Obwohl man von Berlin bis zur polnischen Grenze sowohl mit dem Auto als auch mit dem Zug nur rund anderthalb Stunden benötigt, ist Deutschlands östlicher Nachbar für viele immer noch eine große Unbekannte. Die meisten verbinden mit Polen vor allem die Solidarność, Papst Johannes Paul II. und ein in den letzten Jahren nicht immer konfliktfreies Verhältnis zur Europäischen Union.
Noch bis vor 100 Jahren war das Land zwischen Russland, Deutschland und Österreich geteilt, weshalb sich seine Regionen ganz unterschiedlich entwickelt haben. Kulturell gibt es daher erhebliche Unterschiede innerhalb des Landes, die immer wieder spannende Entdeckungen ermöglichen. Nationale Minderheiten wie Schlesier im Süden des Landes und Kaschuben in Nordpolen haben zudem ihre eigenen Traditionen und Bräuche, die zur Vielfalt der polnischen Kultur beitragen.
Polen begeistert seine Besucher in erster Linie dank seiner wundervollen Städte, die auf eine teils jahrhundertelange Geschichte zurückblicken können. Die Hauptstadt Warschau ist eine der dynamischsten Metropolen Europas und kann vor allem mit ihrem Mix aus moderner Architektur und der einmaligen, nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Altstadt punkten. In Krakau, der historischen Hauptstadt des Landes, scheint die Zeit hingegen ein Stück weit stehengeblieben zu sein. Danzig bietet seinen Besuchern hanseatisches Ostseeflair, während Breslau erst 2016 Europas Kulturhauptstadt war. Posen im Westen des Landes und Lublin im Osten sind touristisch noch wenig bekannt, verfügen aber ebenfalls über wunderschöne Altstädte. Łódź hingegen hatte lange mit dem Niedergang der lokalen Wirtschaft zu kämpfen, entwickelt sich aber immer mehr zu einer modernen, kreativen Stadt und Allenstein ganz im Norden des Landes bildet den perfekten Ausgangspunkt für eine Erkundung der benachbarten Masuren.
Während der Städtetourismus immer schon eine wichtige Rolle gespielt hat, zieht es in den letzten Jahren immer mehr Menschen in die Natur. Polen verfügt über eine vielfältige Naturlandschaft, ganze 23 Nationalparks zählt das Land. Die Palette reicht von breiten Ostseestränden über die einmalige Masurische Seenplatte bis zum berühmten Białowieża-Gebiet, dem letzten Urwald Europas. All diese Schönheiten befinden sich im Norden des Landes, aber auch der Süden hat einiges zu bieten, gerade für Wanderer: Die Bieszczady sind genau wie die Tatra im Grenzgebiet zur Slowakei ein Ausläufer der Karpaten. Auch das sagenumwobene Riesengebirge an der tschechischen Grenze lädt zu ausgiebigen Touren ein.
Polens Kultur ist vor allem dank seiner Musik bekannt. Vertreter wie Frédéric Chopin und Artur Rubinstein genießen Weltruhm, auch die Jazzszene gilt als einer der aktivsten Europas. Maler wie Stanisław Wyspiański und Jan Matejko sowie Dichter und Schriftsteller wie Adam Mickiewicz und Henryk Sienkiewicz haben außerdem einen eigenen, stark von der polnischen Natur geprägten Stil entwickelt, dessen Einflüsse man noch heute spürt.
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