV: S8, S41, S42, S85 Greifswalder Straße; Tram M4, M10

Kosher Good Morning

Kleines koscheres Frühstückscafé unter Chabad-Aufsicht (Cholov Yisroel): Milchprodukte, frisches Gebäck und herzhafte Frühstücksteller in ruhiger Wilmersdorfer Lage – ideal für alle, die koscher und milchig starten wollen.

  • 📍 Brandenburgische Str. 22, 10707 Berlin, Wilmersdorf
  • 🚇 ÖPNV: U7 Adenauerplatz; Bus 249

Jüdisch essen in Berlin

Koschere Imbisse

⭐ Top-Imbiss: Balabait

Eatery & Deli unter Chabad-Aufsicht von Rabbiner Yehuda Teichtal: schnelle koschere Küche zum Mitnehmen oder vor Ort, von Sandwiches bis zu warmen Deli-Klassikern – ein unkomplizierter Anlaufpunkt mitten in Prenzlauer Berg.

  • 📍 Gleimstraße 42, 10437 Berlin, Prenzlauer Berg
  • 🚇 ÖPNV: S1, S8, S85 Bornholmer Straße; U2 Vinetastraße

Eivgi’s Orientalische Hausmannskost

Koscheres Fleischrestaurant mit mediterran-orientalischer Küche wie Falafel, Shakshuka und Hummus, zertifiziert vom Rabbiner der Synagoge Tiferet Israel.

  • 📍 Belziger Str. 75, 10827 Berlin, Schöneberg
  • 🚇 ÖPNV: U7 Eisenacher Straße oder Bayerischer Platz; Bus 104, 106, 187

Hummus & Friends

Israelisches Fast-Casual-Konzept direkt neben der Neuen Synagoge: frisch zubereiteter Hummus in vielen Varianten, Falafel und Salate, überwiegend vegan/pareve. Auch am Schabbat geöffnet, die koschere Zertifizierung ist daher nicht durchgehend gegeben – bei Bedarf vorab erkundigen.

  • 📍 Oranienburger Straße 27, 10117 Berlin, Mitte
  • 🚇 S1, S2, S25, S26 Oranienburger Straße; U6 Oranienburger Tor; Tram M1, M12

Koschere Restaurants

⭐ Top-Restaurant: Bobbe Speisesalon

Das einzige glatt-koschere Restaurant Berlins, zertifiziert vom Rabbiner der Synagoge Joachimstaler Straße. Jüdische Hausmannskost wie Hummus-Schnitzel-Variationen und Pargit, an warmen Holztischen in familiärer Atmosphäre. Freitags und samstags geschlossen.

  • 📍 Motzstraße 91, 10779 Berlin, Wilmersdorf/Schöneberg
  • 🚇 U3 Spichernstraße, U9 Güntzelstraße; Bus 204

Feinberg’s

Kulinarische Institution des ehemaligen Balletttänzers Yorai Feinberg: gehobene israelisch-sefardische Küche wie Shakshuka, Baba Ganoush und Gefillte Fisch, milchig und fleischig strikt getrennt serviert.

  • 📍 Fuggerstraße 35, 10777 Berlin, Schöneberg
  • 🚇 U1, U2, U3 Wittenbergplatz; U4 Viktoria-Luise-Platz

L’chaim Restaurant

Im Gebäude des Chabad-Zentrums gelegenes gehobenes koscheres Restaurant unter Aufsicht von Rabbiner Yehuda Teichtal: frischer Fisch, erstklassiges Fleisch und feine Weine in elegantem Ambiente.

  • 📍 Münstersche Straße 6, 10709 Berlin, Wilmersdorf
  • 🚇 U7 Konstanzer Straße

Beth-Café

Im Gemeindehaus der Adass-Jisroel-Synagoge gelegenes, von Gemeindemitgliedern betriebenes Café mit israelisch-jüdischer Küche: Hummus, Falafel, Fisch, gefüllte Teigtaschen und Kneidlach in unprätentiösem Ambiente.

  • 📍 Tucholskystraße 40, 10117 Berlin, Mitte
  • 🚇 S1, S2, S25, S26 Oranienburger Straße; U6 Oranienburger Tor; Tram M1, M12

Jüdische Veranstaltungen und Festivals in Berlin

⭐ Top-Veranstaltung: Jüdische Kulturtage Berlin

Seit 1986 lädt die Jüdische Gemeinde zu Berlin jedes Jahr im November zu diesem mittlerweile größten jüdischen Kulturfestival Deutschlands ein. Elf Tage lang verwandeln Konzerte, Lesungen, Comedy, Theater und Filmvorführungen die Stadt in einen Ort jüdischer Gegenwartskultur – mit wechselndem Jahresmotto und internationalen Gästen aus Musik und Literatur. Hauptspielstätten sind traditionell die Synagoge Rykestraße, das Jüdische Gemeindehaus Fasanenstraße und die Neue Synagoge, ergänzt um Kinos, Theater und die Staatsbibliothek. 2026 finden die 39. Kulturtage vom 12. bis 22. November unter dem Motto „Zadikim – Zeit für Gerechte“ statt.

Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg (JFBB)

1995 von Nicola Galliner gegründet, ist das JFBB heute das größte und bedeutendste Forum für jüdisches Kino in Deutschland und eines der wichtigsten in Europa. An mehreren Tagen im Mai zeigen Berliner Kinos wie das Filmkunst 66, Moviemento, Bundesplatz-Kino und Kino Krokodil sowie das Filmmuseum Potsdam rund 60 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus über 20 Ländern – im Zentrum stehen zwei Wettbewerbe um den besten Spiel- und besten Dokumentarfilm, ergänzt um Sonderreihen und Gespräche mit den Filmschaffenden.

Koscheres Streetfood Festival

Ein noch junges, aber schnell beliebt gewordenes Sommerfest im Hof der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße: koschere Kulinarik von verschiedenen Ständen, Livemusik und Familienprogramm mitten in der Stadt. Veranstaltet von der Jüdischen Gemeinde als sommerlicher Vorgeschmack auf die Jüdischen Kulturtage im November, fand die letzte Ausgabe am 21. Juni 2026 statt.

Einzelveranstaltungen

Über das ganze Jahr verteilt gibt es in Berlin immer wieder einzelne Konzerte, Lesungen, Ausstellungseröffnungen, Führungen und Gedenkveranstaltungen rund um jüdisches Leben – von Klezmer-Konzerten bis zu Gesprächsabenden. Am besten behaltet ihr dafür die Social-Media-Kanäle der jüdischen Gemeinden in Berlin, des Jüdischen Museums und der einzelnen Kulturorte im Blick. Dort werden aktuelle Termine meist kurzfristig angekündigt.

Geführte Touren durch das jüdische Berlin

Das jüdische Berlin lässt sich auf geführten Touren sehr gut erkunden, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen – von der wechselvollen Geschichte des Scheunenviertels über den Widerstand in der NS-Zeit bis zu modernem jüdischen Leben in Berlin heute.

Buchtipps

Die Geschichte der Juden in Berlin und des jüdischen Berlins im Allgemeinen ist seit Jahren gut erforscht und es gibt zahlreiche Bücher zu dem Thema. Drei von ihnen möchten wir euch hier ganz besonders ans Herz legen.

Letzte Aktualisierung am 19.09.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Das Taschenbuch ist zwar bereits vor über zehn Jahren erschienen, ist aber ein zeitloser Klassiker. Auf den Spuren von Heinrich Heine, Walter Benjamin, Kurt Tucholsky und vielen anderen bedeutenden Geistesgrößen wagt die Autorin hier literarische Streifzüge durch Berlin und lässt so den alten Glanz der jüdischen Gemeinden wieder aufleben.

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Auch dieses Buch begibt sich auf Spurensuche. Ein Gebäude in der Auguststraße dient hierbei als Aufhänger und als Ort, an dem sich viele jüdische Schicksale verbanden. Ein gut recherchierter und eindrucksvoller Beitrag!

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In dem kompakten Buch führt Bill Rebiger zu jüdischen Orten der Gegenwart, stellt aber auch Friedhöfe, alte Synagogen und Orte vor, die mit der Shoah in Verbindung stehen.

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Der Sammelband, herausgegeben von Hanno Hochmuth, Historiker am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, beleuchtet die wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens in Berlin – von mittelalterlichen Pogromen und Verfolgung über die erkämpfte Emanzipation bis zur Blütezeit als Zentrum jüdischen Lebens im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, gefolgt von der systematischen Zerstörung durch die NS-Diktatur. Nach der Shoah knüpft der Band mit einer Darstellung des jüdischen Lebens im geteilten und wiedervereinigten Berlin an. Etwas für die, die sich für mehr als einen bloßen Rundgang interessieren.

Websitetipp

Wir wollen euch das Projekt Jewish Places wärmstens ans Herz legen. Hier sind nicht nur alle jüdischen Sehenswürdigkeiten gelistet, sondern auch Stolpersteine, Spaziergänge und vieles mehr zu den Spuren jüdischen Lebens in ganz Deutschland.

Ihr habt noch nicht genug von Berlin? Hier geht es zu unserem Artikel über die spannendsten DDR-Bauten in Ostberlin. Und wenn ihr hier klickt, kommt ihr zu unserem Artikel über die Karl-Marx-Allee. Fans des Jugendstil sollten sich auf jeden Fall diesen Beitrag nicht entgehen lassen.

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Markus Bingel hat lange in Polen, der Ukraine und Russland studiert und gearbeitet. Als Reisebuchautor zieht es ihn mehrmals im Jahr in die Länder des „Wild East“ – und noch immer ist er jedes Mal fasziniert von dieser Region. Als Co-Gründer des Blogs möchte er euch gerne die unbekannten, spannenden und immer wieder überraschenden Seiten Osteuropas vorstellen.

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